Kulturrisse 04/03

Steigende Flut des Widerspruchs. Museen im Zeitalter des expandierenden Workfare-Staats

Die Kritik beginnt damit, die heute fast abgeschlossene “Krise des Wohlfahrtsstaats” zu verstehen. Denn fälschlicherweise wird ihr Ursprung dem neoliberalen Herrschaftswechsel, der Mitte der 1970er Jahre mit der Chicago-Schule der Ökonomie und Thatchers konservativer Revolution begann, zugeschrieben. Doch das war nur die zweite Phase.

Die Neuverteilung der Teilnahme. Antirassistische Politik und Kunstpraxis

Statt Dissens existiert heute nur ein Zustand, in dem Konflikt unsichtbar ist. Es scheint jeweils keine andere Lösung zu geben außer der, die gerade präsentiert wird. Und wenn es zu einer Auseinandersetzung zwischen “Parteien” kommt, dann eher um die Wege, wie diese für alle geltende Lösung zu erreichen ist.

Politik und Verantwortung. Eine Einführung

Ja, klar. Wir kennen das Gesudere. Kaum eine Woche, in der sich nicht irgendein Mail dazu in der Inbox findet - X bekommt keine Subventionszusage, Y wurden die Mittel gekürzt, Z sperrt zu. Und dann kommen die Folgemails - Proteste, Unterschriftensammlungen, allgemeine Empörung.

Gefängnisse als Laboratorien der Kontrollgesellschaft

Es besteht also nicht die Alternative Kontrollgesellschaften versus Gefängnisse, beides besteht nebeneinander und ergänzt sich glänzend, und so scheinen westliche Gesellschaften in Richtung immer stärker segregierter Räume und Lebensläufe zu tendieren, wo für diejenigen, die nicht den Anforderungen des neuen Kapitalismus genügen, der Lebenslauf der Risikogruppen oder nicht Leistungsfähigen vorgesehen ist oder das Wegsperren in Gefängnisse oder Lager.

Von Alpha bis Omega. Lektüren von Ljubomir Bratic' "Antirassistische[n] Lektionen für KünstlerInnen"

Ljubomir Bratic kritisiert die fehlende Reflexion vieler KünstlerInnen, die in ihren Projekten zwar multikulturalistische "Bilder der Repräsentanz" von MigrantInnen entwerfen würden, aber nichts zur "realen Teilnahme" der Diskriminierten am öffentlichen Geschehen beitrügen. Letztendlich würde das nur "den vorherrschenden Rassismus bestätigen".

Das Problem des WSIS

Von 10. bis 12. Dezember 2003 fand in Genf der von den United Nations und International Telecommunication Union veranstaltete Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (WSIS - World Summit on the Information Society) statt. Der folgende Beitrag betreibt neben einer Erläuterung der zentralen Begrifflichkeiten auch eine grundsätzliche Kritik der Ideologie des Intellectual-Property-Regime.

Kunst und Wirtschaft. Eine Farce in vier Semestern

Seit dem Antritt der besten Regierung von allen und dero Kunststaatssekretär gibt es für die Kunst keine Ausnahme mehr. Subventionen werden hinuntergefahren und der freie Markt bekommt seine Freiheit auf Kosten derer der Kunst. Wirtschaftsorientiertheit ist angesagt, das Staatskünstlertum hat endlich ein Ende. Und jene, die die (noch) fütternde Hand beißen wollen, werden auf Diät gesetzt, manche auch prophylaktisch.

Fusion als Strategie der Eliminierung? Zum kulturpolitischen Hintergrund der "Abwicklung" von ÖKS, KulturKontakt und Büro für Kulturvermittlung

Da musste ich mir erst die Augen reiben, als mir Burgtheaterdirektor Klaus Bachler in einem großen Standard-Interview im November 2003 vom Verlust von "Kulturpolitik im eigentlichen Sinn", bei der Gelegenheit auch gleich von der "Abwesenheit von Politik im klassischen Sinn" in der Wenderepublik Österreich berichtet hat. Ich sehe sie ja noch vor mir, die Fahne des Widerstands, wie sie - ich nehme an, mit dem Wissen und dem Einverständnis von Direktor Bachler - im Frühjahr 2000 vor dem Portal dieser nationalen Erkenntnis- und Erziehungsanstalt lustig im Wind geflattert ist, um freilich dann irgendwann sang- und klanglos eingerollt zu werden - wie übrigens an vielen anderen Kultur-Orten auch. Irgendetwas musste passiert sein, das einen der führenden Exponenten des österreichischen Kunstbetriebs zu einem solch grundsätzlichen Meinungsumschwung hat kommen lassen.

Aus gegebenem Anlass: Gegen das Verwaschen und Verschwimmen von Täter- und Opferperspektive

Eine Gesellschaft, die sich am Ulrichsberg versammelt, um der Kriegsveteranen und Heimkehrer zu gedenken, eine Gesellschaft, die mit ihren Ritualen zum Ausdruck bringt, dass sie in erster Linie der Führertreue und Pflichterfüllung von Wehrmachtssoldaten gedenkt - und nicht der Opfer dieser "Pflichterfüllung" -, so eine Gesellschaft hat eine Entscheidung gefällt: die Entscheidung, nicht den Widerstand und die Freiheit, sondern die Anpassung und die Unfreiheit zum Erinnerungswert zu machen.

Rassismus duldet keine Gefälligkeiten und Kompromisse! Zum antirassistischen Positionspapier der IG Kultur Österreich

Die menschenverachtende Praxis eines in der Gesellschaft tief verwurzelten Rassismus bildet in der Tat ein feindliches Umfeld, vor dem sich politische Kulturarbeit nicht verschließen kann. Aus diesem Grunde hat nun auch die IG Kultur Österreich die Frage nach gegenhegemonialen Strategien zu einem der Schwerpunkte im kulturpolitischen Handeln des Netzwerks der Kulturinitiativen erklärt.