VorRisse

Unser Staatssekretär hat uns alle durch sein vorbildliches Beispiel dazu angehalten, mit Kunst gegen Gewalt anzutreten. Diesem letzten großen Aufruf des obersten Kunstpolitikers der schwarzblauen Periode haben wir uns nun angeschlossen. Bei uns heißt das Thema allerdings etwas indifferent "Kunst und Gewalt", und das hat wohl mit den Bedingungen und Wechselwirkungen von Kunst und Gewalt zu tun, die sich uns offenbar weniger eindeutig erschließen als dem Staatssekretär.

Unser Staatssekretär hat uns alle durch sein vorbildliches Beispiel dazu angehalten, mit Kunst gegen Gewalt anzutreten. Diesem letzten großen Aufruf des obersten Kunstpolitikers der schwarzblauen Periode haben wir uns nun angeschlossen. Bei uns heißt das Thema allerdings etwas indifferent "Kunst und Gewalt", und das hat wohl mit den Bedingungen und Wechselwirkungen von Kunst und Gewalt zu tun, die sich uns offenbar weniger eindeutig erschließen als dem Staatssekretär. Nachzulesen in den differenzierten Betrachtungen von Patricia Köstring, Dario Azzellini und Oliver Ressler, der autonomen a.f.r.i.k.a. gruppe sowie in einem Interview mit den Kriegsgewinnlern Deutschbauer und Spring, die in der zu Ende gehenden Legislaturperiode viele gute Jobs bekamen, weil kaum jemand Franz Morak eröffnen lassen wollte, und die sich deswegen auch dankbar mit einem Plakat zur von Morak metakuratierten Reihe "Kunst gegen Gewalt" von ihm verabschiedeten.

Was in den Texten des Schwerpunkts schon mehr als einmal anklingt, bricht dann in einer geballten Ladung des Ressorts Kulturpolitiken durch: Hurra, es gibt Neuwahlen, und es ist Wahlkampf. In einer eleganten Überleitung spannt FOKUS den Bogen vom Gewaltdiskurs zur Kulturpolitik (S.12), oder wie es bei FOKUS derzeit auch heißt: Kulturpolitik im Zeitalter ihres Verschwindens (s. Atome, S.24). Natürlich ist Kulturpolitik in den letzten Jahren weniger verschwunden, als dass sie unbewusst bis verdeckt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, und hier vor allem der betroffenen Öffentlichkeit, betrieben wird. Martin Wassermair nennt das die Berlusconisierung der Kulturpolitik (S.15), die neben der Strategie des Ausschlusses auch neue Formen der Hofberichterstattung hervorgebracht hat: Hans Haider etwa kriecht in der Presse so tief und so ungeniert in Franz Moraks Arsch, wie es in den josephinistischen Zeiten der SP-Kulturpolitik kein Journalist der SP-eigenen Kärntner Tageszeitung vermocht hätte.

Derweil erweist sich Morak als gelehriger Schüler seines Chefs und Fachmann für Wenden. Hatte er sich als VP-Kultursprecher noch offen von der FP distanziert, während der ersten Zeit als Staatssekretär noch offen für die FP geniert, tritt er jetzt offen für eine Fortsetzung von Schwarzblau auf. Da wissen die Kulturschaffenden wenigstens, woran sie sind. Woran sie sich zu halten hätten, sollte es eine Prolongation der FPÖVP-Regierung geben, dafür gibt’s Hinweise auf Seite 18, wo die Kärntner Verhältnisse ein weiteres Mal als Beweis herhalten müssen, dass reaktionäre Kulturpolitik möglich ist.

An die andere Seite, also an wahlwerbende Parteien, "die sich emanzipatorisch geben", gerichtet sind die auf S.22f. publizierten Forderungen der Wahlpartie, die "den Ausweichmanövern der sich um eine imaginäre Mitte windenden Parteien einige Blockaden in den Weg legen" möchte. Höchste Zeit zur Übernahme, Erweiterung und Verbreitung dieser Forderungen, auf dass sich emanzipatorische Politik ereigne.

Ähnliche Artikel

Die kärntner-slowenische Kulturmanagerin und -arbeiterin Alina Zeichen wurde heuer der Maria-Tusch-Frauenpreis verliehen. Mit dem nach einer der wichtigsten Vertreter:innen der Kärntner Arbeiter:innenbewegung benannte Preis würdigt die Stadt Klagenfurt/Celovec Menschen, die sich besonders für Mädchen, Frauen und Geschlechtergerechtigkeit einsetzen. Zeichen, welche den ersten zweisprachigen, queerfeministischen Kulturverein in Kärnten gründete und Co-Präsidentin des UNIKUMs sowie im Vorstand der IG KiKK ist, engagiert sich seit Jahrzehnten für die Gleichberechtigung von FLINTA*s und Minderheiten. MIT NACHLESE auch in LEICHTER SPRACHE
Eine vom Kulturministerium beauftragte Studie hat die kulturelle Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund untersucht. Die Erkenntnis: Menschen mit Migrationsgeschichte beteiligen sich in Österreich in selben Ausmaß am kulturellen Leben wie die Gesamtbevölkerung – wobei ausschließlich die passive Teilnahme untersucht wurde. Entscheidende Faktoren sind und bleiben, unabhängig von der geographischen Herkunft die Leistbarkeit und Zugänglichkeit kultureller Angebote bzw. Einkommen und Bildung.
Wie steht es um die Budgets der kommenden Jahre, was bedeutet die fehlende Valorisierung für die freie Szene und wie können Fair Pay, kulturelle Teilhabe und bessere soziale Rahmenbedingungen gesichert werden? Ein spontanes Sommertreffen im Theater Kosmos in Bregenz mit Vizekanzler Andreas Babler und der freien Kunst- und Kulturszene generierte mehr als 30 dringende Fragen an den Kulturminister. Hier der Rückblick eines Gesprächs über kulturpolitische Ansprüche, konkrete Vorhaben und jene Fragen, auf die es noch Antworten braucht.