Recht, Finanzen und Gemeinnützigkeit
Mit Abstand am häufigsten wurden Fragen zu Vereinsrecht, Steuern und Finanzpraxis genannt. Die Rückmeldungen machen deutlich, dass viele Kulturvereine mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind – insbesondere wenn abstrakte rechtliche Vorgaben in die konkrete Praxis eines Kulturvereins übersetzt werden müssen. Im Zentrum stehen Fragen zu
- geeigneten Rechtsformen für Kulturarbeit und möglichen Alternativen zum Verein,
- Einnahmen-Ausgabenrechnung, Rücklagenbildung und korrekter Buchhaltung,
- steuerlichen Fragen im Umgang mit internationalen Künstler*innen, insbesondere zur sogenannten Ausländerabzugssteuer.
Die IG Kultur lädt regelmäßig zu Webinaren und informiert über rechtliche und steuerliche Grundlagen sowohl aus Expert*innen- als auch Praxisperspektive (Reihe „Rechtsauskunft - Praxiseinblick“). Den Fragen zur Einnahmen-Ausgabenrechnung und korrekten Buchhaltung im Kulturverein widmet sich das Webinar am 26. Februar. Im März folgt ein Webinar zu möglichen Rechtsformen sowie deren Vor- und Nachteile für Kulturarbeit. Über Grundlagen der Abzugssteuer bei Mitwirkenden aus anderen Ländern informiert die aktuelle Ausgabe der Rechtsauskunft: Steuern im Kulturverein – Fokus Abzugssteuer.
Organisation, Ehrenamt und Publikum
Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Zukunftsfähigkeit von Kulturvereinen. Rückmeldungen beziehen sich insbesondere auf Fragen der Mitglieder- und Publikumsentwicklung – vor allem im Hinblick auf junge Menschen –, den Umgang mit Freiwilligenarbeit sowie den Generationswechsel in Organisationen. Gewünscht wurden Austauschformate, praxisnahe Weiterbildungsangebote, Peer-Learning, Mentoring und Beratung, um nachhaltige Organisationsstrukturen zu stärken und Wissen zwischen Generationen weiterzugeben.
Mit dem Erasmus+ Projekt FULCRUM schließt die IG Kultur Österreich im April 2026 ein internationales Trainings- und Austauschprogramm zu Publikumsentwicklung und Community-Building ab. Die Ergebnisse der Evaluierung werden im Rahmen der internationalen Abschlusskonferenz am 26. März in Brüssel vorgestellt und dienen als Grundlage, um zentrale Erkenntnisse für die Praxis von Kulturvereinen im österreichischen Kontext nutzbar zu machen.
Förderstrukturen, Sichtbarkeit und gesellschaftliche Verantwortung
Die Rückmeldungen zeigen, dass Kulturvereine über individuelle Anliegen hinaus die strukturellen Rahmenbedingungen von Kulturarbeit in den Blick nehmen. Im Fokus stehen Fragen der Verteilungsgerechtigkeit im Fördersystem sowie die Rolle und Sichtbarkeit freier Kulturarbeit als gesellschaftliche und demokratische Infrastruktur. Thematisiert wurden Ungleichheiten in der Verteilung von Förderbudgets – etwa zwischen institutionalisierter Hochkultur und freier (Sub-)Kulturarbeit sowie zwischen urbanen Zentren und ländlichen Regionen. Auffällig ist zudem der Bedarf an belastbaren Daten über Arbeitsrealitäten, Ressourcen und gesellschaftlicher Wirkung freier Kulturarbeit.
Die kritische Auseinandersetzung mit Förderpraxis und Rahmenbedingungen gehört seit jeher zur Arbeit der IG Kultur. 2026 wird dieser Zugang gezielt vertieft und erweitert: nicht nur, um Erfahrungen und Problemlagen zu benennen, sondern belastbar sichtbar zu machen, unter welchen Bedingungen Kulturvereine tatsächlich arbeiten, welche Handlungsspielräume bestehen – und welche strukturellen Veränderungen notwendig wären, um faire Rahmenbedingungen und geringere administrative Belastungen zu ermöglichen.