Minus 0,1 Prozent.1 Wer nur die Gesamtsumme im neuen Kunst- und Kulturbericht liest, könnte meinen, das erste Sparjahr 2025 sei am Kulturbereich nahezu spurlos vorübergegangen: 623,19 Millionen Euro hat der Bund 2025 für Kunst und Kultur ausgegeben, gerade einmal 0,82 Millionen weniger als im Jahr davor. Das heißt allerdings nicht, dass nur 0,82 Millionen Euro gekürzt wurden: Mehrausgaben in manchen Bereichen gleichen Einsparungen in anderen in der Gesamtsumme weitgehend aus. Die Summe sagt wenig darüber, wo tatsächlich Geld ankommt – und wo nicht.
Zur Erinnerung: Im Rahmen des Doppelbudgets 2025/26 wurde angekündigt, dass knapp zehn Millionen Euro „quer über alle Abteilungen in der Kunst- und Kulturförderung“ eingespart werden müssten. Gleichzeitig versicherte Kulturminister Andreas Babler, man werde dabei „nicht mit dem Rasenmäher“ vorgehen, sondern selektiv – und die Breite erhalten. Entscheidend ist daher nicht nur, wie sich die Gesamtausgaben verändert haben, sondern wo gekürzt und wo mehr ausgegeben wurde.Der Kunst- und Kulturbericht 2025 ist der erste, an dem sich diese Zusagen messen lassen.
Gesamtbild: Steigerungen bei den Bundeseinrichtungen, Kürzungen bei den freien Förderungen
Vereinfacht gesagt wurde der angekündigte Kürzungspfad umgesetzt: Bei den gebundenen Mitteln für die Bundeseinrichtungen kamen rund 3,3 Millionen Euro hinzu, bei der frei vergebenen Kunstförderung fielen rund 4,1 Millionen weg. Unter dem Strich bleibt in der Gesamtsumme damit ein vergleichsweise kleines Minus. Im Detail:
Keine Kürzungen bei Bundeseinrichtungen
Die gesetzlich gebundenen Mittel für Bundestheater, Bundesmuseen, Nationalbibliothek, Denkmalschutz und Co. stiegen 2025 um 3,3 Millionen auf 441,7 Millionen Euro (+0,7 %). Grund sind laut Bericht vor allem höhere Basisabgeltungen; allein jene der Bundestheater stieg von 194,2 auf 203,8 Millionen Euro – ein Plus von rund 9,6 Millionen. Im Saldo wird das durch auslaufende oder geringere Einmalposten gedämpft: weniger Mittel für die Generalsanierung der Salzburger Festspielhäuser, der geringere Bundesanteil für die Kulturhauptstadt Bad Ischl und die Reduktion von Investitionsmitteln.
4,1 Millionen weniger Kunstförderung
Die Kunstförderung, also jene Mittel, die auf Grundlage des Kunstförderungsgesetzes frei vergeben werden, sank um 4,1 Millionen auf 181,5 Millionen Euro (–2,2 %). Bei einer Inflation von 3,6 Prozent2 entspricht das real einem Minus von rund 5,6 Prozent.
Mit dem Rasenmäher wurde tatsächlich nicht über die Sparten gegangen – die Kürzungsbeiträge nach Sparte unterscheiden sich erheblich:
Der Rückgang bei Museen, Archiven und Wissenschaft geht vor allem auf den auslaufenden, aus EU-Aufbaumitteln (RRF) finanzierten Sondercall „Kulturerbe digital“ zurück – also auf ein befristetes Programm, nicht auf Kürzungen laufender Förderungen. Rechnet man diesen Bereich heraus, sinkt die übrige Kunstförderung von 177,41 auf 176,43 Millionen Euro (–0,6 %). Das klingt nach wenig, verdeckt aber, dass Zuwächse bei Musik und darstellender Kunst von zusammen 2,9 Millionen Euro Kürzungen in fast allen anderen Sparten gegenüberstehen.
Wo die Zuwächse bei Musik und darstellender Kunst ankommen
Musik (+1,1 Mio.) und darstellende Kunst (+1,75 Mio.) sind die einzigen Sparten mit Zuwächsen. Bei freien Organisationen unter 50.000 Euro (Jahresprogramme und Projekte) kommt davon wenig an: In der Musik stehen 56 Kürzungen 16 Erhöhungen gegenüber, in der darstellenden Kunst 73 zu 30.
Die Zuwächse konzentrieren sich auf wenige Häuser: in der darstellenden Kunst auf Josefstadt (+4,1 Mio.), Theater der Jugend (+1,65 Mio.) und die Schauspielhäuser Wien und Salzburg (je rund +0,9 Mio., Aufstieg in die Jahresförderung), während das Volkstheater 7,06 Millionen weniger ausweist (wobei Zahlungszeitpunkte eine Rolle spielen können). In der Musik gingen die größten Zuwächse an Jeunesse, Konzerthaus und die neu geförderte Gesellschaft der Musikfreunde. Das Plus ist also eine Umschichtung zwischen großen Einrichtungen, keine Stärkung in der Breite.
Auch die beiden Sparten mit nominellen Zuwächsen durchbrechen damit nicht das Muster, das sich in der Förderlandschaft insgesamt zeigt: Entscheidend ist nicht nur, ob eine Sparte mehr oder weniger Mittel erhält, sondern wie sich diese innerhalb der Sparte verteilen. Besonders deutlich lässt sich das bei den Kulturinitiativen nachvollziehen.
Fokus Kulturinitiativen: Was hinter dem Minus von 16,2 Prozent steckt
Auf Ebene der gesamten Sparte Kulturinitiativen weist der Bericht einen Rückgang von 16,2 Prozent aus – abgesehen vom Sonderfall „Kulturerbe digital“ der höchste relative Rückgang aller Sparten.
Dieses Minus bedeutet allerdings nicht, dass die regulären Förderungen der Kulturinitiativen insgesamt um 16 Prozent gekürzt wurden. Ein großer Teil des Rückgangs erklärt sich durch die 2025 weggefallene Sonderförderung für das Kinderkunstlabor. Zugleich erschwert eine veränderte Zuordnung einzelner Festivals den direkten Vergleich mit 2024.
Ein genauerer Blick zeigt daher ein differenzierteres Bild – sowohl bei der Höhe und Form der Förderungen als auch bei ihrer Verteilung.
Weniger Programme, kleinere Projekte
Dennoche Zahl der geförderten Jahresprogramme 2025 ist deutlich gesunken. 2024 erhielten 148 Kulturinitiativen eine Programmförderung, 2025 nur noch 126. 30 von ihnen wurden auf Projektförderung zurückgestuft, vier erhielten gar keine Förderung mehr. Von den übrigen 114 wurde die Mehrheit gekürzt, nur vier bekamen mehr. Neu dazu kamen zwölf Initiativen, die Hälfte davon war schon bisher projektgefördert.
| Kulturinitiativen (förderjahrbereinigt) | 2024 | 2025 | Veränderung |
|---|
| Programmförderungen: Organisationen | 148 | 126 | –22 |
| Programmförderungen: Summe | 4,99 Mio. € | 4,71 Mio. € | –5,8 % |
| Programmförderung: Durchschnitt | 33.744 € | 37.344 € | +10,7 % |
| Programmförderung: Median | 19.200 € | 21.250 € | +10,7 % |
| Projekt-/Festivalförderungen: Förderfälle* | 148 | 162 | +14 |
| Projektförderung: Median je Förderfall* | 10.000 € | 9.000 € | –10,0 % |
| Projektförderungen bis 10.000 €* | 80 | 98 | +18 |
| Sonderprojekte | 2,67 Mio. € | 0,70 Mio. € | –74 % |
* ohne Einzelpersonen
Dass Durchschnitt und Median steigen, obwohl die Mehrheit gekürzt wurde, ist kein Widerspruch: Verschwunden sind vor allem kleine Programmförderungen. Der höhere Mittelwert zeigt ein Ausdünnen von unten, keine besseren Förderbedingungen.
Die Projektförderung ist dagegen kleinteiliger geworden: Der Median sank auf 9.000 Euro, die Zahl der Förderungen bis 10.000 Euro stieg von 80 auf 98.
Neuzuordnung verschleiert Rückgang teilweise
Bis 2024 waren große Veranstaltungen wie das Festival der Regionen oder das Viertelfestival dem LIKUS-Bereich „Festivals und Großveranstaltungen“ zugeordnet – auch wenn sie von gemeinnützigen Vereinen getragen werden. 2025 werden sie bei den Projektförderungen der Kulturinitiativen ausgewiesen.
Das verändert den Vergleich erheblich: Die Summe der Kulturinitiativen wird 2025 durch diese neu zugeordneten Festivals erhöht. Bei gleicher Zuordnung wie 2024 läge der Rückgang daher nicht bei 16,2, sondern bei 23,8 Prozent. Dieser stärkere Rückgang geht allerdings fast vollständig auf die weggefallenen Sonderprojekte zurück: Ihre Förderung sank von 2,67 auf 0,70 Millionen Euro.
Die reguläre Förderung von Jahresprogrammen und Projekten blieb dagegen mit rund 6,8 Millionen Euro nominal ungefähr auf dem Niveau von 2024. Unter Berücksichtigung der Inflation entspricht das einem realen Rückgang von rund vier Prozent.
Auch die Projektförderung erscheint durch die Neuzuordnung zunächst größer. Werden die neu zugeordneten Festivals herausgerechnet, zeigt sich bei jenen Kulturinitiativen, die bereits bisher auf Projektförderung angewiesen waren, dagegen ein Rückgang von rund acht Prozent.
Große Unterschiede zwischen den Bundesländern
Auch zwischen den Bundesländern gibt es große Unterschiede, in Niederösterreich schlägt logischerweise der Wegfall des Kinderkunstlabors durch, aber auch im Burgenland (–19 %) und in Kärnten (–8 %, Jahresprogramme von 16 auf 12) wurde deutlich gekürzt. Zuwächse gab es in Oberösterreich (+9 %), Salzburg (+6 %) und Wien (+4 %).
Je kleiner die Förderung, desto größer der Verlust
Gekürzt wurde in allen Fördergrößen – aber nicht im gleichen Ausmaß: Initiativen mit bis zu 10.000 Euro Programmförderung verloren zusammen rund ein Sechstel (–16,3 %) ihrer Mittel, jene mit über 100.000 Euro rund ein Prozent.
Insgesamt: Weniger Geförderte, mehr für die Mitte
Das Muster gilt nicht nur für Kulturinitiativen. Über alle frei vergebenen Förderungen hinweg (ohne Denkmalschutz, Bibliotheken, Volkskultur und Filminstitut) sank die Zahl der Geförderten von 2.957 auf 2.679 – rund 280 Organisationen und Einzelpersonen weniger. In allen Größenklassen unter 250.000 Euro ging die Fördersumme um 9 bis 16 Prozent zurück. Gewachsen ist nur die Gruppe zwischen 250.000 Euro und einer Million: von 37 auf 44 Einrichtungen, die Summe um 30 Prozent. Die untere Hälfte der Geförderten teilt sich weiterhin nur rund vier Prozent der Mittel.
Fazit: Versprechen gehalten?
Nur teilweise. Einen „Rasenmäher“ über alle Sparten gab es 2025 tatsächlich nicht. Die Kürzungen wurden selektiv verteilt, große Einrichtungen blieben weitgehend verschont oder legten zu. Die frei vergebene Kunstförderung ging hingegen zurück – und innerhalb der Förderlandschaft zeigt sich eine deutliche Verschiebung.
Bei den Kulturinitiativen etwa blieb die reguläre Förderung nominal zwar ungefähr stabil, real verlor sie jedoch an Wert. Gleichzeitig gibt es weniger Jahresprogramme, kleinere Projektförderungen und stärkere Verluste bei kleinen Förderbeträgen. Auch in den Sparten mit Zuwächsen kommt das zusätzliche Geld nicht in der Breite an, sondern konzentriert sich auf wenige größere Einrichtungen.
Das Versprechen, die Breite der Förderung zu erhalten, wurde damit nicht eingelöst. Gespart wurde nicht überall gleich – aber dort, wo Förderungen ohnehin klein und Strukturen fragil sind, sind die Einschnitte besonders deutlich.
1 Im Kulturbericht 2024 wurden die Gesamtausgaben 2024 noch mit 632,49 Mio. Euro beziffert. Im aktuellen Bericht wird derselbe Wert („aufgrund eines Fehlers in der Summenbildung“ beim internationalen Kulturaustausch) mit 624,01 Mio. Euro ausgewiesen. Je nach Vergleichsbasis sanken die Ausgaben 2025 also um 1,5 Prozent (9,3 Mio. Euro) oder um 0,1 Prozent (0,8 Mio. Euro). Wir verwenden im Folgenden den korrigierten Wert. Kulturminister Andreas Babler bezieht sich in seiner Stellungnahme auf die 9,3 Millionen Euro und damit auf den ursprünglichen Vergleichswert, obwohl dieser im aktuellen Bericht korrigiert wurde.
2 Statistik Austria: Inflation 2025 mit 3,6 % höher als im Vorjahr, 19.01.2026.
Methodik: Datengrundlage Kunst- und Kulturbericht 2024 und 2025 sowie Rohdaten des Ministeriums zum Bericht 2025, Einzelauflistungen der Abteilungen 2 und 7. Förderjahrbereinigt (Vorauszahlungen dem Förderjahr zugerechnet), ohne Einzelpersonen; nominale Werte, sofern nicht anders angegeben.