kulturrisse 03/06

Kolonialdisney und die Profis der Differenz. Zum neuen Museum kulturalistischer Stereotypen in Paris

Kein Wort von den 70 Millionen von den christlichen Humanisten abgeschlachteten Indigenas. Ungebrochen europäische Blickregimes, Wahrheitsproduktionen, Darstellungsformen, die unterwerfen, was ihnen an Buntem unters Glas kommt.

god save king kong. zum hype der creative industries

vor dem hintergrund der fortschreitenden ökonomisierung des kulturbereichs und der wachsenden bedeutung des kreativitäts-imperativs in post-fordistischen produktionszusammenhängen, haben sich „creative industries“-diskurs und -policies zu einem hype entwickelt. so haben etwa die letzten drei eu-präsidentschaften – großbritannien, österreich und jetzt finnland – dem thema einen prominenten platz in ihrer kulturpolitischen agenda eingeräumt.

Krieg und Sprache. Zur Ökonomie der Begrifflichkeiten in einer Welt globaler Auseinandersetzungen

In medialen Desinformationsgesellschaften ist die Artikulation einer öffentlichen Meinung weitgehend verschwunden. Sie wird durch Öffentlichkeitsarbeit von jenen ersetzt, die dafür bezahlen. Öffentlichkeit ist zur Ware weltweit operierender Medienunternehmen, Nachrichtendienste und staatlicher Agenturen geworden.

Die Kartografierung des Sozialen als atmosphärisches Spektakel. Zur Installation „Küba“ von Kutlug Ataman

Ataman entscheidet sich, die von ihren Gefühlen überwältigten Individuen ungeschützt den Augen der BetrachterInnen preiszugeben. In diesen Passagen drohen Teile der Installation auf das Niveau von Talkshows abzustürzen, die auf quotengeilen Privatfernsehsendern dem Sozialvouyeurismus frönen.

Hurra, ein pinkes Pinkelbecken! Zum Denkmal für lesbischwule und transgender Opfer des Nationalsozialismus in Wien

Der Rosa Platz ist laut der Webseite von Kunst im öffentlichen Raum Wien eine „seichte (sic!), 400 m2 große Wasserfläche. Das Wasser ist rosa eingefärbt. Der Schriftzug ,QUE(E)R‘ zieht sich als Relief durch das Becken. Über die Buchstaben ist ein Queren des Beckens möglich.

Verwaltungsreform Now!

Wie schon Wittgenstein festgestellt hat, braucht jede Regel eine unendliche Anzahl weiterer Regeln, um ihre Verwendung festzulegen. Im politischen Alltag bedeut das, dass es bei jeder politischen Regel einen Ermessensspielraum bei der Umsetzung gibt, sodass Verwaltung notwendigerweise auch Politik ist. Das lässt sich nun zwar grundsätzlich nicht verändern, kann aber trotzdem verbessert werden.

It's not a feature, it's a bug. Netzförderung Marke „Eigenbau“

Die Funktionsweise von Netzkultur entzieht sich der klassischen Vorstellung von Kultur. Räume, Projekte, Rezeption und Präsentation werden neu definiert und hybridisiert. Die Netzkultur in bestehende Förderschemata zu pressen konnte daher immer nur als Zwischenlösung gesehen werden. Es ist höchste Zeit, über neue Fördermodelle nachzudenken.

Das wirst du nie verstehen. Auf der Suche nach Filmpolitik

Der Begriff Filmpolitik subsumiert die Interessen von Politik am Film. Diese Begehren werden fast ausschließlich materiell, also durch Subventions- und Förderpolitik ausgedrückt und wahrgenommen. Die Frage nach Höhe und Vergabe der staatlichen Fördermittel ist genauso eine filmpolitische, wie die Genehmigung eines Multiplex-Kinos durch die Gemeinde.

Die Wiedergeburt des Parteimediums im Creative Industries-Outfit. Kritische Öffentlichkeit, Medienkrise und Subventionspolitik

Heute geht Kulturpolitik anders vor. Statt Forderungen der Bevölkerung zu bedienen wird sie selber aktiv und stellt ein klares Anforderungsprofil an Förderobjekte: Geld kriegt nur, wer einen Repräsentationsnutzen für die Stadt abwirft, sich ins Image eingliedern lässt, das die Stadt von sich entwirft.

Eins, zwei, drei. Lasst die Leute frei! Polizeiprobleme und Medienspektakel

Der Erstkontakt vieler politischer AktivistInnen mit VertreterInnen des staatlichen Gewaltmonopols in Aktion geschieht in Österreich üblicherweise im Zuge einer Demonstration oder Kundgebung, in deren Verlauf geprügelt oder perlustriert wird oder in relativ seltenen Fällen Verhaftungen passieren.