Praxislabor Community Building

In Zeiten von Kulturbudgetkürzungen und knapper werdenden Ressourcen braucht es umso mehr Menschen, die Kulturräume mittragen und stützen. Doch solche Verbundenheit entsteht nicht von selbst. Publikumsentwicklung und Community Building sind keine Marketingbegriffe, sondern Beziehungsarbeit an der Wurzel. Sie erfordern es, die eigenen Annahmen über Publikum und Communities zu hinterfragen, genauer hinzuhören und konkrete Veränderungen im Kulturalltag auszuprobieren.


 

Projektidee & Zielsetzung

Mit dem Praxislabor Community Building starten IG Kultur Österreich und IG Kultur Steiermark ein Praxisprogramm von Oktober 2026 bis Jänner 2027. 

Die Steiermark dient dabei als lokaler Lernknoten: 8 regionale Kulturinitiativen testen direkt vor Ort – an der Kassa, am Tresen oder im Proberaum – wie aus flüchtigen Gästen Gemeinschaft werden kann.

 

Von Publikumsentwicklung zu Community Building

Das Praxislabor baut auf Erfahrungen aus dem europäischen Projekt FULCRUM auf, in dessen Rahmen die IG Kultur Österreich gemeinsam mit europäischen Partnerorganisationen Ansätze zu Publikumsentwicklung und Community Building entwickelt und praktisch erprobt hat.

Publikumsentwicklung wird dabei nicht auf Marketing oder Reichweite reduziert. Im Zentrum steht vielmehr die Frage, mit wem eine Kulturorganisation in Beziehung steht, wen sie erreicht oder nicht erreicht, wo Barrieren liegen und welche Veränderungen möglicherweise auch innerhalb der Organisation notwendig sind.

Community Building richtet den Blick darüber hinaus stärker auf Zugehörigkeit, Austausch, Beziehungen zwischen Menschen, Mitgestaltung und – je nach Ziel – geteilte Verantwortung. Community lässt sich dabei nicht einfach „herstellen“. Kulturorganisationen können aber Bedingungen schaffen, unter denen Beziehungen entstehen und sich weiterentwickeln können.

Gerade für kleinere Kulturinitiativen sind dabei die vorhandenen Ressourcen entscheidend. Das Praxislabor geht deshalb nicht von idealtypischen Strategien oder aufwendigen Publikumsforschungsprojekten aus, sondern von den tatsächlichen Möglichkeiten freier Kulturarbeit. Es geht darum, mit überschaubarem Aufwand herauszufinden, was sinnvoll sein könnte – und Annahmen gemeinsam mit realen Menschen zu überprüfen.

 

 

RESSOURCEN

Online-Publikation und Toolbox zu Publikumsentwicklung und Community Building in der Kultur: 

MAKE IT HAPPEN Publikation

 

 


Wie funktioniert das Praxislabor?

1. Eigene Anliegen schärfen & im Team verankern

Zum Auftakt werden die konkreten Fragen der beteiligten Kulturinitiativen geklärt: Geht es um Reichweite, neue Zielgruppen, stärkere Bindung oder echte Mitgestaltung? Dabei wird geprüft, zu welchen Fragen es bislang nur ein Bauchgefühl gibt, wo Wissen besteht oder aufgebaut werden kann und was sich möglicherweise in der eigenen Organisation verändern müsste. 

In gesamten Prozess gilt dabei das Tandem-Prinzip („Bring a Colleague“), denn Veränderung gelingt nicht als Einzelkampf. Alle Organisationen nehmen verbindlich zu zweit teil. Zum Beispiel kommt eine Person aus der Organisation oder dem Vorstand gemeinsam mit jemandem aus Kommunikation, Bar, Technik oder Freiwilligenstruktur. Ziel ist das vorhandene Wissen nutzen zu können und das Thema möglichst direkt im Verein zu verankern. 


2. Lernen durch kleine Tests – Prototypen statt großer Pläne

Zwischen den Werkstätten wird in der Praxis weitergearbeitet. Statt großer, unrealistischer Projektpläne geht es um kleine, überschaubare Tests unter realen Bedingungen. Dafür soll eine Minimum Viable Experience entwickelt werden – also die kleinst mögliche Veränderung, die möglichst risikoarm in der Praxis getestet werden kann. Das können kurze Bar-Gespräche, angepasste Begrüßungsrituale, Veränderungen der Veranstaltungszeiten oder einfache Bierdeckel-Befragungen sein.

Entscheidend ist nicht, ob etwas sofort „funktioniert“, sondern was daraus gelernt werden kann: Annahme prüfen – beobachten – zuhören – anpassen – weiterfragen. 

Es gilt das Prinzip der strukturierten Neugier: Nicht möglichst viele Daten sammeln oder fertige Strategien entwickeln, sondern eigene Annahmen überprüfen, Menschen zuhören und daraus konkrete Veränderungen im Kulturalltag ableiten.
 

3. Gemeinsam auswerten & Wissen solidarisch teilen

Zum Abschluss werden die Praxiserfahrungen gemeinsam ausgewertet: Was hat sich bestätigt? Was war überraschend? Was war hilfreich? Was lässt sich weiterführen?

Statt einer glattgebügelten Best-Practice-Präsentation werden abschließend die Lerneffekte ehrlich geteilt – auch was gar nicht geklappt hat. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen als Erweiterung direkt in das bestehende IG-Kultur-Handbuch „MAKE IT HAPPEN“ ein und stehen der gesamten Freien Szene zur Verfügung.
 

 

Eindrücke vom Kick-Off Treffen in Graz, Oktober 2026: 

Community Building in Kulturorganisationen, Treffen GrazCommunity BUilding GrazCommunity Building in Kulturorganisationen, Treffen GrazCommunity Building in Kulturorganisationen, Treffen GrazCommunity Building in Kulturorganisationen, Treffen Graz