Die Geschichte der IG Kultur

Gründung und Konsolidierung

 

Geschichte IG Kultur Freie Kulturarbeit Dachverband

Gründung und Konsolidierung

 

Die IG Kultur nimmt ihren Anfang bereits in den 80er Jahren, als die Szene autonomer Kulturarbeit sich zu vernetzen beginnt. Das geschah in erster Linie auf Symposien. Schon 1982 wurden beim Neuberger Symposium Forderungen an die Regierung gestellt und eine bundesweite Kooperationsebene gegründet, die allerdings nach nur einem Jahr aufgrund mangelnder Ressourcen wieder geschlossen werden musste. Beim Symposium in Villach 1984 wurden erstmals Statuten der IG Kultur Österreich ausgearbeitet und noch im selben Jahr bei einem weiteren Symposium in Baden ein Leitbild formuliert. Die Realisierung des Dachverbandes scheiterte dennoch, auch noch in den Jahren 1985 und 1986.

IG Kultur, erstes Logo

Erst 1990 sollte die Formierung eines bundesweiten Dachverbandes gelingen, als die Szene sich konsolidieren konnte und auch in den Ländern Vernetzungen fortgeschritten waren. Doch auch ein politisches Moment gab einen entscheidenden Impuls. Auf Bestreben des grünen Abgeordneten Herbert Fux wurde erstmals ein Unterausschuss zu Kulturarbeit eingerichtet. Ministerin Hilde Hawlicek lud daraufhin Kulturinitiativen zu einer Enquete ein. Damit Probleme nicht als einzelne Irrtümer abgetan werden konnten, beschloss die Szene nicht mit individuellen Einzelanliegen aufzutreten, sondern geschlossen. Die Gründung der IG Kultur war beschlossene Sache.

 

Der erste Vorstand der IG Kultur bildete Obmann Franz Primetzhofer (KUPF und Kulturverein Kanal, OÖ), Maria Crepaz (Tiroler Kulturinitiative) Beisitzerin, Gerhard Pilgram (UNIKUM Klagenfurt) Kassier und Peter Dvorsky (Arge Jugendzentren, Wien) Schriftführer. Als Generalsekretär wurde Gerald Gröchenig vom Dachverband Salzburger Kulturstätten bestellt. Aufgabe war es, Identität innerhalb der Szene zu stiften, als auch kulturpolitische Verbesserungen gegenüber der Politik gelten zu machen. Die erste eigene Zeitschrift „Kultur bewegt“ wurde gegründet, Symposien und Seminare angeboten, womit das Angebot sich in Richtung Öffentlichkeitsarbeit, aber auch Beratungseinrichtung ausweitete. Mit der Entschließung zur Schaffung eines neuen Budgetansatzes, nämlich einer Förderstelle für Kulturentwicklung und Kulturinitiativen im Ministerium für Unterricht und Kunst, war auch die erste Forderung umgesetzt und der erste Erfolg der IG Kultur zu verzeichnen. Im Versuch weitere Landesorganisationen aufzubauen, traf man auf Widerstand der Länder, diese zu finanzieren. Deshalb wurde Mitte der 1990er Jahre die erste Bedarfserhebung durchgeführt.

Abbildung 1 Symposium der IG Kultur im Jahr 1995
Abbildung 1 Symposium der IG Kultur im Jahr 1995

 

Politisierung

Der Kampf gegen die kulturfeindliche Atmosphäre in der österreichischen Politik, getragen vom Aufstieg des Rechstpopulismus, hatte bereits in den 1990er Jahren seine Anfänge. Der Aufstieg Haiders FPÖ und das „Ausländervolksbegehren“ führten zu pauschaler Kriminalisierung von migrantischen Kulturvereinen. Nun wurde nicht mehr in erster Linie den problematischen ökonomischen Verhältnissen entgegengewirkt, sondern auch der ausländerfeindlichen wie kunst- und kulturfeindlichen politischen Stimmung. Diese wirken auch auf die finanziellen Rahmenbedingungen zurück, da der Sektor in der Folge stark von Kürzungen betroffen war. Mit dem Symposium „Kulturrisse“ wurde 1995 die Szene als politisches/kulturpolitische Subjekt gefasst. Im Jahr darauf wurde die Zeitschrift „Kulturrisse“ gegründet.

 

Bis Ende der 1990er sollte die Mitgliederzahl wachsen: Waren es 1992 noch 108 und 1996 250 Mitglieder, so stieg diese Zahl im Jahr 2000 auf knapp 330 an. Gleichzeitig begann das neue Jahrzehnt unter verschärften politischen Vorzeichen: Die in den Wahlen vom Oktober 1999 drittplatzierte ÖVP holte die nun mit 27% zweitstärkste Partei, die FPÖ, in die Regierung. So musste sich auch die IG Kultur politisch neu positionieren, die sich nun vermehrt um Allianzen im gesamten zivilgesellschaftlichen Spektrum bemühte. Der Begriff „Zivilgesellschaft“ firmierte sich in Österreich erst Anfang der 2000er Jahre in diesem Kontext des Widerstandes gegen die schwarzblaue Regierung, die nicht nur ideologisch einen Kampf gegen die freie Szene führte, sondern auch das Budget rigoros kürzte. Speziell die freien Medien traf es hart. Die IG Kultur entdeckte auch den Bereich der Medienpolitik als für den eigenen Sektor relevant.

Aufgrund des Desinteresses des Staatssekretärs für Kunst und Medien, Franz Morak (ÖVP), musste man sich um neue Strategien für Lobbying bemühen, weshalb der Kontakt zur Opposition intensiviert wurde und Öffentlichkeitsarbeit im Sinne einer Profilierung als kultur- und gesellschaftspolitische Akteurin zentraler wurde, wie über die eigene Zeitschrift oder nunmehr auch über die Website. Dies entfernte die IG Kultur allerdings auch von Fragen der Praxis der Kulturarbeit und von den Mitgliedern, deren Zahl bis Mitte der 2000er Jahre stagnierte. Es könnte aber auch daran liegen, dass zahlreiche Initiativen – darunter die IG Kultur selbst – ums Überleben kämpften, was kurzzeitig sogar zu einer Kündigung aller MitarbeiterInnen führte.

 

 

Konferenz 2005
Abbildung 2 Konferenz aus dem Jahr 2005. Die Geschäftsführerin Gabriele Gerbasits stellt die einzige Frau am Podium.

 

 

Verbreiterung und Vernetzung

Man ließ sich jedoch unter der neuen Geschäftsführung unter Gabriele Gerbasits, der ersten Frau am Ruder der IG Kultur, nicht einschüchtern und vermochte es, durch Kooperationen das Bildungsangebot an die eigenen Mitglieder massiv auszuweiten. Außerdem vertiefte man die Bemühungen in Sachen politischen Antirassismus, was nach Involvierung Rubia Salgados (MAIZ, Linz) in den Vorstand 2003 in Formulierung eines Positionspapiers führte.

Durch die Gründung des eipcp gelang eine Erweiterung der kulturpolitischen Kompetenzen der IG Kultur und die internationalen Vernetzungsbemühungen der Bundesvereinigung soziokultureller Zentren in Deutschland gelangen schließlich, durch die Zusammenkunft diverser AkteurInnen auf europäischer Ebene unter dem Dach des European Network of Cultural Centres (ENCC), bei dem die IG Kultur ab Mitte 2000 auch im Vorstand vertreten war.

 

 

 

 

 

Chroniken:

 

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