Lunch Lecture: Kultur für alle? Wirklich? - Diversität in der Kulturarbeit als kritische, dialogische und dezentrale Praxis
Zu Gast in der Lunch Lecture am 30.06.2026 um 13:00 via ZOOM waren Bettina Mair von IG Kultur Steiermark und Zhameli Khairli von D—Arts. Gemeinsam sprachen sie über Diversität, Gleichstellung und diskriminierungskritische Kulturarbeit im Spannungsfeld aktueller gesellschaftlicher und kulturpolitischer Entwicklungen.
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VIDEO: https://zoom.us/clips/share/53e9HguFStGYo2Nm66_eiQ
NACHLESE:Zusammenfassung der Lunch Lecture
Kultur für alle – Diversität in der Kulturarbeit als kritische, dialogische und dezentrale Praxis
IG KiKK Lunch Lecture
Die Lunch Lecture widmete sich der Frage, wie Kulturinstitutionen und Kulturinitiativen Diversität nicht nur programmatisch, sondern vor allem strukturell verankern können. Im Mittelpunkt standen die Beiträge von Zhameli Khairli (D–Arts) und Bettina Mair (IG Kultur Steiermark) sowie die anschließende Diskussion mit Vertreter:innen aus Kulturinitiativen und Förderstellen.
Diversität als strukturelle Aufgabe
Zhameli Hirli stellte die Arbeit von D–Arts vor, einem österreichweiten Netzwerk für diskriminierungskritische Kulturarbeit. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass kulturelle Institutionen gesellschaftliche Vielfalt bislang nur unzureichend widerspiegeln. Obwohl etwa in Wien mehr als ein Drittel der Bevölkerung einen Migrationshintergrund hat, dominieren in Leitungspositionen, Programmen und Entscheidungsstrukturen weiterhin weiße Mehrheitsgesellschaften.
Diversität wird daher nicht als Frage der Repräsentation verstanden, sondern als strukturelle Veränderung von Machtverhältnissen. Ziel ist es, Zugänge zu Kultur, Ressourcen und Entscheidungsprozessen gerechter zu gestalten. D–Arts arbeitet dafür mit Beratungen, Trainings, Netzwerken, Peer-to-Peer-Programmen sowie einem gemeinsam entwickelten Code of Conduct, der diskriminierungskritische Standards und institutionelle Verantwortung festschreibt.
Besonders betont wurde, dass Diversitätsarbeit keine Integrationsmaßnahme ist, sondern Antidiskriminierungsarbeit. Nicht Menschen sollen sich an bestehende Institutionen anpassen, sondern Institutionen müssen ihre Strukturen an die gesellschaftliche Realität anpassen.
Sensibilisierung und praktische Werkzeuge
Bettina Meier präsentierte die Broschüre „Diversität in der Kulturarbeit“ der IG Kultur Steiermark. Sie versteht sich als Einstiegshilfe für Kulturvereine und Kulturinitiativen und bietet Hintergrundwissen, Praxisbeispiele, Werkzeuge für Awareness-Arbeit sowie kulturpolitische Forderungen.
Ein zentrales Anliegen ist es, Diversität trotz knapper Budgets nicht als „Luxusthema“ zu behandeln. Gerade in Zeiten finanzieller Kürzungen bestehe die Gefahr, dass Fragen von Gleichstellung und Antidiskriminierung in den Hintergrund geraten. Nachhaltige Diversitätsarbeit benötige jedoch Zeit, Ressourcen und politische Unterstützung.
Diversität in der Kulturförderung
Ein wesentlicher Diskussionspunkt war die Rolle öffentlicher Förderungen. Die Vortragenden plädierten dafür, Diversität nicht nur über eigene Fördertöpfe abzudecken, sondern als selbstverständliches Qualitätskriterium in allen Förderentscheidungen zu verankern.
Dazu gehören unter anderem:
- transparente Förderkriterien,
- divers besetzte Jurys,
- diskriminierungssensible Auswahlverfahren,
- langfristige Förderperspektiven für die freie Szene,
- niedrigschwellige Zugänge zu Förderinformationen.
D–Arts entwickelt hierfür sogenannte Call-in-Cards und Leitfragen für Jurys, die helfen sollen, unbewusste Ausschlussmechanismen in Entscheidungsprozessen sichtbar zu machen.
Wie Kulturinitiativen selbst beginnen können
Beide Referentinnen betonten, dass Diversitätsarbeit mit Selbstreflexion beginnt. Kulturvereine sollten sich grundlegende Fragen stellen:
- Wer entscheidet in unserer Organisation?
- Wer arbeitet bei uns mit?
- Welche Perspektiven fehlen?
- Welche Barrieren entstehen durch Sprache, Zeit, Räume oder Kommunikationsformen?
Veränderung bedeutet dabei nicht nur eine vielfältigere Programmgestaltung, sondern auch Veränderungen in Organisationsstrukturen, Leitungsfunktionen, Arbeitsweisen und Kommunikationsformen. Bereits kleine Maßnahmen – etwa verständlichere Sprache, barriereärmere Veranstaltungszeiten oder bewusst gestaltete Begegnungsräume – können Teilhabe erleichtern.
Vernetzung als Schlüssel
In der Diskussion wurde deutlich, dass viele migrantische oder marginalisierte Kulturinitiativen öffentliche Fördermöglichkeiten gar nicht kennen oder keinen Zugang zu bestehenden Netzwerken haben. Förderstellen berichteten umgekehrt, dass ihnen oftmals der Kontakt zu diesen Akteur:innen fehlt.
Als mögliche Lösungen wurden genannt:
- aktive Netzwerkveranstaltungen,
- persönliche Kontaktpflege,
- Beratungsangebote und offene Informationstage,
- Kooperationen mit bestehenden Initiativen,
- mehrsprachige und niederschwellige Kommunikation.
Diversität entsteht demnach nicht allein durch neue Förderkriterien, sondern vor allem durch langfristige Beziehungen, Vertrauen und kontinuierlichen Austausch.
Fazit
Die Lunch Lecture machte deutlich, dass Diversität keine zusätzliche Aufgabe neben der Kulturarbeit ist, sondern eine Grundfrage demokratischer Kulturpolitik. Nachhaltige Veränderung erfordert strukturelle Reformen in Kulturinstitutionen, Förderwesen und Organisationskulturen gleichermaßen. Entscheidend sind transparente Verfahren, selbstkritische Reflexion, vielfältige Netzwerke und ausreichend Ressourcen, damit kulturelle Teilhabe für alle Menschen tatsächlich möglich wird.
NACHLESE: Zusammenfassung in Leichter Sprache
Lunch Lecture
Kultur für alle
Thema:
Diversität in der Kulturarbeit.
Diversität bedeutet:
Menschen sind verschieden.
Zum Beispiel:
- jung und alt,
- Frauen und Männer,
- Menschen mit Behinderung,
- Menschen mit verschiedener Herkunft,
- Menschen mit verschiedenen Sprachen.
Alle Menschen sollen bei Kultur mitmachen können.
Wer hat gesprochen?
Es gab zwei Vorträge.
Zhameli Khairli arbeitet bei D–Arts.
D–Arts unterstützt Kultur-Einrichtungen.
Das Ziel ist:
Mehr Gleichberechtigung.
Weniger Diskriminierung.
Bettina Meier arbeitet bei der IG Kultur Steiermark.
Sie stellte eine Broschüre über Diversität vor.
Was ist das Problem?
Viele Kultur-Einrichtungen sind nicht für alle Menschen gleich offen.
Oft entscheiden immer ähnliche Menschen.
Viele Gruppen sind kaum vertreten.
Zum Beispiel:
- Menschen mit Migrationsgeschichte,
- Menschen mit Behinderung,
- Menschen mit wenig Geld,
- Menschen aus anderen sozialen Gruppen.
Dadurch fehlen viele Perspektiven.
Was möchte D–Arts erreichen?
D–Arts sagt:
Es reicht nicht, nur verschiedene Menschen einzuladen.
Auch die Regeln und Strukturen müssen sich ändern.
Zum Beispiel:
- Wer entscheidet?
- Wer bekommt Geld?
- Wer darf mitreden?
- Wer wird eingeladen?
Alle Menschen sollen faire Chancen haben.
Wie arbeitet D–Arts?
D–Arts bietet an:
- Beratung,
- Workshops,
- Schulungen,
- Vernetzung,
- Austausch.
Außerdem entwickelt D–Arts einen Code of Conduct.
Das sind gemeinsame Regeln.
Die Regeln helfen gegen Diskriminierung.
Die Broschüre der IG Kultur Steiermark
Die Broschüre erklärt:
- Was Diversität bedeutet.
- Wie Kultur-Vereine offener werden können.
- Welche Hilfen es gibt.
- Welche Veränderungen die Politik unterstützen soll.
Die Broschüre soll Mut machen.
Sie soll zeigen:
Diversität ist wichtig.
Auch wenn Geld knapp ist.
Kultur-Förderungen
Die Vortragenden wünschen sich:
Diversität soll bei Förderungen wichtig sein.
Das bedeutet:
Nicht nur gute Kunst zählt.
Auch gleiche Chancen sollen wichtig sein.
Dafür braucht es:
- klare Regeln,
- verständliche Informationen,
- verschiedene Menschen in den Jurys,
- faire Entscheidungen.
Was können Kultur-Vereine tun?
Veränderung beginnt im eigenen Verein.
Zum Beispiel mit diesen Fragen:
- Wer entscheidet bei uns?
- Wer arbeitet bei uns mit?
- Wen erreichen wir nicht?
- Welche Hindernisse gibt es?
Auch kleine Veränderungen helfen.
Zum Beispiel:
- einfache Sprache,
- barrierefreie Räume,
- passende Uhrzeiten,
- offene Einladungen.
Zusammenarbeit ist wichtig
Viele Menschen kennen Förderungen nicht.
Viele Kultur-Ämter kennen diese Gruppen auch nicht.
Deshalb braucht es:
- Gespräche,
- gemeinsame Treffen,
- Beratung,
- neue Kontakte.
So können mehr Menschen mitmachen.
Fazit
Diversität ist keine Zusatz-Aufgabe.
Diversität gehört zu guter Kultur-Arbeit.
Alle Menschen sollen Kultur erleben.
Alle Menschen sollen Kultur mitgestalten können.
Dafür müssen sich Strukturen verändern.
Nur dann ist Kultur wirklich für alle da.