"Vollzeitstellen findet man selten" Kulturarbeiter*innen im Gespräch - David Prieth, p.m.k.

Wie sehen die Arbeitsverhältnisse im Kulturbereich konkret aus? Wie geht sich das finanziell aus und wie vereinbart man das mit der Lebensplanung? Wie landet man im Kulturbereich und was motiviert dennoch so viele Menschen, sich aktiv einzubringen? Patrick Kwasi von der IG Kultur im Gespräch mit Kulturarbeiter*innen. Hier mit David Prieth ist Geschäftsführer von p.m.k., einem Zusammenschluss von 30 in Innsbruck tätigen Kulturvereinen.
p.m.k. Innsbruck

Sich dem Kulturbereich zu widmen, bedeutet oft, seinen Idealen zu folgen, sich zu verwirklichen, spannende Projekte umzusetzen, die sich an neuen Formen des Zusammenlebens erproben, der Gesellschaft etwas zurückgeben, ihr die Probleme zurückspiegeln oder Menschen zusammenbringen, um sie zu lösen. Es bedeutet aber häufig auch, für sein Engagement Entbehrungen in Kauf nehmen zu müssen. Nur Einzelne verdienen sehr gut, die wenigsten können von ihrer Tätigkeit im Kultursektor leben. Und wenn es sich ausgeht, dann häufig nur unter prekären und unsicheren Verhältnissen: unterbezahlt, überarbeitet, ohne Planbarkeit und mit wackeliger sozialer Absicherung. 
Im Gespräch mit Kulturarbeiter*innen. Hier mit David Prieth ist Geschäftsführer von p.m.k., einem Zusammenschluss von 30 in Innsbruck tätigen Kulturvereinen.

David Prieth, p.m.k. Innsbruck

 

Was ist deine Motivation im Kulturbereich zu arbeiten?
Der Kulturbereich ist der politische Ort, in dem ich mich am wohlsten fühle. Kulturarbeit ist für mich vor allem (sozio)politische Arbeit und Bewusstseinsbildung. In einer Partei würde ich mich nicht wohl fühlen. Im Kulturbetrieb kann ich andere Wege wählen, um meine "Botschaften zu verbreiten" und die jeweiligen Ziele zu erreichen.

Wie bist du dort gelandet?
Dass ich jetzt im Kulturbereich tätig bin, liegt wahrscheinlich daran, dass ich Vergleichende Literaturwissenschaft studiert habe. Dort haben mich entweder die ganz theoretischen oder sehr praxisorientierten Lehrveranstaltungen interessiert. Schließlich habe ich mich für die Praxis entschieden und anfangs im kulturjournalistischen Bereich gearbeitet. Über diverse kurze Umwege (Museumsbetrieb, Sozialarbeit, etc.) bin ich dann in der "Bäckerei - Kulturbackstube" in Innsbruck gelandet. Ursprünglich wollte ich dort nur etwas mithelfen, übernahm dann aber schnell das Veranstaltungsressort. Inzwischen habe ich in die "plattform mobile kulturinitiativen" gewechselt und übernehme dort die Geschäftsleitung.

Was macht der Verein?
Der Verein "p.m.k - plattform mobile kulturinitiativen" ist ein Zusammenschluss von über 30 in Innsbruck tätigen Kulturvereinen. Wir verfügen insgesamt über drei Viaduktbögen, in denen wir einen Barbereich, einen Veranstaltungsbereich und einen Backstage-/Bürobereich untergebracht haben.
 
Was ist deine Tätigkeit?
Als Geschäftsführer der p.m.k leite ich gemeinsam mit meinem Kollegen Chris Koubek die Organisation des Veranstaltungsortes. Wir übernehmen Dinge wie Pressearbeit, finanzielle und rechtliche Abläufe (AKM, Veranstaltungsanmeldungen, etc.), gemeinsame Infrastruktur und Jahresprojekte. Unsere Mitgliedsvereine sollen sich auf die Umsetzung ihrer eigenen Veranstaltungen konzentrieren können.

Wie sieht das in der Praxis aus?
Derzeit bin ich beim Verein 25 Stunden angestellt, also Teilzeit.

Geht sich das aus? 
Momentan ist meine finanzielle Situation glücklicherweise zufriedenstellend. Ich kann daneben auch weitere Projekte, Vorstands- und Vereinstätigkeiten ausüben, so dass ich dadurch auch kleinere Nebeneinkünfte habe. Zudem habe ich das Glück, dass ich in Innsbruck einen günstigen Wohnort habe, sonst könnte ich davon nicht so gut leben.

Was sind die größten Schwierigkeiten?
Vor meiner aktuellen Wohnsituation und diesem Job war es für mich im Kulturbetrieb stets mehr als eng. Im Kulturbereich ist oft nicht sicher, ob die Arbeitsstelle auch im nächsten Jahr noch existieren wird. Vollzeitstellen findet man auch selten, was sich später natürlich auch auf die Pension niederschlagen wird. "Kultur" ist natürlich auch ein Spielball der Politik. Da kann es schnell passieren, dass gewisse Förderungen abgedreht werden und ganze Bundesländer ihre freien Kulturstätten (samt Arbeitsplätze) verlieren.

Was bedeutet das für dich? 
Um eine gesicherte Familienplanung gewährleisten zu können, hätte ich mir wahrscheinlich eine andere Berufssparte aussuchen müssen. Falls es einmal zu einer richtigen Familiengründung kommen sollte, muss ihr wahrscheinlich umsatteln oder reich heiraten.

 

David Prieth ist Geschäftsführer von p.m.k., einem Zusammenschluss von 30 in Innsbruck tätigen Kulturvereinen, um gemeinsam einen Veranstaltungsort zu bespielen und administrative Aufgaben zu bündeln.

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Dieser Artikel ist in der Ausgabe „prekär leben“ des Magazins der IG Kultur in Kooperation mit der Arbeiterkammer Wien erschienen. Das Magazin kann unter office@igkultur.at (5€) bestellt werden. 

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