„Was hier also definitiv fehlte, war ein Garten!“ - Klimakultur im Gespräch: Anita Hofer, KiG! Kultur in Graz

Was kann die Kultur fürs Klima? Umweltschutz im Kunst- und Kulturbereich schien lange Zeit Nebensache und fehlt in den meisten Visionen und Missionstatements weitgehend. Dabei zeigen viele Initiativen und Projekte seit langem, wieviele spannende Impulse zu dem Thema aus dem Sektor kommen. Patrick Kwasi von der IG Kultur im Gespräch mit der Klimakultur. Hier mit Anita Hofer, KiG! Kultur in Graz.

 

 

Anita Hofer, K!G Kultur in Graz

Was macht der Verein und was ist deine Tätigkeit?

Kultur in Graz ist ein Kulturverein, der sich mit gesellschaftspolitischen Fragen auseinandersetzt und spartenübergreifende Veranstaltungen dazu macht.
Meine Tätigkeit: künstlerische und wirtschaftliche Leitung des Vereins.

 


Warum ist euch das Thema Umwelt, Klima, Nachhaltigkeit wichtig?

Ressourcenschonend zu arbeiten und zu leben ist für uns eine Selbstverständlichkeit, die wir auch zu vermitteln versuchen (unserem Publikum, den Mieter*innen, der Nachbarschaft, …). Vor allem, weil wir täglich erfahren, wie schwierig es ist, ökologische Themen in den Alltag zu integrieren. 

 


Wie seid ihr darauf gekommen einen Gemeinschaftsgarten zu gründen?

Vor dem Haus, in dem wir arbeiten, mitten in der Stadt Graz, gab es eine kleine Brachfläche (23 m2), die eigentlich nur dazu genutzt wurde, Sperrmüll vorübergehend darauf zu lagern. Weil wir jeden Tag aus unseren Bürofenstern auf diese Brachfläche schauten, begannen wir bald darüber zu reden, dass wir uns eine bessere Nutzung dieser Fläche vorstellen können, vor allem weil das Grundstück insgesamt zu grossen Teilen mit Asphalt versiegelt ist (für Parkplätze!) und die ausgesparten Grünbereiche kurzgeschorener Rasen ziert. Was hier also definitiv fehlte, war ein Garten!
Wir haben damit angefangen, seltene Heil- und Gewürzpflanzen zu setzen und bald schon gab es interessierte Menschen, die Informationen darüber haben wollten. Ein Botaniker, der sich intensiv mit essbaren Wildkräutern beschäftigt, kam regelmässig vorbei und erklärte uns die Funktion von sogenannten „Unkräutern“, die bei uns wuchsen. Also wurde von diesen immer mehr stehen gelassen, statt ausgerissen. Gemüsepflanzen kamen nach und nach dazu. 

 


Wie funktioniert ein Gemeinschaftsgarten konkret?

Konkret funktioniert der Garten so: Menschen, die Pflanzen setzen wollen, kriegen von uns einen Platz reserviert und die Regeln erklärt. Man darf keinen Dünger verwenden, außer dem Kompost, den wir selber erzeugen, keine Pflanzen unhinterfragt ausreißen (vor allem nicht im Frühjahr, wo Insekten auf jede Blüte angewiesen sind). Gejätet wird spärlich und nur dort, wo Blühpflanzen die Gemüsepflanzen überwuchern wollen, gegossen wird nur, wenn es sehr heiss ist, ernten dürfen alle alles, auch jene, die nichts dazu beitragen.
Es gibt auch einige Personen, die vorbeikommen, um Pflanzen zu tauschen und wir kriegen immer mehr Anfragen für sogenannte „Gartenführungen“. Viele Menschen, die in der Stadt leben, kennen heute Pflanzen, die sie essen, nicht mehr in ihrem Wachstum, sondern nur mehr aus dem Supermarkt. Unsere kleine öffentliche Fläche erweckt Aufmerksamkeit und die Menschen wollen wissen, was denn da wächst.

 


Wie wird das von den Leuten angenommen?

Einerseits gibt es in der Nachbarschaft und auch bei manchen Besucher*innen wenig Verständnis für unseren „Wildwuchs“ - ihrer Meinung nach gehört das ganze „Unkraut“ weg und der Garten gepflegt! Trotz Beschilderung gibt es immer wieder Schäden von Menschen, die den Garten nicht als Garten sehen und die Pflanzen zertreten. Andererseits gibt es aber immer mehr Menschen, die sich für dieses Konzept interessieren und informiert werden wollen, vor allem, seit wir unseren Garten in der Landkarte von „Natur verbindet: jeder Quadratmeter zählt!“, einer Kampagne des Naturschutzbundes, eingetragen haben, und ein Schild dazu aufgestellt haben, ist die Aufmerksamkeit und auch die Toleranz dafür stark gestiegen.

 


Wie glaubt ihr, wie sich das in Zukunft entwickeln wird?

Wir denken, dass die Akzeptanz und das Interesse von Konzepten, wie für unseren Garten, steigen wird, da ökologische Praxen gerade in Städten immer mehr zum Thema werden. Vor allem junge Menschen sind oft bereit, tradierte Regeln und Muster hinter sich zu lassen und sich auf brennende Fragen unserer Gesellschaft einzulassen.

 

 

Anita Hofer ist Künstlerin und Kulturaktivistin und Leiterin der Plattform KiG! Kultur in Graz und Vorstandsvorsitzende der IG Kultur Steiermark.

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