Der Budgetvoranschlag des Bundes 2027/2028 liegt vor. Für Kunst und Kultur sind 2027 insgesamt 608,7 Millionen Euro vorgesehen – rund 21 Millionen Euro weniger als 2026. 2028 soll das Budget wieder auf 617,9 Millionen Euro steigen. Doch was sagen diese Zahlen tatsächlich aus? Welchen Stellenwert haben Kunst und Kultur im Gesamtbudget? Und was bedeutet der Voranschlag für die Förderungen der freien Szene? Wir haben die Zahlen im Detail analysiert.
Das Kunst- und Kulturbudget 2027/2028: Was ist bekannt?
Der Budgetvoranschlag zeigt, wie viel Geld der Bund in den Jahren 2027 und 2028 für Kunst und Kultur einplant. Er zeigt jedoch nicht, welche konkreten Fördersparten oder Förderprogramme in welcher Höhe betroffen sein werden
Für Kulturvereine und Antragstellende ist daher wichtig zu unterscheiden: Das Budget gibt finanzielle Obergrenzen vor. Welche Kürzungen tatsächlich bei welchen Förderprogrammen ankommen, wird erst durch die konkrete Umsetzung und Vergabeplanung des Kulturministeriums sichtbar.
Für 2027 sind insgesamt 608,7 Millionen Euro für Kunst und Kultur budgetiert. Im Vergleich zu 2026 mit 629,8 Millionen Euro bedeutet das eine Kürzung von rund 21 Millionen Euro bzw. 3,3 Prozent. 2028 steigt das veranschlagte Budget wieder auf 617,9 Millionen Euro. Dieser Anstieg ist jedoch vor allem auf 10 Millionen Euro für die Sanierung der Salzburger Festspielhäuser zurückzuführen. Das heißt 2028 wird das Budget im Wesentlichen auf dem Niveau von 2027 fortgeschrieben.
Wo erfolgen die Einsparungen 2027 im Vergleich zu 2026?
Die Kürzungen in Höhe von insgesamt 21 Millionen Euro verteilen sich im Kern auf drei Bereiche:
– 6 Millionen weniger Investitionsmittel bei den Bundesmuseen/ÖNB
Die Investitionsmittel für die Bundesmuseen und die Österreichische Nationalbibliothek werden um 6 Millionen Euro gekürzt; damit stehen 2027 und 2028 jeweils 4,8 Millionen Euro für unbedingt erforderliche Investitionen und Instandsetzungen zur Verfügung. Größere Bau- und Umbauvorhaben werden hingegen verschoben.
Das betrifft konkret etwa die geplante Übersiedlung des Hauses der Geschichte Österreich ins MuseumsQuartier sowie Umbauten im Kunsthistorischen Museum, im Naturhistorischen Museum und im Belvedere.
Die Basisabgeltungen für Bundesmuseen und Bundestheater bleiben 2027 und 2028 nominell auf dem Niveau von 2026 und werden nicht erhöht - also auch nicht valorisiert.
– 13,6 Millionen weniger im Bereich Kunst- und Kulturförderung
Die Mittel im Bereich „Kunst- und Kulturförderung“ sinken 2027 um 13,6 Millionen Euro auf 181 Millionen Euro. 11,4 Millionen Euro davon entfallen auf die Sanierung des Volkskundesmuseums, welche 2026 abgeschlossen wurde. Laut Kulturministerium verbleiben damit rund 2,2 Millionen Euro, die im Bereich der frei vergebenen Kunst- und Kulturförderungen tatsächlich gekürzt werden sollen.
Gleichzeitig wird die Filmförderung um 500.000 Euro auf insgesamt 37 Millionen Euro erhöht: 21 Millionen Euro für das Österreichische Filminstitut (ÖFI) und 16 Millionen Euro für die ÖFI-Standortförderung.
Die Fördermittel für Fair Pay in Höhe von 10 Millionen Euro sollen fortgeschrieben werden
– Rund 1 Millionen Euro weniger im Bereich Denkmalschutz
Auch im Bereich Denkmalschutz sind 2027 geringere Mittel (ca. minus 1,4 Millionen Euro) vorgesehen. 2028 sollen diese Mittel wieder leicht steigen (plus 300.000 Euro).
Hinweis: Die Budget-Gruppen können durch anklicken in der Legende ein- und ausgeblendet werden..
Wie entwickelt sich das Kunst- und Kulturbudget 2028 und darüber hinaus?
Im Jahr 2028 wird das Budget von 2027 im Wesentlichen fortgeschrieben. Die Steigerung ist auf den Mehrbedarf für die Sanierung der Salzburger Festspielhäuser zurückzuführen. Das Gesamtbudget erhöht sich dadurch im Jahr 2028 um 9,2 Millionen auf insgesamt 617,9 Millionen Euro.
Welche Kürzungen sind bei der freien Szene vorgesehen?
Vorweg: Der Begriff „freie Szene“ existiert im Bundesbudget nicht als eigene Kategorie. Für die Praxis sind vor allem jene Förderungen relevant, für die Anträge gestellt werden können – also etwa Jahresförderungen, Projektförderungen, Stipendien, Investitionszuschüsse oder Reisekostenzuschüsse.
Im Budget werden viele dieser Förderungen als „Transferzahlungen Kunst und Kultur“ ausgewiesen. Für diese Transferzahlungen sind 2027 insgesamt 151 Millionen Euro vorgesehen. Gegenüber dem Voranschlag 2026 mit 166 Millionen Euro ist das ein Minus von 15 Millionen Euro bzw. rund 9 Prozent.
Ein großer Teil dieses Rückgangs erklärt sich durch den Wegfall der bereits erwähnten 11,4 Millionen Euro für die Sanierung des Volkskundemuseums. Rechnerisch verbleibt damit ein Minus von rund 3,75 Millionen Euro. Laut Kulturministerium soll der tatsächliche Kürzungsdruck im Bereich der frei vergebenen Kunst- und Kulturförderungen bei rund 2,2 Millionen Euro liegen. Zugleich wurde angekündigt, besonders behutsam vorzugehen und insbesondere die freie Szene sowie kleine Kulturanbieter*innen schützen zu wollen.
Die Einordnung
Und was bedeutet das eigentlich?
Um Beträge in Millionenhöhe einordnen zu können, lohnt ein Blick auf das Gesamtbudget: 2027 plant der Bund Auszahlungen von rund 128,2 Milliarden Euro; das Kunst‑ und Kulturbudget von 608,7 Millionen Euro entspricht damit etwa 0,47 Prozent der Bundesausgaben. Anders gesagt: Von 100 Euro im Bundeshaushalt fließen nicht einmal 50 Cent in Kunst und Kultur.
Innerhalb dieses ohnehin kleinen Budgetanteils entfällt mehr als die Hälfte – über 355 Millionen Euro bzw. rund 58 Prozent – auf die Bundestheater und Bundesmuseen. Betrachtet man nur die frei vergebenen Förderungen, also im Wesentlichen die Transferzahlungen in der Kunst‑ und Kulturförderung, bleiben rechnerisch nicht einmal 12 Cent von 100 Budgeteuros.
Ein Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt zudem: Abgesehen vom pandemiebedingten Ausreißer ist der Anteil der Kulturausgaben am Gesamtbudget tendenziell gesunken und erreicht 2027 den niedrigsten Stand seit über zehn Jahren.
Wie ist das Ergebnis angesichts des Spardrucks einzuordnen?
Auch der Kulturbereich steht nicht außerhalb der allgemeinen Budgetrealität und der massiven Sparvorgaben: Im Rahmen der Förder‑Taskforce wurden ressortübergreifend weitreichende Kürzungsziele definiert. Bis 2029 sollten bei direkten Förderungen des Bundes insgesamt rund 800 Millionen Euro eingespart werden; kumuliert ergibt das ein Konsolidierungsvolumen von etwa 1,95 Milliarden Euro. Für den Kulturbereich stand damit zwischenzeitlich ein potenzieller Spardruck von über 40 Millionen Euro bis 2028 bzw. über 60 Millionen Euro bis 2029 im Raum. Dass Kürzungen in dieser Dimension vorläufig abgewendet werden konnten, ist kulturpolitisch definitiv anzuerkennen.
Was sind schon 2,2 Millionen?
Die vom Kulturministerium genannten 2,2 Millionen Euro Kürzungen bei frei vergebenen Kunst‑ und Kulturförderungen sind deutlich weniger als befürchtet, sie sind in einem sehr kleinteiligen Förderbereich aber keineswegs unerheblich. Laut Kunst‑ und Kulturbericht 2024 wurden knapp 4.000 Förderfälle erfasst, darunter über 500 Jahresprogramme und mehr als 1.000 Projektförderungen. Projektförderungen lagen im Mittel bei rund 7.000 Euro – in dieser Größenordnung können schon scheinbar kleine Einsparungen große Folgen für konkrete Projekte haben.
Hinzu kommt: Kürzungen gab es bereits im laufenden Budget 2025/2026. Viele Initiativen werden also nicht von einem komfortablen Niveau aus „leicht“ reduziert, sondern sehen sich nach Jahren knapper Budgets erneut mit real weniger Mitteln konfrontiert.
Fazit: Kein Grund zu Feiern
Für die Praxis bedeutet das keine Entwarnung. Inflationsbedingt bedeuten sogar nominell gleichbleibende Förderungen eine reale Verschlechterung. Vor allem aber kann die Entwicklung des Bundesbudgets nicht isoliert betrachtet werden: Zum einen erfolgen bereits zum zweiten Mal in Folge Kürzungen. Zum anderen kürzt nicht nur der Bund, sondern auch Länder und Gemeinden ihre Kulturausgaben – und wie im Bund sind auch dort gerade die frei vergebenen Förderungen am einfachsten einzusparen, weil sie im Unterschied zu großen Institutionen rechtlich kaum abgesichert sind. Die freie Kulturarbeit ist damit Jahr für Jahr einem dreifachen Kürzungsdruck ausgesetzt, während die verbleibenden Mittel durch die allgemeine Teuerung zusätzlich an Wert verlieren.
Auch die weiteren Aussichten sind eher düster. Laut Bundesfinanzrahmen ab 2029 sind sinkende Budgets kein vorübergehendes Phänomen, im Gegenteil: Bis 2031 sollen im Kunst- und Kulturbereich weitere 41,5 Millionen Euro eingespart werden.
Die Frage ist daher weniger, ob Kürzungen in Höhe von 2,2 Millionen Euro irgendwie „verkraftbar“ sind, sondern wer die Verantwortung für die Summe der einzelnen Sparmaßnahmen übernimmt. In einem ohnehin prekär arbeitenden Bereich, der über keine Rücklagen verfügt, führen reale Kürzungen nicht zu irgendwelchen abstrakten Effizienzsteigerungen. Sie führen dazu, dass Programme gestrichen, Arbeit noch schlechter oder unbezahlt geleistet wird, Kulturvereine unter Druck geraten und Angebote dauerhaft verloren gehen.
Sparen ist nicht nur eine Rechenfrage. Es ist eine Entscheidung darüber, was in einem Land möglich bleiben soll.
Die IG Kultur Vorarlberg sammelt Fragen aus der freien Szene, bündelt zentrale Anliegen und bringt sie am 21. Juli in der Landeshauptstadt Bregenz direkt in ein offenes Gespräch mit Kulturminister Andreas Babler ein. Damit entsteht eine wichtige Schnittstelle für Austausch, Klarheit und öffentliche Antworten zwischen Kulturszene und Ministerium.
Pressesaussendung vom 9. Juli 2026: Das Kulturbündnis und die Kulturabteilung des Landes Vorarlberg präsentieren in ihrer ersten Zusammenarbeit den neuen Katalog „FAQ – Fragen und Antworten zu Kulturförderung“. Die Übersicht klärt zentrale Fragen zu Förderungen in allen Sparten der Kunst und Kultur und möchte mit detaillierten Informationen zu Rahmenbedingungen und Abläufen mehr Transparenz schaffen. Das Kulturbündnis Vorarlberg, ein Zusammenschluss der Interessensvertretungen, tritt damit erstmals öffentlich auf.
Das Bundesbudget 2027/2028 liegt vor. Das Kulturbudget soll 2027 um 3,3 Prozent sinken. Real gekürzt wird bei den frei vergebenen Kunst- und Kulturförderungen. Die IG Kultur pocht auf Maßnahmen zur Stärkung der kulturellen Nahversorgung, denn Sparen ist kein kulturpolitisches Programm.