Nicht nur am 8. März: Schluss mit einer Politik, die Armut als Anreiz verkauft! Auch in Kunst und Kultur! #enough

Zum feministischen Kampftag 2026 greifen wir die jüngst ausgegebene Devise für einen feministischen Streik auf: Enough! Basta! Genug! Auch in Kunst und Kultur reicht es, dass wir uns mit Armut, Diskriminierung und Prekarität herumschlagen. Ein Aufruf von FIFTITU%, IG Kultur Österreich und IG Bildende Kunst.

 

Schluss mit einer Politik, die Armut als Anreiz verkauft! #enough


Die Abschaffung der geringfügigen Zuverdienstmöglichkeit beim Bezug von Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe trifft besonders jene, die ohnehin am wenigsten haben. Sie trifft Menschen in prekären Branchen. Sie trifft viele in Kunst und Kultur. Und sie trifft Frauen* überproportional.

Ein geringfügiger Zuverdienst ist vielfach eine Überlebensstrategie um Miete, Lebensmittel und Energie weiterhin bezahlen zu können; um eine Möglichkeit zu haben, am Arbeitsmarkt präsent, oder etwa mit künstlerischer Tätigkeit sichtbar zu bleiben zu können. Ein geringfügiger Zuverdienst ist eine Brücke – nicht in die Bequemlichkeit, sondern in weitere Erwerbstätigkeit und über die Armutsgrenze. Laut AK und ÖGB erreichten 50 % der arbeitslosen Frauen* mit geringfügigem Zuverdienst überhaupt erst ein Einkommen knapp über der Armutsgrenze.[1]

Wer hier von „leistungsfeindlichen Anreizen“ spricht, verschiebt die Perspektive: Nicht das System steht zur Debatte, sondern die Betroffenen. Sie individualisiert ein systemisches Problem.

 

Schluss mit systematischer Entwertung von Frauen*arbeit! #enough


Der allgemeine Gender Pay Gap in Österreich lag 2024 bei 17,6 % und damit bereits über dem EU-Durchschnitt[2].  In Kunst und Kultur ist die Kluft noch ausgeprägter: Der sektorweite Gender Pay Gap bei unselbstständiger Tätigkeit lag im Durchschnitt bei rund 37 %, wenn Einkommen unabhängig von der Arbeitszeit verglichen werden[3].  Dieser Befund spiegelt die tiefgreifende Entwertung weiblich konnotierter und projektbasierter Tätigkeiten wider. Dazu kommt der Fair Pay Gap mit einer Differenz zwischen tatsächlicher und angemessener Bezahlung bei projektorientierten Tätigkeiten von über 100 %.

Diese Zahlen sind kein „Sonderfall Kunst und Kultur“. Sie zeigen auf, wie Arbeit, die vielfach weiblich, prekär, kurz befristet oder selbständig organisiert ist, strukturell schlechter bewertet wird – mit direkten Folgen für die soziale Absicherung, Altersvorsorge und Existenzsicherung. 

 

Schluss mit der Erzählung, prekäre Realitäten seien individuelle Entscheidungen! #enough


Etwa die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen* in Österreich arbeitet Teilzeit. Nicht aus „Bequemlichkeit“ oder als „Lifestyle-Entscheidung“, sondern aufgrund von Betreuungspflichten. Teilzeitarbeit stabilisiert das System. Sie hält Familien, Pflegearrangements und soziale Netze aufrecht. Sie kompensiert strukturelle Lücken staatlicher Versäumnisse.

Wer Teilzeitarbeit moralisiert, verschleiert ihre Funktion für die Gesamtgesellschaft. Wer Zuverdienstmöglichkeiten streicht, verschärft die ökonomische Abhängigkeit.

 

Feministische Kämpfe haben immer deutlich gemacht: Ökonomische Unabhängigkeit ist keine Nebensache. Sie ist Voraussetzung für Selbstbestimmung. Care-Arbeit, kulturelle Arbeit, soziale Arbeit – all das ist gesellschaftlich unverzichtbar und zugleich ökonomisch entwertet. Wenn dann auch noch minimale Spielräume geschlossen werden, wird Armut nicht bekämpft, sondern verwaltet.


Am 8. und 9. März verbinden sich Demonstrationen, der globale Women’s Strike und die Stillgelegt-Aktionen zu einer klaren Botschaft:
 

Wenn unsere Arbeit unsichtbar gemacht wird, legen wir sie offen.
Wenn unsere Existenzsicherung infrage gestellt wird, widersprechen wir.
Wenn Armut politisch in Kauf genommen wird, sagen wir: ENOUGH!

Eine feministische Arbeitsmarktpolitik muss existenzsichernd sein.
Eine demokratische Politik darf Prekarität nicht normalisieren.
Eine solidarische Gesellschaft misst sich nicht an Disziplinierungslogiken, sondern an gleichen Rechten und Möglichkeiten für alle.
 
ENOUGH heißt: Keine Politik auf dem Rücken derer, die ohnehin prekär leben.
ENOUGH heißt: Soziale Absicherung statt Sanktionierung.
ENOUGH heißt: Feministische Ökonomie jetzt.

 

#8M #8maerz #enough #stillgelegt #ZuverdienstAMS


[1] FACTSHEET Bezug von Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung und geringfügige Beschäftigung, https://www.oegb.at/content/dam/oegb/downloads/arbeitsmarkt/AK_%C3%96GB_Factsheet_Zuverdienst_2022.pdf  
[2] Gender Pay Gap, Österreich und EU-27, https://www.statistik.at/statistiken/bevoelkerung-und-soziales/gender-statistiken/einkommen  
[3] Gender Report im Bereich Kunst und Kultur 2017-2021, https://www.bmwkms.gv.at/themen/kunst-und-kultur/schwerpunkte/fairness-fair-pay/gender-report.html 

#Stillgelegt 
Kollektive Stillgelegt-Aktionen in verschiedenen Städten in Österreich und zum Mitmachen überall und dezentral. 
Zur Terminübersicht

Termine rund um den feministischen Kampftag in Wien/Österreich https://8maerz.at

#ENOUGH! 
Global Women‘s Strike
https://enoughgenug.org 
https://globalwomenstrike.net

Kunst.Macht.Gleichstellung
FIFTITU% lädt ein zum Gespräch über feministische Perspektiven auf Kunst und Kultur mit Frauenministerin Holzleitner am 9. März um 18 Uhr an der Kunstuniversität Linz. 
Zur Einladung


#8M #8maerz #enough #stillgelegt #ZuverdienstAMS

 



 
 

 


 

 

 

 

 

 

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