Praxis

"Schwere Sachbeschädigung oder notwendige Ergänzung eines gefälschten Zitats?" Eine künstlerische Intervention wider das Vergessen und Verstecken von Vergangenheit in Österreich.

Mittwoch, 29. August 2001. Salzburg, Neue Residenz, Kaigasse 2. Wolfram P. Kastner und Martin Krenn ergänzen im Rahmen des Projekts "Rückgabe" mit Studierenden der "Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg" das Zitat auf der Gedenktafel für Theodor Herzl um einen entscheidenden Satz aus Herzls Tagebuch. Während auf der Tafel ausschließlich geschrieben steht "In Salzburg brachte ich einige der glücklichsten Stunden meines Lebens zu", fügen die KünstlerInnen folgenden Nachsatz handschriftlich hinzu: "Ich wäre auch gerne in dieser schönen Stadt geblieben; aber als Jude wäre ich nie zur Stellung eines Richters befördert worden."

Young Creatives: Unterversicherte Nomaden

Anders sieht die Sache selbstverständlich auf der Seite der ArbeitgeberInnen aus. Für sie kommt es zu abrechenbaren Vorteilen, fallen die Lohnnebenkosten doch weg bzw. sinken beträchtlich. Ein klassisches Konfliktmuster also, für das sich traditionell die Gewerkschaften verantwortlich fühlen sollten. Die allerdings können mit der neuen marginalisierten Schicht bisher wenig anfangen und haben das Problem daher bisher großteils ignoriert

Neuer Wein in alten Schläuchen. Wechsel im Vorstand der IG Kultur Österreich

Die Schlüsselebene der Kulturpolitik hat sich - naturgemäß - durch die Verwerfungen im politischen System Österreichs radikal verändert. Die einzige Kontinuität ist die fatale Ausgangsposition der Defensive in Sachen Kulturförderung, bedingt durch eine breite politische Achse, die schon vor dem Wechsel von der großen zur ganz kleinen Koalition auf Sparefrohpolitik und Rücknahme von Förderungen aller zivilgesellschaftlicher Formationen ruhte.

Zur Neugründung des Tanzquartier Wien - eine Zwischenbilanz

Eine einfache und dennoch komplexe Tatsache ist, dass die Entwicklung des Neuen sich nicht ohne Spannungen vollzieht. Auch die politisch ambitionierte Neugründung einer Institution wie des Tanzquartier Wien, des ersten Tanz- und Performancehauses Österreichs, kann sich nicht geräuschlos vollziehen, zu stark sind die Identifikationen mit dem Bestehenden und Gewohnten, zu groß die Ängste und Projektionen gegenüber einem entstehenden Gebilde, das als Novum seine Position in einer sich über Jahre kaum verändernden, gleichsam zementierten Subventionslandschaft behauptet.

Kultureller Stellenwert und politische Bedeutung von Open Source und freier Software

Open Source, Free Software, Linux, Apache. Das alles sind Namen, die in den unterschiedlichsten Bereichen für Verwirrung und Aufsehen sorgen. Spätestens seit dem Boom des freien Betriebssystems Linux und der Ausrufung von Apache zum beliebtesten Webserver der Welt wird das Phänomen Open Source ernst genommen.

TQW oder die Notwendigkeit zu kooperieren

Nein, der 40-jährige Choreograph Bert Gstettner bespielt mit seinem Tanz*hotel nicht im Alleingang die Stadthalle. Nein, das 20-jährige Tanztheater Homunculus (geleitet von Manfred Aichinger und Nikolaus Selimov) performt nicht im Hanappi-Stadion. Helmut Ploebsts Satire (siehe Kulturrisse 04/ 01) ist nicht zur Realität geworden. Oder doch? Jedenfalls hat sie prophetischen Charakter bewiesen.

Tanz 1070/1030

Seit kurzem gibt es in Wien zwei neue Hallen, in denen Tanz stattfinden kann: Die Halle G im Museumsquartier und die Halle 1030 im 3. Bezirk. Jede Tanzfreundin kann sich über neue Spielstätten nur freuen. Spielstätten für Tanz sind nämlich äußerst rar.

MigrantInnen im Kulturbereich. Beobachtungen aus der Provinz

Seit drei Jahren intensiviert sich in Oberösterreich ein Diskussionsprozess um die Thematik der Partizipation von MigrantInnen im Kulturbereich. Diese Intensivierung wurde durch den Beitritt von MAIZ als erste MigrantInnenorganisation in die oberösterreichische Plattform der Kulturinitiativen, die KUPF, ausgelöst.

In Zusammenarbeit mit gangart. Zur Frage der Repräsentation in Partizipations-Projekten

Als Dreizehnjähriger war Baris von seinem Onkel aus der Türkei nach Österreich geholt worden, wo er vier Jahre lang mit einem Touristenvisum lebte. Er ging zur Schule, lernte Deutsch, schloss Freundschaften. Dann liefen alle Aufenthaltsgenehmigungen ab, Baris wurde illegal.
IG Kultur, Symposium 1995

Die Geschichte der IG Kultur von 1990 - 2000

Die Geschichte der IG Kultur Österreich beginnt im Grunde genommen schon lange vor ihrer Gründung im Juni 1990: Bereits in den frühen 80er Jahren wurden in der Szene autonomer Kulturarbeit erste österreichweite Vernetzungsversuche unternommen.