Alles Terroristen ... FP-Hinterbänkler auf der Jagd nach gewaltbereiten Kulturwissenschaftern

Gerald Raunig Andere bringen es nur (mehr) zu Diskussionen in diversen Unterausschüssen und Beiräten, so z.B. die im September zum wiederholten Male von der Publizistikförderung ausgeschlossenen Periodika akin, ArbeiterInnenstandpunkt und Context XXI. An diesen Publikationen und ihren politischen und wissenschaftlichen Umfeldern ideologische Kritik zu üben, steht den verantwortlichen Beiratsmitgliedern nicht zu, ihre Ablehnung gar nicht zu begründen, nach gerichtlichem Urteil auch nicht mehr. Also wird den

Ohrenbetäubende Schweigsamkeit. Zur Schmerzbehandlung in der Kultur- und Medienpolitik

Martin Wassermair Um Franz Morak ist es stiller geworden. Auftritte werden zunehmend seltener, immer weniger wissen auf künstlerischem Terrain von persönlichen Begegnungen zu berichten. Die Kulturpolitik der rechtskonservativen Wende verliert damit an Dynamik und Substanz. Doch manche beklagen die Ruhe und die Schweigsamkeit. Vor allem angesichts der Tatsache, dass die Probleme sich häufen und das gesamte kulturelle Feld durch Sparmaßnahmen und eine brachiale Nulldefizit-Verordnung schwer in

Europäische kulturelle Netzwerke und Networking in Mittel- und Osteuropa

Die vorliegende Studie (IG Kultur Österreich in Kooperation mit eipcp ) beschreibt die Partizipation mittel- und osteuropäischer Mitglieder in europäischen/weltweiten Netzwerken. Dabei wurde nicht die Perspektive der Mitglieder erfasst, sondern bei den Netzwerken als 'Organisationen' angesetzt. Interviews fanden vor allem mit KoordinatorInnen und Vorstandsmitgliedern von Netzwerken statt, die Fragebögen wurden an die Koordinationsbüros versandt. In diesem Kapitel wird versucht, eine inhaltliche Auseinandersetzung mit einer quantitativen Beschreibung

Protest gegen italienische Polizeigewalt!

Protestaufruf IG Kultur Österreich Die IG Kultur Österreich, die bundesweite Interessenvertretung von über 350 Kulturinitiativen, veurteilt die italienische Polizeigewalt, die im Zuge des G8-Gipfels in Genua unter anderem gegen Kulturschaffende angewendet wurde. Die IG Kultur Österreich protestiert vor allem gegen die willkürliche Verhaftung und schwere körperliche Misshandlung der AktivistInnen der freien Theatergruppe "VolxTheaterKarawane - NO Border NO Nation" durch die italienische Polizei. Die Theater-"Karawane" befand sich

Die wundersame Wiedergewinnung des Kulturressorts durch die Wiener SPÖ

Interview mit Andreas Mailath-Pokorny Durch die absolute Mandatsmehrheit ist auch der Posten des Kulturstadtrats quasi zurück in den Schoß der Wiener SPÖ gefallen. Wie wird sich Ihre Politik von der Ihres ÖVP-Vorgängers Marboe unterscheiden? Ich komme relativ unmittelbar von einer nicht uninteressanten Diskussion innerhalb und im Umfeld der Sozialdemokratie, wo sich einige Leute zusammengefunden haben, um sozialdemokratische Kulturpositionen zu definieren. Das passiert im größeren Kontext von

6 Tote, 144 Verletzte. Die bisherige Bilanz des freiheitlich-konservativen Kulturkampfes

Gabi Gerbasits Die IG Kultur Österreich hat während der Sommermonate über 150 Kunst- und Kultureinrichtungen nach den Ergebnissen ihrer Subventionsverhandlungen im Bundeskanzleramt/Kunstsektion befragt. Das Ziel dieser Befragung war ein dreifaches: einen Überblick über die tatsächlichen Kürzungen zu erhalten, einen Rahmen zu finden, in dem das kulturpolitische Ziel von Förderentscheidungen festgestellt werden kann und die Konsequenzen darzustellen. Ausgangspunkt der Befragung war die Tatsache, dass den einzelnen Abteilungen

Menasses Freiheit

Ein Kommentar von Gerald Raunig im Falter 20/00 "Ich gehe unbehelligt demonstrieren. Ich kann sagen, schreiben, publizieren, was ich will. Ich kann mich versammeln mit Freunden, mit Gleichgesinnten, Pläne schmieden, ich kann versuchen, diese Pläne umzusetzen, und scheitere, wenn ich scheitere, nur an mir selbst und nicht an der Staatsgewalt. Schreibt Robert Menasse, das autonome Künstlersubjekt, im Wochenend-Standard in einem Essay, in dem es eigentlich um

In Österreich herrscht keine Normalität

Eine Stellungnahme der Kulturpolitischen Kommission English version Version francaise Seit Februar 2000 ist in Österreich eine Koalitionsregierung der rechten FPÖ und der christdemokratischen ÖVP an der Macht. Seither werden gegen die Beteiligung der FPÖ an der Regierung jeden Donnerstag Demonstrationen und jeden Samstag vor dem Bundeskanzleramt Informations- und Tanzveranstaltungen abgehalten. Die von der Regierung gesetzten Maßnahmen haben janusköpfigen Charakter. Gegenüber dem Ausland und der weniger differenzierenden

A Normal State Does NOT Rule in Austria

Since February 2000, a coalition government comprised of the right-wing FPÖ and the Christian democratic ÖVP has been in power in Austria. And since then demonstrations have taken place against the FPÖ every Thursday, and information and dance events have been held in front of the Chancellory every Saturday. The measures taken by the government have a two-faced character. Towards the international community and the less

En Autriche, rien n'est "normal"

Depuis février 2000, un gouvernement de coalition, formée par le FPÖ, parti de droite, et l'ÖVP chrétien-démocrate, est au pouvoir en Autriche. Depuis lors, devant la Chancellerie, des manifestations ont lieu tous les jeudis, et des actes d'information et de danse sont organisés tous les samedis pour protester contre la participation du FPÖ au gouvernement. Les mesures gouvernementales – envers et endroit d'une médaille. Face à

Identity kills. Gegen die Instrumentalisierung der Kultur für das in Europa grassierende Gespenst der Identität

Gerald Raunig Aus: Einheit Europa. Kulturrisse . Dezember 1998. "... Der Kulturentwicklungsplan dient vor allem der Entwicklung einer Linz-spezifischen kulturellen Corporate Identity...”, diese unverwechselbare Identität ”wiederum als Waffe in der zunehmenden Städtekonkurrenz im Europa der Regionen”. Der stolze Linzer Bürgermeister Dobusch bringt die Sache auf den Punkt. ... Es ist der erklärte kulturpolitische Wille der Stadt, "Kunst und Kultur als wesentliche Identitätsfaktoren der Stadt nach innen

Zwischen Gulag und shopping mall. Europäische Identität und "Osterweiterung"

Boris Buden Aus: Einheit Europa. Kulturrisse . Dezember 1998. Wenn sich heute die europäische Kultur mit dem Problem der sogenannten Osterweiterung befaßt, muß sie in erster Linie ihr Verhältnis zur Politik kritisch reflektieren. Hier wie kaum anderswo kommt ihre politische Rolle zum Vorschein, da sie - die Kultur - es ist, die in der gegenwärtigen Welt die wichtigsten Prozesse der politischen In- und/oder Exklusion entscheidend reguliert.