Kunstbericht 2003: Einschränkung der Unabhängigkeit und Rückkehr zur Feudalpolitik

38%-Kürzung der Basisförderung bedeutet Destabilisierung der Kulturinitiativen in allen Bundesländern "Der Kunstbericht 2003 macht deutlich, dass sich Kulturinitiativen von der angeblich neuen Verteilungspolitik der schwarz-blauen Bundesregierung nichts erhoffen dürfen." Die IG Kultur Österreich hat sich aufgrund der Vorjahresentwicklungen stets mit Skepsis dazu geäußert, dass die von Kunststaatssekretär Morak angekündigte Budgeterhöhung in der Förderabteilung II/8 (Regionale Initiativen und Kulturzentren) eine Verbesserung der strukturellen Rahmenbedingungen nach sich ziehen

Der neue Feudalismus

Kunst, Kultur und Bildung im digitalen Informationszeitalter Martin Wassermair und Konrad Becker In Österreich herrscht trügerische Gelassenheit. Vorerst noch. Denn weltweit mehren sich kritische Stimmen, die eindringlich vor neuen großen Gefahrenpotentialen für die modernen Informations- und Wissensgesellschaften warnen. Manche sprechen sogar von einem "Copyright-Krieg", der Freiheit und Demokratie in ihren Grundfesten erschüttert. Was steckt dahinter? Früher bestimmten materielle Besitzverhältnisse die Strukturen der Macht. Wer über Land

Künstlersozialversicherung ist keine Erfolgsgeschichte!

Der Kulturrat Österreich nimmt zur Mitteilung von Staatssekretär Franz Morak anlässlich des Erscheinen des Kunstbericht 2003 wie folgt Stellung: Davon, dass sich "die soziale Absicherung der Künstler erheblich verbessert" hätte (so Staatssekretär Morak), kann keine Rede sein. Im Gegenteil: 2003 wurden sogar die Beiträge des Bundes zum Künstlersozialversicherungsfonds eingestellt und daher zuletzt Spielräume für spürbare Verbesserungsmaßnahmen als nicht finanzierbar abgewiesen. Morak kündigt (im übrigen bereits seit

Petition an Landeshauptmann Waltraud Klasnic

Großprojekte werden gemästet während unzählige Kulturinitiativen am Verhungern sind Unterzeichnet von 54 Initiativen und 6 freischaffenden KünstlerInnen

FP-Minister Haupt verhindert Jugendinitiative gegen Rassismus

Ignoranz der Bundesregierung ist offenkundig politisches Programm "Noch in der Vorwoche hat amnesty international die Häufung rassistischer Polizeiübergriffe in Österreich schwer beklagt. Doch die Bundesregierung verhält sich nicht nur teilnahmslos, sondern erklärt ihre Ignoranz offenkundig zum politischen Programm!". Die IG Kultur Österreich verurteilt die aktuelle Entscheidung von FP-Sozialminister Herbert Haupt, einer jugendlichen Antirassismus-Initiative trotz hochkarätiger Anerkennung in letzter Minute die Finanzierung zu verweigern. Zu den Hintergründen:

Zwischen den Amtsstühlen

Am Dienstag, 18. Mai 2004, widmete sich eine Diskussionsrunde im Wiener Depot einer Fragestellung, die vielen Kulturinitiativen sehr vertraut ist: Welche Gebietskörperschaft fördert was und nach welchen Richtlinien? Häufig werden Anträge vom Bund mit dem Argument zurückgewiesen, dass diese in den Zuständigkeitsbereich der Länder fielen. Diese spielen dann oft den Ball an die Städte weiter. Es gibt vielfach keine gemeinsamen Gesetze oder Richtlinien, die eine Aufteilung

Kritik am neuen Privatradiogesetz

Kulturinitiativen droht Verlust wichtiger Artikulationsräume im lokalen Rundfunk "Von Vielfalt kann fortan nicht mehr die Rede sein, die Bundesregierung hat die Weichen auf noch mehr Medienkonzentration gestellt!" Die IG Kultur Österreich schließt sich der Kritik des Verbandes Freier Radios zum neuen Privatradiogesetz an, das bereits am 25. Mai 2004 im Ministerrat beschlossen werden soll. Die nun vorgelegte Novelle ermöglicht die Zulassung bundesweiter Privatradios, wodurch die kleinen

Geförderte Transparenz?

Ein Beitrag von Petra Bernhardt Soviel steht fest: Etwa 5 Prozent des österreichischen Kulturbudgets werden über die Kunstverwaltung des Bundes ausgeschüttet. Fragwürdig dabei ist, nach welchen Kriterien das passiert. Während man sich auf Seiten der Verwaltung gerne selbst beweihräuchert, und den Anspruch zur Offenlegung in der Publikation poppiger Kunstberichte erfüllt sieht, klagen Kulturschaffende immer wieder über langwierige und diffuse Entscheidungsabläufe bei der Abwicklung ihrer Förderungsansuchen. Um

Partizipation als Demokratiemodell

Gabriele Gerbasits vertrat die IG Kultur Österreich mit folgendem Impulsstatement (Titel: Das Partizipative Demokratiemodell in Porto Alegre) bei der Fachtagung "KulturMitWirkung – Kultur/einrichtungen und Förderung von Partizipation", die von 22. - 23. April 2004 in Wien stattfand. Die IG Kultur Österreich beschäftigt sich seit einiger Zeit mit dem Thema Partizipation - wobei die IG Kultur als Interessenvertretung von autonomen Kulturvereinen ihren Fokus auf die Partizipation von

Abbruch der Brücken? Zum Fehlen einer wissenschafts- und bildungspolitischen Konzeption Österreichs gegenüber den neuen EU-Mitgliedstaaten in der Region

Andreas Pribersky Das Bild Österreichs als Brückenverbindung zu den (süd)östlichen Nachbarstaaten ist eine prägende Metapher der 2. Republik: Von der Hilfe für die Ungarnflüchtlinge des Jahres 1956 über die Ära Kreisky bis zu den Planungen der gemeinsamen Weltausstellung Wiens und Budapests Ende der 1980er Jahre findet es sich als Bild für Österreichs regionale Rolle am Eisernen Vorhang in unzähligen Texten und Dokumenten. Auch im abschließenden Avis

EU-Europa als visuelles Narrativ

Heidemarie Uhl Die EU-Integration ist nicht allein ein politisch-ökonomischer, sondern vor allem auch ein mentaler Prozess. Die Herausbildung einer kollektiven europäischen Identität ("wir Europäer") scheint derzeit allerdings ein Problemfeld zu sein: Der Befund eines "Mythendefizits" (Wolfgangs Schmale), an dem Europa scheitern könne, evoziert zunehmend entsprechende identitätspolitische Anstrengungen auf EU-Ebene, die allerdings zumeist auf das Repertoire der "invention of tradition" der nationalen Bewegungen des 19. Jahrhunderts zurückgreifen.

Zur politischen Funktionalität der Rede vom europäischen Öffentlichkeitsdefizit

Monika Mokre und Sonja Puntscher Riekmann Ein Defizit ist ein Fehlbetrag. Also etwas, das für die EU seit langem von großer Wichtigkeit ist, wurden doch zahlreiche Sozialprogramme der Mitgliedstaaten mit dem Hinweis auf den Stabilitätspakt und seine strikten Begrenzungen für Budgetdefizite gekappt. Wird im Kontext der Europäischen Union allerdings von Defiziten gesprochen, so sind diese meist ganz anderer Natur. Ein Demokratiedefizit, ein Öffentlichkeitsdefizit, gar ein Identitätsdefizit