Verein

IG Kultur, Kaktus, ©Pat Kwasi

Die IG Kultur Burgenland wurde im März 1995 gegründet und im November 2014 wieder aufgelöst. Der Grund für die vorläufige Beendigung der Vereinstätigkeiten liegt in dem jahrelangen und leider erfolglosen Ringen nach einem neuen und aktiven Vorstand. Zur Zeit gibt es im Burgenland 13 unabhängige Kulturinitiativen, welche über eine Doppelmitgliedschaft sowohl bei der IG Kultur Burgenland, als auch bei der IG Kultur Österreich als Mitglieder verzeichnet sind. 

So gering die Anzahl der Mitglieder im Vergleich zu anderen Bundesländern auch erscheinen mag, verfügt diese doch über eine komplexe Auswahl und spiegelt somit die wunderbare Bandbreite des burgenländischen Kultur Lebens mit all seinen Facetten und künstlerischen Nuancen wider. So trifft dort die religiöse Vielfalt das ethnische Potpourri, das Urbane das Ländliche, das Traditionelle die Moderne, der zeitgenössische Tanz die alte Musik. Was sich aber nicht trifft, sind Menschen, die dieses farbenfrohe Schauspiel thematisieren, die diese Spannungen gemeinsam, bzw. in überregionalen Projekten, widerspiegeln, die sich verknüpfen, die den burgenländischen Kultur-Alltag zusammen auf die Bühne der Kultur Politik bringen. Ein Austausch mag zwischen Einzelpersonen statt finden, es mag Gruppen geben, die Diskussionen führen oder Ideen entwickeln. Aber die Ergebnisse dringen nicht in die Öffentlichkeit, kein politisches Umdenken wird angestoßen, kein Stein zur Erneuerung des völlig veralteten Kulturförderungsgesetzes von 1980 ins Rollen gebracht. 

Man kann nur vermuten, woran das liegt. Das die geographischen Gegebenheiten ein Zusammentreffen erschweren mag stimmen. Denn da gibt es keine U-Bahn, die die Menschen von dem einen Kulturzentrum ins Nächste bringt. Aber sicherlich ist das nicht der einzige Grund. Zudem sind akademische Strukturen Mangelware und der Zusammenschluss von jungen Menschen auch somit rar. Doch durch das Schilf des Neusiedleersees flüstert auch die Vermutung, es könne an politischen Verknüpfungen liegen und der Wind der weiten pannonischen Tiefebene vermutet auch eine gewisse Gemütlichkeit in den Bärten und Gemütern von so manchem Altachtundsechziger ... 
Doch gerade jetzt, wo blaue Wahlplakate immer häufiger in romantisch verschlafenen, alt burgenländischen Ortschaften auftauchen und viele Menschen aus fernen Ländern gerade in diesem schmalen Streifen Land das erste Mal deutschsprachigen Boden betreten, würde man sich den alten Schwung, den rebellischen Geist der kulturellen Gründerzeit, einen roten, langen Wollschal auf stolzen Schultern, das eigenwillig gewellte Haar des Regisseurs aus dem Südburgenland, das kämpferische Funkeln in so manchem Musiker Auge zurück wünschen. 

Aber die Räume bleiben leer und glatt, die Texte in den wenigen Druckmedien aus und auch im Radio erklingen nur hin und wieder leise Töne. Der kritische Geist scheint zu tief in den weiten Äckern vergraben. Nur manchmal pfeift eine kleine grüne Gruppe ein Lied zur Erhaltung eines architektonischen Reliktes oder eine finanzschwere Holding positioniert sich überraschend offensiv im Jahresbericht. „Und wir schlafen noch und wir beten noch und wir fürchten noch….“ Denn so lange die Finanzierung für die eigene Kulturinstitution auf ein Neues für ein Jahr gewährt wird, scheint keine Sehnsucht dazu zu sein, nach feurigem Tanz bis über die Landesgrenzen hinaus, nach buntem Treiben bis auf die Hauptstrasse, nach lautem Gesang, zänkischem Schreien und wilden Farbenspielen auf überrgoßen Leinwänden. Ein blaufränkisches Rot schiebt gemütlich den Vorhang zu und so vergeht im Burgenland erneut ein ruhiger, friedlicher Tag ohne Trotz, scharfsinnigen Diskurs und glitzerndem Mut. (Und sollten die Gedanken hier allesamt falsch sein oder eben auch nicht, und du hast Lust, das mit kund zu tun, dann melde dich doch und vielleicht kann es die IG Kultur Burgenland dann auf ein Neues versuchen und gemeinsam mit dir das Burgenland wieder ein bißchen bunter und frecher machen !!!  Denn ja: „Und wir träumen noch!“).