Zuverdienstverbot verschlechtert Arbeitsverhältnisse in Kunst und Kultur massiv

Zwischenbilanz nach vier Monaten Zuverdienstverbot anlässlich des Tags der Arbeitslosen am 30. April: Anstatt die soziale Absicherung in Kunst- und Kulturberufen zu verbessern wird sie faktisch untergraben. Denn für viele nicht durchgehend Beschäftigte bedeutet das: Entweder soziale Absicherung oder Einkommen. Damit werden aus Beschäftigungskrisen Existenzkrisen. Zu Verbesserungen bei den Beschäftigungsverhältnissen führt diese Regelung in Kunst und Kultur nicht.

Arbeitsmöglichkeiten gehen verloren, Existenzen in Kunst und Kultur immer schwerer, Bedingungen verschlechtert

 

Pressemitteilung von Kulturrat Österreich und IG Autorinnen Autoren, 29.04.2026 


Seit dem 1. Jänner 2026 gilt ein weitreichendes Zuverdienstverbot beim Bezug von AMS-Geldern. Für viele nicht durchgehend Beschäftigte bedeutet das: Entweder soziale Absicherung oder Einkommen – beides zugleich ist nur noch in wenigen Ausnahmefällen möglich. Besonders stark betroffen sind Frauen, Alleinerziehende, Künstler:innen und Kultur- und Medienarbeiter*innen, deren Erwerbsrealität von unregelmäßigen und geringfügigen Tätigkeiten geprägt ist.

 

Anstatt die soziale Absicherung in Kunst- und Kulturberufen zu verbessern – wie im Regierungsprogramm angekündigt – wird sie faktisch untergraben. 


Die aktuelle Regelung verschärft die ohnehin prekäre Situation in diesen Bereichen erheblich. Anstatt die soziale Absicherung in Kunst- und Kulturberufen zu verbessern – wie im Regierungsprogramm angekündigt – wird sie faktisch untergraben. Rückmeldungen bei uns in unserer Beratungsarbeit zeigen deutlich: Die AMS-Regeln stehen den realen Arbeitsbedingungen in Kunst und Kultur entgegen. Betroffene müssen jedes einzelne Angebot daraufhin prüfen, ob es zum Verzicht auf das Arbeitslosengeld oder zum Verlust des Auftrags führt – jetzt oder in Zukunft.
 

Zusätzlich herrscht auch innerhalb des AMS große Unsicherheit im Umgang mit den jeweiligen Voraussetzungen. Selbst Monate nach Inkrafttreten ist in vielen Fällen nicht geklärt, wie die unterschiedlichen Einkommensarten korrekt zu behandeln sind. Unterschiedliche Auslegungen zwischen regionalen AMS-Stellen sowie fehlende Abstimmungen mit Sozialversicherungsträgern führen zu zahlreichen Rechtsunklarheiten. Die unvermeidlichen Folgen sind: abgelehnte Anträge auf Arbeitslosengeld, Rückforderungen und existenzielle Probleme.
 

Wir können die ohnedies nur sehr magere vorschnelle „Erfolgsbilanz“ zur Neuregelung durch das AMS nicht teilen. Soweit es den Kunst- und Kulturbereich betrifft, kann der „Erfolg“ des AMS nur darin bestehen, wie viele Beschäftigungen von Künstler*innen, Kultur- und Medien(mit)arbeiter*innen es durch Arbeitslosengeldbezug verhindert bzw. wie viele neue Armutsfälle es durch Vorenthaltung des Arbeitlosengeldbezugs geschaffen hat. 
 

Die Neuregelung ist kein Erfolg für die Versicherten, sondern für die Versicherung, die weniger Geld für die Versicherten ausgeben muss als bisher – auf Kosten sozialer Absicherung, wofür die Versicherten Beiträge zahlen und Ansprüche erwerben mussten. Arbeitsmarktpolitisch verwandelt das Zuverdienstverbot im Bereich der Kunst und Kultur höchstens Beschäftigungskrisen in Existenzkrisen, zu Verbesserungen bei den Beschäftigungsverhältnissen führt sie nicht. 
 

Wir fordern daher gemeinsam mit 1500 Künstler*innen und 160 Kultureinrichtungen eine faire und realitätsnahe Regelung bei Erwerbslosigkeit.
 

Das Zuverdienstverbot muss aufgehoben werden! Jetzt.
 

 

Eine gemeinsame Initiative der IG Autorinnen Autoren und des Kulturrats Österreich (ASSITEJ Austria, Berufsvereinigung der Bildenden Künstler Österreichs – ZV, Dachverband der österreichischen Filmschaffenden, Forum Literaturübersetzen Österreich, Forum Österreichischer Filmfestivals, IG Bildende Kunst, IG Freie Theaterarbeit, IG Kultur Österreich, NEKUDAK, Österreichischer Musikrat, Österreichischer Verband der Kulturvermittler:innen, Verband Freier Rundfunk Österreich, VOICE – Verein für Leistungsschutz der SprecherInnen und DarstellerInnen).  

Logo Kulturrat Österreich bunt
Der Kulturrat Österreich ist der Zusammenschluss von Interessenvertretungen in Kunst, Kultur und Freien Medien. Gemeinsam vertreten diese IGs rund 5.500 Einzelmitglieder sowie 70 Mitgliedsverbände mit deren 360.000 Mitgliedern, über 1.000 Kulturinitiativen und 16 freien Rundfunkstationen. 

Die IG Kultur Österreich ist Gründungsmitglied und Vorstandsmitglied.

 

Logo IG Autorinnen Autoren
Die IG Autorinnen Autoren setzt sich für die Verbesserung der rechtlichen und sozialen Bedingungen schriftstellerischer Arbeit in Österreich ein. Sie vertritt rund 4.000 Einzelmitgliedern und 60 Mitgliedsverbände. 

 

Aufruf unterstützen: 

Zuverdienstverbot aufheben! 

 

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