Botschafter_innen aller Länder

 

Art begins Art of DemocracyMitten im Februar trafen sich sogenannte Botschafter_innen des Jugend in Aktion Projektes „Art of Democracy - Artistic Expression for Democratic Participation" organisiert von der Bäckerei in Innsbruck, um gemeinsam über erste Voraussetzungen für die Verbindungen von Demokratie und künstlerischen Mittel nachzudenken. Die Botschafter_innen aus Spanien, der Slowakei und Österreich waren in ihrer Zusammensetzung ein spannender Mix aus Kulturarbeit, Jugendarbeit, Stiftungen und Verwaltung, an sich schon sehr diverse Perspektiven auf das Thema Demokratieverständnis, Jugendarbeit und Kunst und Kultur.

Das Projekt versucht über mehrere Phasen hinweg ein Handbuch zu erstellen, dass es Jugend- und Kulturarbeiter_innen und informelle Gruppen von jungen Menschen erleichtern soll, selbst Projekte durchzuführen, die sich mit Demokratie beschäftigen und dafür künstlerische Methoden einsetzen wollen. Nicht umsonst ging es in der ersten Phase erstmals darum, Eindrücke zu sammeln, was die Verbindung von Demokratie und Kunst für Jugendliche interessant macht.

 

“Art begins, where one stops being a passive bystander but takes an active and interactive part in creating a piece of art. Democracy starts, when people realize themselves as the authors of their political conditions instead of instantly delegating problems to institutions.” schreiben die Organisator_innen.

Zukunftslabor Art of DemocracyDeshalb galt es in einer ersten Arbeitsphase des Treffens zu diskutieren, was Demokratie war, philosophisch, politisch und gesellschaftlich. Dabei gilt in vielen Bereichen bis heute, dass es ein Recht der Bürger_innen ist, etwa wählen zu gehen und im Rahmen der repräsentativen Demokratie eine Stimme abzugeben. Aus der Geschichte wissen wir, dass diese Form der Demokratie auch immer Ausschlüsse produziert hat, das gilt für die griechische Antike, die Frauen, Sklaven und Kinder ausschloss und bis heute, wo Teile der Bevölkerung ohne die entsprechenden Papiere nicht wählen können oder eben auch keine Kinder. Erst 2010 wurde Österreich vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt, weil es Menschen, die für länger als ein Jahr eine Gefängnisstrafe absitzen mussten, während der Haftstrafe und ein halbes danach vom Wahlrecht ausschloss. Doch was sagen uns die sinkenden Wahlbeteiligungen über die Bedeutung dieser repräsentativen Demokratie und wo kann die „Kunst der Demokratie“ gelernt, das einfache Delegieren verlernt und Partizipation ermöglicht werden?

 

Nicht umsonst stand deshalb die Frage im Raum, welche anderen Formen von demokratischer Beteiligung es geben könnte. „Was ist die Verbform vom Hauptwort Demokratie? Was wäre eine Form von Demokratie, die von gemeinsamem Handeln geprägt ist? „To democrate?“ Begleitet hat uns in diesem Teil Lukas Weiß vom Zukunftslabor Innsbruck.

 

 

What Art has to do with it?

Künstlerhaus Art of DemocracyAnhänger_innen eines engen, repräsentativen Kunstbegriffes, jene, die an golden gerahmte Ölbilder, große Oper und ehrwürdige Tempel denken, werden wohl wenig Verbindung zur Kunst der Demokratie finden können. Beide scheinen sich in den Fängen der Repräsentation verheddert zu haben. Gut, abseits der großen Tanker gibt es einen nicht zu vernachlässigenden Zweig zeitgenössischer, konzeptueller Kunst, die sich als Meister_innen der Intervention verstehen wollen, aber erreichen diese wirklich ein erweitertes Spektrum der Bevölkerung? Oder sind diese Formen wiederum gefährdet vom neoliberalen Kunstmarkt verschlungen zu werden? Oder sind viele dieserKunstaktionen defakto harmlos, weil eben als Kunst abgestempelt und somit irrelevant für politische Entscheidungsträger_innen? Mit Andrei Siclodi vomKünstlerhaus Büchsenhausen diskutierte mit den Teilnehmer_innen entlang zahlreicher Beispiele, etwa mit Ana Hoffners Arbeit: „Was ist Kunst?“

 

Onay Felipe Art of DemocracyWie können aber lokale, spezifische Interventionen das gewohnte Bild stören und wer kann sich daran beteiligen? Immer öfter verwenden lose zivilgesellschaftliche Zusammenschlüsse künstlerische Formate der Intervention, wie etwa Flash Mobs, um Brüche sichtbar zu machen. Bieten diese niederschwelligen Formen größere Möglichkeiten der Partizipation? Welche Spannungsverhältnisse ergeben sich daraus mit politischen Entscheidungsträger_innen? Was kann Kulturpolitik und was kann politische Kultur? Mesut Onay und Ingrid Felipe von den Grünen stellten sich der angeregten Diskussion.

 

 

 

Keep calm and start to listen

Kommunikation Art of DemocracyZu hören und ernst genommen werden, könnte die Formel, die grundlegende Basis für Teilhabe bzw. Partizipation sein. Ist es möglich, während eines Prozesses den eigenen Standpunkt zu ändern und Perspektiven zu wechseln? Gerade für Jugendliche ist in Zusammenarbeit mit Erwachsenen diese Frage essentiell wichtig, denn werden Prozesse nicht ernst genommen, ist die Lust an Teilhabe schnell vorbei. Was sind also Grundhaltungen, Grundeinstellungen von den am Prozess Beteiligten, das ist eine wichtige Frage. In diesem Sinne umfasst alle Kommunikation sprechen und zuhören. Klingt einfach, ist aber nicht selbstverständlich, meint etwa Peter Egg, ein Experte in partizipativen Projekten, nicht nur, aber auch mit Jugendlichen...

 

Das waren gesammelte Eindrücke von Youth Democracy – the Art of Democracy Phase 1 des Projektes, das die Bäckerei in Innsbruck organisiert. Schon in dieser Phase zeigte sich, wie unterschiedlich die Vorstellungen von Zusammenarbeit, offene Strukturen, Formen der Vermittlung und Erforschung von Methoden sein können. Die angeregten Diskussionen unter den Teilnehmer_innen werden sicherlich eine spannende Fortsetzung finden, das nächstemal gemeinsam mit Jugendlichen...

 

Diskussion Art of Democracy