kulturrisse 01/07

Universen des Widerstandes. Bücher über den Strand unterm Pflaster

Zuerst dachte ich, interessant: zwei Bücher zum fast gleichen Thema, zur fast gleichen Zeit, genährt von Kontexten, die mir entweder nahe stehen oder denen ich gerne nahe stünde. Fantasieorte eben, des immer wieder geprobten und erträumten Widerstandspotentials. Zwei Bücher, das eine eher philosophisch, das andere mehr Methodiken der Performance theoretisch wie praktisch zugetan, beide wildernd in den jeweilig anderen Gebieten. Wunderbar, dachte ich und dann ist

Von Schmelztiegelängsten und Supermachtträumen. Das kulturpolitische Programm der deutschen EU-Ratspräsidentschaft

Zum einen will die EU den neuen Status ihrer Kreativindustrien als „Wachstumsmotor“ und „Jobmaschine“ weiter untermauern. Ferner soll die 20 Jahre alte europäische Richtlinie „Fernsehen ohne Grenzen“ von Grund auf überholt und auf alle audiovisuellen Medien erweitert werden.

Nachtisch statt Hauptspeise. Gedanken über Interkulturalität angesichts des geplanten EU-Jahres 2008

Multikulturalität hat weder als Begriff oder Konzept noch als politisches Selbstverständnis, in Österreich je die Chance bekommen, eine Gegenwart zu haben.

Das Unbehagen in der Kultur. Beobachtungen aus dem Kulturfeld in Zeiten des französischen Präsidentschaftswahlkampfs

Wenige Wochen vor den beiden Wahlgängen zur Präsidentschaftswahl am 22. April und am 6. Mai kommt das Thema Kultur in der politischen Debatte kaum vor. In allen Parteiprogrammen finden sich zwar wohlklingende Leitsätze zur Kulturpolitik, im Wahlkampf spielen sie so gut wie keine Rolle. Dieses Fehlen ist umso erstaunlicher in einem Land, welches sich über seine kulturellen Traditionen definiert.

Das revolutionäre Glück des Harry Spiegel. Zum Film „Aufzeichnungen zum Widerstand“

Martin Krenn und Nina Maron hatten im Jahr 1999 ihr Vorhaben begonnen, einen Film über Harry Spiegel zu drehen: Waschmaschinenverkäufer, Möbeltandler, Erfinder der Tischtennistherapie, Gründer der Psychopannenhilfe und langjähriges Vorstandsmitglied im Wiener WUK, um nur ein paar von Harrys Tätigkeiten in den letzten 55 Jahren seines Lebens zu nennen.

Leben auf der falschen Spur. Zur Ausstellung „Leben auf der Flucht“

Ich weiß nicht, an welchem Punkt sich die Ablehnung in meinem ganzen Körper breit machte. War es bereits beim Beginn der Ausstellung, als wir durch den Vorhang in die andere Welt, die Welt des Flüchtlingslagers traten? Oder als ich die ersten Kinder laut lachend beim probieren tansanischer Stoffe sah. Spätestens beim Betrachten der Puppen, die als Modelle für unterernährte Kinder in der Abwiegestation hingen, überkam es mich.

Ein Plädoyer für die Politik! Zwischen NGOs, Selbstorganisationen der MigrantInnen und frei flottierenden Kunst- und KulturproduzentInnen

Ziel dieses Textes ist die Objektivierung bestimmter Verläufe in diesem Bereich. Alle Aussagen sind dabei dem Wunsch entsprungen, eine Klärung, eine Analyse der Normalitäten zu liefern. Um sie zu verändern und nicht um sie festzustellen.

After remapping Mozart. Was bleibt von einem ambitionierten Projekt?

Soeben erschien die DVD-ROM zum Projekt „remapping Mozart. Verborgene Geschichte/n“, das 4 Ausstellungen, Konfigurationen genannt, mit begleitenden Veranstaltungen, Interventionen und Diskussionen umfasste und im Rahmen des Wiener Mozartjahres 2006 realisiert wurde.

Die Wüste lebt – wieder

Kulturpolitik ist langweilig. Immer gibt es die gleichen Probleme, immer fühlen sich alle ungerecht behandelt, nie ist klar, worum es eigentlich geht. Kein Wunder, dass auch PolitikerInnen sich zunehmend weniger für dieses öde Feld interessieren.

Der Tunnelblick. Ein Kommentar

Das stereoskopische Sehen zählt für den Menschen zu den Glücksfällen der Evolution. Die damit verbundene Fähigkeit zur Tiefenwahrnehmung ermöglicht vor allem die Orientierung im Raum. Der einzige Haken dabei: Das Gesichtsfeld ist dennoch eingeschränkt, im schlimmsten Fall sogar zu einem Tunnelblick verengt, was gar nicht selten dazu führt, dass Vorkommnisse und Bewegungen, die nicht im Fokus liegen, eben auch nicht zu erkennen sind.