antisemitismus

Re-Konkretisierung der Vergangenheit.

Die Debatte um NS-Herrschaft, Terror und Barbarei ist im globalen Zeitalter angelangt. Eine Nationen übergreifende Gedächtniskultur wird heute weitgehend als Grundlage einer weltweit verbindlichen Menschenrechtspolitik betrachtet.

Zwickmühle des Gedenkens

Kürzlich in der BBC: Touristen springen auf dem frisch eröffneten Denkmal an die Ermordung der europäischen Juden in Berlin herum. Das Monument ist bekanntlich in Form etlicher Stelen errichtet. Die Besucher springen von Stele zu Stele und scheinen viel Spaß dabei zu haben. Die Meinung der Experten: ratlos. Darf man auf einem Denkmal für die Shoah herumhüpfen? Bricht dies nicht mit dem Ernst, den das Gedenken an den Massenmord gebietet?

Von der Roten Armee befreit

Auf einer Konferenz in Karlsruhe (das Thema: "Postkommunismus") habe ich in meinem Vortrag unter anderem auch den folgenden Satz gesagt: "Man soll auch nicht vergessen, dass Auschwitz von der Roten Armee befreit wurde." Nach dem Vortrag fragte mich eine Frau aus dem Publikum, was ich damit eigentlich gemeint hätte?

Diese Ausgabe der Kulturrisse beschäftigt sich mit der Frage, was das Politische am Kampf gegen Antisemitismus sein kann. Nun wäre es naheliegend, sich dabei mit bestehenden politischen AkteurInnen, mit ihren Forderungen, Positionen und politischen Strate

Was hier zentral zur Debatte stehen soll, ist vielmehr die Frage, was es überhaupt bedeutet, von einem "politischen Anti-Antisemitismus" zu sprechen.

Was heißt: politischer Anti-Antisemitismus?

Was hier zentral zur Debatte stehen soll, ist vielmehr die Frage, was es überhaupt bedeutet, von einem "politischen Anti-Antisemitismus" zu sprechen.

Politik unter Ausschluss der Politik. Zur Auslagerung und Depolitisierung des Kampfes gegen Antisemitismus

Diese Ausgabe der Kulturrisse beschäftigt sich mit der Frage, was das Politische am Kampf gegen Antisemitismus sein kann. Nun wäre es naheliegend, sich dabei mit bestehenden politischen AkteurInnen, mit ihren Forderungen, Positionen und politischen Strategien auseinander zu setzen. Und es wäre nicht nur naheliegend – es ist eine in der Frage angelegte notwendige Voraussetzung. Insofern diese Nummer der Kulturrisse sich nämlich nicht primär mit Antisemitismusanalyse, sondern vor allem mit dem Kampf gegen Antisemitismus beschäftigt.

Zum Antisemitismus und Rassismus marginalisierter Gruppen

Klassifiziert werden Antisemitismen meist entlang ganz bestimmter wiederkehrender Bezeichnungen: So ist die Rede von rechtsextremen, linken, muslimischen oder schlicht "neuen" Antisemitismen. Die Zuordnung von Antisemitismen findet dabei entweder in Bezug auf das Repertoire statt, aus dem die antisemitischen Motive stammen, oder – noch öfter – anhand der Großgruppen, denen der jeweilige Sprecher oder die Sprecherin entstammt.

Antisemitische Semantik im öffentlich-rechtlichen Kossuth Rádió Ungarns

In Ungarn wird der Antisemitismus vielfach mit dem antisemitischen Begriff "Judenfrage" oder "jüdische Frage" umschrieben, so z.B. auch in den öffentlich-rechtlichen Medien. Diese Bezeichnungen spiegeln die in der ungarischen Bevölkerung vorherrschende Auffassung wider, dass der Antisemitismus eigentlich das Problem einer "Minderheit" (nämlich der Juden) sei.

Irgendwie anders? Geschlechterkonstruktionen und performativer Antisemitismus

Die Artikulation von Differenz, Fremdheit oder "Andersheit" ist zumeist auch die Artikulation von Geschlecht – das gilt ebenso für den Antisemitismus. Die Analyse von Antisemitismus kann daher nicht ohne die Kategorie Geschlecht auskommen.

VorRisse

Antisemitismen aber sind kein exklusiv österreichisches Phänomen, sie treten in unterschiedlicher Form und verschiedenartigen Zusammenhängen auf. Grund genug, den Schwerpunkt des vorliegendes Heftes der Frage nach den Notwendigkeiten, Potenzialen und Perspektiven eines politischen Anti-Antisemitismus zu widmen, die diesen im rechten wie auch im linken politischen Spektrum gegebenen Kontexten kritisch Rechnung tragen.