Was macht die Kultur bei Friday for Future?

Heldenplatz, bemalte Schilder, junge Stimmen – „Schluss mit fossilen Förderungen“. Und mittendrin die Frage, warum ausgerechnet die Klimabewegung der Kultur eine Bühne bieten muss – und nicht umgekehrt. Was bewegt die jungen Aktivistinnen und Aktivisten? Wie sind sie zum Klimaschutz gekommen? Und warum reichen sie Kultur die Hand?

Podcast Was mit Kultur Friday for Future

Was macht die Kultur bei Friday for Future?

Fridays for Future ist zurück – sichtbar und mit der gewohnt positiven Energie. Nach den pandemiebedingten Jahren, in denen Mobilisierung und große Versammlungen schwieriger waren, zeigt sich die Bewegung wieder auf den Straßen. Diesmal bewusst nicht allein: Die Fridays kritisieren die Kürzungen im Kunst und Kulturbereich, stellen ihre Bühne bereit für Menschen aus dem Sektor. Eine ausgestreckte Hand. Dabei haben sich Kunst und Kultur in den letzten Jahren nicht viel um den Klimaschutz bemüht. Wie den auch, kämpft der Sektor nach Pandemie und historisch großen Kürzungen ums Überleben. Auch die Klimabewegung ist mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Und ohne Zusammenhalt wird es wohl für beide schwierig. 
 

Die Menschen hinter Fridays for Future arbeiten fast ausschließlich ehrenamtlich. Viele studieren oder arbeiten nebenbei – so auch Mira, die Politikwissenschaft und Geschichte studiert und zusätzlich ein Ehrenamt bei der Caritas ausübt. Engagement entsteht hier nicht aus Pflicht, sondern aus Überzeugung. Der Einstieg in den Aktivismus beginnt oft unspektakulär. Bei Mira, die mich aus dem Orga-Team für eine Rede bei der Demo kontaktiert hat, war es eine Mischung aus früher Prägung und einem erneuten persönlichen Wendepunkt: „Ich glaube, die Überforderung mit allem, was passiert, war irgendwann so groß, dass ich gemerkt habe: Ich muss wieder aktiv etwas machen, um Hoffnung zu schaffen.“ Was als Schulstreik begann, wird so für viele zu einem dauerhaften politischen Bewusstsein.


Ein zentraler Anlass für die aktuelle Kampagne ist die politische Budgetlage: Während Milliarden weiterhin in fossile Energien fließen, wird in anderen Bereichen gespart – auch in Kultur und Soziales. Für Fridays for Future ist deshalb klar: Klimaschutz ist kein isoliertes Thema, sondern betrifft alle gesellschaftlichen Bereiche. Miriam bringt es im Gespräch auf den Punkt: Es geht darum, Bündnisse zu schaffen – auch mit der Kultur. Die Einladung an den Kulturbereich ist somit mehr als symbolisch. Sie ist ein strategischer Schulterschluss.


Wenn ich nicht tanzen kann, ist es nicht meine Revolution!

Wer bei einer aktuellen Demo dabei ist, merkt schnell: Fridays for Future hat sich weiterentwickelt. Klassische Demonstrationsformen werden bewusst erweitert. Anstelle eines reinen Demozugs setzte die letzte Aktion auf ein kollektives Bild: 570 Meter Absperrband – jeder Dezimeter stand für eine Million Euro an fossilen Förderungen. Die Teilnehmenden hielten das Band gemeinsam.
Die Idee dahinter: abstrakte Zahlen greifbar zu machen und gleichzeitig Beteiligung zu schaffen: „Wenn Menschen am Ende vor allem dieses Gemeinschaftsgefühl mitnehmen – das Gefühl, gemeinsam etwas zu tun –, dann reicht uns das schon komplett.“ Neben solchen Aktionen spielen auch Musik, kurze Redebeiträge und interaktive Elemente eine Rolle. Teilweise fühlt es sich mehr an, wie Party als Demo. Ein gemeinsames Erlebnis, das nicht ermüdet, sondern aktiviert. 
Zugleich sind die Zeiten andere geworden. Die großen Mobilisierungswellen vor der Pandemie lassen sich nicht einfach reproduzieren. Miriam beschreibt es nüchtern: Was früher fast von selbst lief, braucht heute deutlich mehr Aufwand. Die Vielzahl an Krisen, Nachrichtenlagen und gesellschaftlichen Belastungen macht es schwieriger, Menschen zu erreichen. Trotzdem bleibt der Anspruch bestehen: so viele Menschen wie möglich zu mobilisieren – auch wenn die Wege dorthin komplexer geworden sind.


Was bei der aktuellen Bewegung besonders auffällt, ist die Energie der jungen Menschen, aus der Schule, Studierende, junge Erwachsene – sie prägen das Bild der Demonstrationen. Diese Energie wirkt ansteckend. Sie steht für etwas, das im öffentlichen Diskurs oft verloren geht: Hoffnung, Mut und die Bereitschaft, sich einzumischen. Gleichzeitig wirft das eine unangenehme Frage auf:
Warum kommt der Impuls, nun auch der Bezug zu Kunst und Kultur, von der Jugend – und etwa nicht umgekehrt aus der Kultur? 


Eine Frage der Kultur


Die Gespräche machen deutlich: Klimaschutz ist nicht nur eine technische oder politische Herausforderung. Es geht auch um Haltungen, Narrative und gesellschaftliche Vorstellungen – also um Kultur im weitesten Sinne. Vielleicht liegt genau hier eine Aufgabe für den Kulturbereich: nicht nur zu reagieren oder sich auf Förderfragen zu konzentrieren, so existenziell sie sein mögen, sondern selbst wieder stärker Impulse zu setzen.
Denn wenn eines an diesem Tag am Heldenplatz spürbar war, dann dies:
Veränderung beginnt dort, wo Menschen gemeinsam handeln – und trotz aller Widrigkeiten daran glauben, dass es möglich ist.

 

Nächste Aktion: 


22. Mai, 15:30 Uhr
Start: Schwarzenbergplatz
Ende: Ballhausplatz
Die Einladung steht – an alle, die nicht nur zuschauen wollen.

 

 

 

Podcast: Demoreportage „Kulturwandel statt Klimawandel!“

In der begleitenden Audio-Reportage lernen sie Aktivistinnen von Friday for Future kennen: Was bewegt sie? Wie haben sie begonnen, sich zu engagieren? Und warum haben sie Kultur eine Bühne geboten? Und Patrick Kwasi überwindet sich doch noch zu einer Rede. Mit einem Plädoyer für einen Kulturwandel – im doppelten Sinne.  

Podcast auf Spotify anhören!     


Aber echt. Machst du auch „was mit Kultur“? Der Podcast der IG Kultur mit Patrick Kwasi. 
Kultur macht Gesellschaft? Aber wer macht eigentlich Kultur? Was will ich hier eigentlich und was hat das Ganze mit mir zu tun? Patrick Kwasi von der IG Kultur zu Hoch-, Sub- oder auch mal Unkultur - aber jedenfalls immer persönlich mit den Leuten, die da auch drinstecken. Machst du eigentlich auch „was mit Kultur“?

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Patrick Kwasi macht „was mit Kultur“, sonst macht er auch was mit Medien. Er hat Medienkommunikation studiert und macht die Medienarbeit der IG Kultur. Meistens versucht er Dinge zu verknüpfen und hat am Ende mehr Fragen als Antworten.

Sag ihm, was du von dem Beitrag hältst! 

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