Kulturpolitik ohne Initiative? Nein danke!

<p>Wer versucht im Wahlkampf Spurenelemente kulturpolitischer Initiativen zu finden, muss zum Teil schon mit der Lupe suchen, um Vorschläge zu finden, die über den bisherigen Status quo hinausgehen. Die ÖVP hat mit dem Kunststaatsekretär Franz Morak einen Zuständigen, der das Allerwichtigste vermissen lässt: Bereitschaft zum Dialog mit Kulturschaffenden. Zwar propagiert er gerne und jederzeit, er habe in die Regionen umverteilt (laut Kunstbericht 2005 eine Erhöhung um

Wer versucht im Wahlkampf Spurenelemente kulturpolitischer Initiativen zu finden, muss zum Teil schon mit der Lupe suchen, um Vorschläge zu finden, die über den bisherigen Status quo hinausgehen. Die ÖVP hat mit dem Kunststaatsekretär Franz Morak einen Zuständigen, der das Allerwichtigste vermissen lässt: Bereitschaft zum Dialog mit Kulturschaffenden. Zwar propagiert er gerne und jederzeit, er habe in die Regionen umverteilt (laut Kunstbericht 2005 eine Erhöhung um satte 0,05% im Vergleich zum Vorjahr), so erteilt er in einem Interview mit den Salzburger Nachrichten vom 8. August eine klare Absage an Kulturinitiativen. Was Morak vorschwebt, ist das “Investment in natürliche Personen, Investment in Kreativität des Einzelnen, nicht in Organisationen und Überbau".

Aufhorchen ließ hingegen Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen, mit der Forderung nach einer Verzehnfachung des Budgets für Kulturinitiativen, statt einer weiteren Forcierung von “Spektakel- und Societykultur". Des Weiteren arbeiten die Grünen an einer Absicherung der Kreativen, die auch mehrjährige Förderverträge umfasst.

Die SPÖ hat sich wenigstens dazu durchgerungen das von ihr abgeschaffte Ministerium mit zusammen gelegten Kultur- und Kunstagenden wieder erstehen zu lassen. Laut Kultursprecherin Christa Muttonen will die SPÖ ihre alten Slogans von “Kultur für alle" wieder aufleben lassen und fordern eine Erhöhung des Kulturbudgets auf 1% des Staatshaushaltes. Wer aber nach Konzepten fragt, nach der konkreten Umsetzung ihrer “partzipativen und emanzipatorischen" Ansprüche, harrt weiterhin den Antworten.

Den gesellschaftlichen Diskurs bringen aber gerade (Kultur-) Initiativen ins Rollen, wie das Projekt "fields of transfer" der IG Kultur Österreich, das im Herbst eine Konferenz zum Thema Kulturarbeit von MigrantInnen veranstalten wird. Dafür aber sind Planungssicherheit und zuverlässige PartnerInnen in der Politik notwendig.

Ähnliche Artikel

Aktuell arbeitet die Bundesregierung im Rahmen der Förder-Taskforce nicht nur an einem Plan zur Kürzung der Förderungen, sondern auch an einer grundsätzlichen strategischen Neuausrichtung des Förderwesens. Viel Lärm um nichts oder das Ende der Kulturförderung? Die Analyse der geplanten Änderungen.
Die Finanzierung freier Kulturarbeit ist ein Flickwerk. Öffentliche Zuschüsse, so es welche gibt, müssen kleinteilig von unterschiedlichsten Stellen zusammengetragen werden, bis die Finanzierung steht – quer über Gebietskörperschaften und Ressorts hinweg. Damit besteht angesichts drohender Budgetkürzungen eine massive Gefahr: Denn, wenn jede Stelle nur auf die eigene Förderung schaut und „eh nur ein bisschen“ kürzt, kann aus einem kleinen Einschnitt schnell eine existenzieller werden. Umso dringender braucht es jetzt Budgetentscheidungen mit Weitsicht und Verantwortung über die eigene Zuständigkeit hinaus.
Soziokulturelle Arbeit ist kein nettes Extra, sondern grundlegende zivilgesellschaftliche Infrastruktur. Gerade in krisenhaften Zeiten ist sie wichtiger denn je. Dafür braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, die die Realität von Kulturarbeit verstehen und stützen – anstatt sie durch immer mehr Auflagen, kürzere und unsichere Förderzyklen sowie steigenden finanziellen Druck zu erschweren. Ein Manifest soziokultureller Zentren, mit Beteiligung und Impulsen von europaweit über 100 Initiativen.