2,2 Millionen weniger: IG Kultur warnt vor Kulturabbau in den Regionen
Das Bundesbudget 2027/2028 liegt vor. Das Kulturbudget soll 2027 um 3,3 Prozent sinken. Real gekürzt wird bei den frei vergebenen Kunst- und Kulturförderungen. Die IG Kultur pocht auf Maßnahmen zur Stärkung der kulturellen Nahversorgung, denn Sparen ist kein kulturpolitisches Programm.
Pressemitteilung zum Budgetvoranschlag des Bundes 2027/2028, 10. Juni 2026
Das Kunst- und Kulturbudget sinkt von den 2026 veranschlagten 629,8 Millionen Euro auf 608,7 Millionen Euro im Jahr 2027. Das entspricht einem Minus von 3,3 Prozent. Während die Förderungen für Bundeskultureinrichtungen unverändert fortgeschrieben und lediglich Investitionsmittel gekürzt werden, verbleibt in den frei vergebenen Kunst- und Kulturförderungen eine reale Kürzung von mindestens 2,2 Millionen Euro.
„Wir sehen, dass das Ressort unter erheblichem Budgetdruck größere Einschnitte abgewehrt hat. Entscheidend ist aber, was in der Praxis ankommt“, sagt Yvonne Gimpel, Geschäftsführerin der IG Kultur Österreich. „Und dort bleibt die Realität: Frei vergebene Förderungen werden erneut gekürzt. Das trifft Projekte, Kulturvereine und die Menschen, die diese Arbeit tragen. Von einem Inflationsausgleich oder notwendigen Anpassungen bei Honoraren und Gehältern sind wir damit weiter entfernt denn je.“
Die IG Kultur warnt vor den kumulativen Folgen der Kürzungen
Kunst- und Kulturförderung ist in Österreich gemeinsame Verantwortung von Bund, Ländern und Gemeinden. Freie Kulturarbeit, künstlerische Produktion und kulturelle Angebote für die Bevölkerung werden in der Praxis durch das Zusammenwirken von Förderungen der Gebietskörperschaften ermöglicht. Wenn Bund, Länder und Gemeinden gleichzeitig kürzen, gerät die Finanzierungsbasis vieler Kulturinitiativen ins Wanken.
„Eine Kürzung von 2,2 Millionen Euro klingt im Bundesbudget überschaubar. Für Kulturinitiativen zählt aber nicht eine einzelne Budgetzeile, sondern die Summe der Einschnitte“, so Gimpel. „Wenn Bund, Länder und Gemeinden alle bei Kultur den Rotstift ansetzen, wird aus einer kleinen Korrektur eine existenzgefährdende Finanzierungslücke.“
Gestaltungsspielraum für regionale Kulturarbeit nützen
Entscheidend ist daher, wo die Kürzungen tatsächlich ansetzen. Unter derselben Budgetlinie liegen sehr unterschiedliche Realitäten: Große Einrichtungen, Sanierungsvorhaben und Sonderprojekte ebenso wie über tausend Projekte und hunderte Jahresprogramme gemeinnütziger Kulturvereine. Gerade in der regionalen Kulturarbeit können vergleichsweise kleine Kürzungen große strukturelle Folgen haben.
„Die politische Frage lautet nicht nur, wie viel gekürzt wird, sondern bei wem“, betont Gimpel. „Wenn bei einer Kulturinitiative in der Region gekürzt wird, kann im schlimmsten Fall ein ganzes Angebot vor Ort wegbrechen. Wer laut Regierungsprogramm Kunst und Kultur in den Regionen stärken will, darf regionale Kulturinitiativen nicht zum Ausgleichsposten machen.“
Arbeits- und sozialrechtliche Verbesserungen notwendig
Angesichts der Kürzungen rückt gleichzeitig auch die Interministerielle Arbeitsgruppe zur sozialen Lage und Fairness im Kunst- und Kulturbereich in den Fokus. Wenn budgetär weiter Druck aufgebaut wird, müssen zumindest arbeits- und sozialrechtliche Verschlechterungen zurückgenommen und bestehende Lücken geschlossen werden.
„Die IMAG darf nicht zur Begleitmusik weiterer Verschlechterungen werden“, sagt Gimpel. „Gerade jetzt braucht es konkrete Verbesserungen bei sozialer Absicherung und arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen. Das Kulturressort kennt die Probleme. Jetzt braucht es auch andere Ressorts, die die Lage ernst nehmen und Lösungen auf den Tisch legen.“
Entscheidend ist, ob Freie Kulturarbeit, regionale Kulturinitiativen und gemeinnützige Kulturvereine als unverzichtbare kulturelle Infrastruktur für die Bevölkerung behandelt werden – oder ob dort gespart wird, wo mit wenig Geld besonders viel gesellschaftliche Wirkung entsteht.