Von kurzfristigen Rettungsleinen zu soliden Sicherungssystemen

Mit unerbittlicher Schärfe hat uns die derzeitige Pandemie die Vulnerabilität der täglichen Arbeitswelt von Kunst- und Kulturschaffenden vor Augen geführt. Die Krise ist ein Weckruf an die Politik, nachhaltige Änderungen herbeizuführen: Weg von kurzfristigen Rettungsleinen, hin zu soliden, krisenfesteren Sicherungssystemen, die in Partner*innenschaft mit dem Kunst- und Kultursektor erarbeitet werden. In einem gemeinsamen Kommuniqué skizzieren Interessenvertretungen des Kunst- und Kulturbereichs Wege aus der Krise.

Rettungsschirm Kunst Kultur

Auf Einladung der Österreichischen UNESCO-Kommission haben sich Interessenvertretungen des Kunst- und Kulturbereichs Ende Oktober zusammengefunden, um gemeinsam den Status Quo zu analysieren und Handlungsperspektiven für einen wirksamen Schutz der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen über die Krise hinaus zu entwickeln. Als Richtschnur der Diskussionen diente die UNESCO-Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen - jener völkerrechtlicher Vertrag, der internationale Standards der Kulturpolitik definiert und von Österreich vor 13 Jahren ratifiziert wurde. Herzstück der Konvention ist die Sicherung eines Umfeldes, in dem sich eine Vielfalt an zeitgenössischem Kunst- und Kulturschaffen frei entfalten kann und vor einer rein ökonomischen Betrachtungsweise geschützt ist.

Die Ergebnisse der Analysen und Diskussionen wurden in einem Kommuniqué veröffentlicht. Anhand ausgewählter Themenschwerpunkte zeigen wir Handlungsnotwendigkeiten für Bund, Länder und Gemeinden auf, die für einen wirksamen Schutz der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen über die Krise hinaus erforderlich sind. 

Die Krise muss ein Weckruf für die Politik sein, nachhaltige Änderungen herbeizuführen – sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich der Art und Weise, wie Maßnahmen erarbeitet und umgesetzt werden sollen. Es braucht ein Umdenken: Weg von kurzfristigen Rettungsleinen, hin zu soliden, krisenfesteren Sicherungssystemen, die in Partner*innenschaft mit dem Kunst- und Kultursektor erarbeitet werden. Eine Trendwende in diese Richtung könnte der angekündigte Fairness Prozess sein, der sich der beschämend niedrigen Entlohnung professioneller Arbeit in Kunst und Kultur widmen soll. Es gilt jetzt Vorsorge zu treffen, damit der Sektor nach der Krise nicht unwiederbringlich zusammenbricht.

Zentrale Forderungen des Schlusskommuniqués sind:

  • Angemessene Bezahlung und faire Vertragsverhältnisse als Grundbedingung für soziale und ökonomische Stabilität – gerade in Krisenzeiten
  • Schaffung eines ausgewogenen Urheber:innenvertragsrecht, das die Interessen der Künstler:innen als Teil der Bemühungen um Fair Pay berücksichtigt
  • Forcierung partizipativer Politikgestaltung, sowohl auf Länder- als auch Bundesebene für das unmittelbare Krisenmanagement als auch bei der Entwicklung dringend notwendiger mittel- und langfristiger Kulturstrategien
  • Umsetzung von Maßnahmen, die eine weitere/verschärfte strukturelle und existenzgefährdende Benachteiligung von Kunstschaffenden aus sog. Drittstaaten zu vermeiden
     

Ähnliche Artikel

Kultur Fördermittelverteilung - fast alles geht nach Wien? Symbolbild mit Reflexion des Riesenrads Fast die Hälfte der regional zuordenbaren Bundeskulturförderung geht nach Wien – rechnet man die großen Bundeseinrichtungen mit, sind es sogar 86 Prozent. Ist die Kulturförderung des Bundes also vor allem Wienförderung? Ein Blick hinter die Zahlen zeigt, wie das Ungleichgewicht zustande kommt – und welche Fragen sich daraus für die Kulturpolitik dringend stellen.
Die kärntner-slowenische Kulturmanagerin und -arbeiterin Alina Zeichen wurde heuer der Maria-Tusch-Frauenpreis verliehen. Mit dem nach einer der wichtigsten Vertreter:innen der Kärntner Arbeiter:innenbewegung benannte Preis würdigt die Stadt Klagenfurt/Celovec Menschen, die sich besonders für Mädchen, Frauen und Geschlechtergerechtigkeit einsetzen. Zeichen, welche den ersten zweisprachigen, queerfeministischen Kulturverein in Kärnten gründete und Co-Präsidentin des UNIKUMs sowie im Vorstand der IG KiKK ist, engagiert sich seit Jahrzehnten für die Gleichberechtigung von FLINTA*s und Minderheiten. MIT NACHLESE auch in LEICHTER SPRACHE
Analyse Kulturbudget Kulturförderung Bundeskulturförderung 2025 Wo hat der Bund nun tatsächlich gekürzt? Für 2025 liegen nun konkrete Zahlen zu den Kürzungen im Kunst- und Kulturbereich vor. Unsere Analyse zeigt: Während große Einrichtungen weitgehend verschont blieben, gibt es weniger Geförderte und Jahresprogramme – und je kleiner die Förderung, desto stärker der Rückgang.