1 Jahr Bundesregierung: Kulturelle Vielfalt auf dem Prüfstand

Die Expert:innen der ARGE Kulturelle Vielfalt resümieren nach einem Jahr Bundesregierung zur Lage der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen: Gerade in der Zweiten Republik war der Schutz dieser zentralen europäischen Errungenschaft noch nie so wichtig wie heute. Doch einzelne positive Schritte stehen strukturellen Verschlechterungen gegenüber. Budgetkürzungen gefährden die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen als demokratisches Fundament, und autoritäre Angriffe haben weiter zugelegt.

Waage auf farbigem Untergrund;

 

Die kulturelle Infrastruktur in ihrer ganzen Vielfalt ist das Wesen Österreichs und Europas. Darin ist das Regierungsprogramm klar. Österreich hat sich mit Unterzeichnung der UNESCO-Konvention „Vielfalt kultureller Ausdrucksformen“ international verpflichtet, diese kulturelle Vielfalt zu schützen und zu fördern. Angriffe auf Vielfalt und Freiheit von Kunst und Kultur müssen in einem solidarischen Kraftakt auf allen kulturpolitischen Ebenen abgewehrt werden.  

 

Wo steht Österreich bei der Umsetzung der UNESCO-Konvention für kulturelle Vielfalt?  

Die Regierungsvorhaben verlässliche Rahmenbedingungen und Fair Pay treffen auf budgetäre Realitäten, die 2025 von Kürzungen in allen Fördersparten geprägt waren. Die weiter geplanten Sparpakete erschweren langfristige Planungsperspektiven massiv. Die Streichung des Zuverdienstes zum Arbeitslosengeld seit 1.1.2026 steht dem Regierungsvorhaben, die soziale Absicherung in Kunst und Kultur zu verbessern und dabei die besonderen Erwerbsrealitäten zu berücksichtigen, diametral gegenüber. Umso wichtiger ist, dass die Dialogprozesse der interministeriellen Arbeitsgruppe zu Soziales und Fairness sowie die Strategie für den Musikstandort konkrete Ergebnisse liefern.  

Die Expert:innen erkennen klar die Bemühungen der Bundesregierung, der Medienpolitik neue Priorität einzuräumen und zentrale Fragen wie Qualitätsförderung, Vielfaltssicherung und Transparenz anzugehen. Entscheidend ist nun, dass diesen Ankündigungen konkrete, wirksame Maßnahmen folgen.  

Die Umsetzung der Investment Obligation für Streaming Dienste ist ein wesentliches Vorhaben, um Österreich als Film- und Musikstandort zu stärken. Das ist umso drängender nach dem Wegfall der Standortförderung ÖFI+ im Zuge von Budgetkürzungen der Bundesregierung, die gerade die Filmbranche überproportional stark getroffen haben. Aber damit ist es nicht getan: Urheber*innen brauchen Rechtssicherheit und Vergütung für ihr geistiges Eigentum. Vorschläge zum Schutz der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz liegen auf dem Tisch.  

 

Zivilgesellschaft beobachtet kritisch und appelliert an Politik  

Am 2. und 3. März 2026 tagen die Expert:innen der ARGE Kulturelle Vielfalt in Feldkirch, Vorarlberg zur Umsetzung der UNESCO-Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen. Sie rufen die österreichische Politik auf, ihrer internationalen Verpflichtung nachzukommen und eine Kulturpolitik der Vielfalt entschlossen umzusetzen.

 


Die Unterzeichner*innen:

Anke Schad-Spindler, Vorsitzende des Fachbeirats “Kulturelle Vielfalt” 
Andrea Glauser, mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Anja Malich, Forum Literaturübersetzen Österreich 
Daniela Koweindl, IG Bildende Kunst 
Franz Otto Hofecker, Institut für Kulturmanagement und Gender Studies, mdw 
Gerhard Ruiss, IG Autorinnen Autoren
Helga Schwarzwald, Verband Freier Rundfunk Österreich  
Kulturrat Österreic
Max Beckham-Ortner, IMZ Internationales Musik + Medienzentrum
Ulrike Kuner, IG Freie Theaterarbeit 
Yvonne Gimpel, IG Kultur Österreich 
Zahra Mani, Austrian Composers Association 
Zora Bachmann, Dachverband der österreichischen Filmschaffenden 
 
 

ARGE Kulturelle Vielfalt
Die Arbeitsgemeinschaft Kulturelle Vielfalt (ARGE) ist die zentrale Dialogplattform der Österreichischen UNESCO-Kommission zur aktiven Beteiligung der Zivilgesellschaft am Prozess der Umsetzung der „UNESCO-Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen“ in und durch Österreich. 

Den aktuellen Vorsitz in der ARGE Kulturelle Vielfalt hat Yvonne Gimpel (IG Kultur Österreich) inne. 

 


 

Ähnliche Artikel

Wie steht es um die Budgets der kommenden Jahre, was bedeutet die fehlende Valorisierung für die freie Szene und wie können Fair Pay, kulturelle Teilhabe und bessere soziale Rahmenbedingungen gesichert werden? Ein spontanes Sommertreffen im Theater Kosmos in Bregenz mit Vizekanzler Andreas Babler und der freien Kunst- und Kulturszene generierte mehr als 30 dringende Fragen an den Kulturminister. Hier der Rückblick eines Gesprächs über kulturpolitische Ansprüche, konkrete Vorhaben und jene Fragen, auf die es noch Antworten braucht.
Es hat sich ein internationalisierter Kulturkampf gebildet, der klar gegen progressive Kunst und erkämpfte demokratische Rechte auftritt. Wir werden als Kunst- und Kulturszene nicht darum herumkommen, Allianzen mit allen konstruktiven und demokratiefreundlichen Parteien zu suchen. Ein Kommentar.
Rockhouse Salzburg, Diskussion zum Kulturbudget und Kulturkürzungen mit Rudolf Scholten, Sonderberater von Kulturminister Andreas Babler, Foto: Rockhouse Salzburg © Eweht / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, bearbeitet (Ausschnitt, Farbgebung angepasst, Schrift ergänzt) Das Doppel-Kulturbudget 2027/28 des Bundes sorgt derzeit für intensive Debatten, es wird um 3,3 % gekürzt. Besonders freie Kulturarbeit steht unter Druck. Wie können unter diesen Rahmenbedingungen regionale und zeitgenössische Kulturarbeit, unabhängige Kulturinitiativen und autonome kulturelle Räume langfristig abgesichert werden? Einladung zur Diskussion am 24. September mit Rudolf Scholten, Yvonne Gimpel und Alf Altendorf im Rockhouse Salzburg.