VorRisse

Wir widmen uns in dieser Ausgabe jenen Facetten staatlicher Gewalt, die nicht nur als „Faust aufs Aug“ daherkommen, sondern als Beschnüffelung, als Einschüchterung, als Repression, auch durch das Wieder-in-Stellung-bringen von Gesetzesparagraphen, die einer „Inneren Sicherheit“ zuarbeiten.

Nach Internet-Recherchen zu Begriffen wie „direkte Aktion“, „militante gruppe“, „Innere Sicherheit“, „War on Terror“ und „Paragraph 129a“, erfolgt in Zusammenhang mit dem Redigieren der Schwerpunkttexte für die vorliegende Ausgabe der Kulturrisse, setzen wir schon mal Teewasser auf, für den Fall, dass wir ungeplanten Besuch bekommen:

Wir widmen uns in dieser Ausgabe jenen Facetten staatlicher Gewalt, die nicht nur als „Faust aufs Aug“ daherkommen, sondern als Beschnüffelung, als Einschüchterung, als Repression, auch durch das Wieder-in-Stellung-bringen von Gesetzesparagraphen, die einer „Inneren Sicherheit“ zuarbeiten. „Weg-gesichert“ werden hier vor allem auch linke AktivistInnen, und es zeigt sich, wie etwa Gene Ray in seinem Beitrag ausführt, dass es kein „Kollateralschaden“ ist, wenn hier die kleinen Fische mit im Schleppnetz landen. Vielmehr wird systematisch versucht, den Terrorismus-Begriff – als Strafgegenstand natürlich – auszuweiten.

Die Sache mit dem Teewasser ist natürlich ein Bild, eine Texteinleitungsfigur. Keinenfalls aber ist es kokettes Gehabe, denn wie wenig es braucht, um in die Mühlen der Ermittlungsbehörden und ihrer entfesselten Observationsmaschinerie zu geraten, zeigt der Fall des Sozialwissenschaftlers Andrej Holm aus Berlin. Andrej Holm beschreibt gemeinsam mit Anne Roth in der vorliegenden Ausgabe detailliert, welche Eigenschaften ein Mensch haben muss, welche Keywords er in seiner Netzkommunikation verwenden sollte, um in den Genuss einer Verhaftung samt (drohender) Anlage gemäß Paragraph 129a des deutschen Strafgesetzbuches zu kommen. Dieser aus den 1970er Jahren stammende Paragraph ermögliche eine „Vorverlagerung der Straffälligkeit“, als Ziel machen Holm/Roth, ähnlich wie Gene Ray, vor allem linke Milieus aus.

Gini Müller schlägt in ihrem Schwerpunktbeitrag einen Bogen von der theaterspezifischen Perspektive auf Feindbilder wie „den Terroristen“ zu anderen Bühnen: Sie berichtet von der Veranstaltung Dictionary of war, beschreibt das theatrum belli G8 und resümiert die jüngsten Urteile gegen DemonstantInnen in Genua – verlesen in der eindrucksvollen Architektur des Gerichtssaales zu Genau.

„Vorherrschende Sicherheitsdiskurse bedeuten für MigrantInnen und AsylwerberInnen systematische Unsicherheit“ schreiben maiz und Klub Zwei zu Beginn ihrer Darstellung des Projekts Terra Secura. Es schien uns wichtig, dieses im Kontext des Festivals der Regionen 2007 realisierte Projekt und seine Umsetzung nochmals vorzustellen, das unterschiedliche Aspekte von Sicherheit, von sozialer Sicherung bis hin zur EU als gated community aus der spezifischen Sichtweise von MigrantInnen bearbeitet hat.

Über unsichtbares Handeln und die Anfänge der Daktyloskopie (Identifikation durch Fingerprints) schreibt Stefan Nowotny in seinem Biometrie und epistemische Gewalt betitelten kleinen Versuch über die Polizei.

Abschließend möchten wir noch darauf verweisen, dass Markus Griesser, bis Ende 07 koordinierender Redakteur der Kulturrisse, zumindest in diesem Jahr nicht für das Teewasser im Büro verantwortlich sein wird: Er hat seine Koordinationsagenden an Belinda Kazeem und Patricia Köstring übergeben, bleibt der Redaktion als solcher aber schönerweise erhalten. 

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