Schatz im Wörthersee

Ende August 2015 war der Klagenfurter Lendhafen Schauplatz einer Kunstaktion des deutschen Kunstkollektivs Department für öffentliche Erscheinungen (Peter Boerboom, Gabriele Obermaier, Carola Vogt, Silke Witzsch). Veranstalter: Die Lend|hauer.
Zwei Tage lagen mehrere transparente »Schatzboote« nach dem Vorbild gefalteter Papierschiffchen vor Anker, die vom Publikum nach und nach mit Münzen gefüllt wurden, bis sie schließlich untergingen. Die Aktion verstand sich als Kommentar zu den Kürzungen des Kärntner Kulturbudgets.

»Gemeinhin«, so die KünstlerInnen, »wird das Sinken eines Schiffes als etwa Negatives wahrgenommen. Mit DER SCHATZ IM WÖRTHERSEE dagegen wird das Sinken des Schiffes zum Zeitpunkt, an dem durch die Beteiligung der Bevölkerung etwas Gutes getan wird. Das Kunstwerk ist identitätsstiftend und wird durch die Partizipation auf unterschiedlichen Ebenen zum sichtbaren Mittelpunkt sozialen Engagements.«

Nach seiner Bergung wurde der »Schatz« – insgesamt 254,40 Euro – feierlich der IG KiKK, vertreten durch Obfraustellvertreter Gerhard Pilgram, übergeben.

Pilgram: »Danke für die großzügige Zuwendung, wir werden sie einer notleidenden Kulturinitiative zukommen lassen. Und: Gratulation zu dieser Aktion!
Im allgemeinen stehe ich ja der Konzeptkunst ziemlich skeptisch gegenüber, weil man manchmal den Eindruck gewinnt, dass sich die KünstlerInnen und Künstler mittlerweile für alle Probleme dieser Welt zuständig fühlen, und das je nach aktuellem Trend. Früher waren es etwa die Themen Abrüstung, soziale Randgruppen, Umweltschutz usw., eine Zeitlang war der Antifaschismus in Mode, und heute ist es vor allem das Flüchtlingsthema, an den sich die Kunstschaffenden abarbeiten. Man erkennt die gute Absicht, vermisst aber oft die ästhetische Qualität. Auch hapert es bisweilen an politischer Reflexion. Oder einfach am nötigen Wissen. Und so wünscht man sich manchmal in eine Zeit zurück, in der KünstlerInnen nach dem Schönen und Erbaulichen gestrebt haben, und nicht nach der Verbesserung der Welt. Andersrum: die Politik kann man den PolitikerInnn nicht abnehmen, und den Widerstand nicht den BürgerInnen.
In diesem konkreten Fall ist es natürlich ganz anders: Denn dieses Projekt bezieht sich auf eine überschaubare Sache, die Kürzungen im Kulturbudget, und stellt ein Problem nicht nur dar, es beschränkt sich nicht auf einen symbolischen Akt, sondern hat einen konkreten Nutzen. Nämlich dieses Geld, – das hat mich letztlich überzeugt.
Womit einmal mehr bewiesen ist, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt, und dass sich Überzeugungen sich ziemlich leicht kaufen lassen….«

Nachtrag:

Der geborgene „Schatz“ wurde am 14. 9. 2015 auf Beschluss des IG-KiKK-Vorstandes unter den zehn ersten Kulturinitiativen verlost, die an der Basisdatenerhebung der IG Kultur teilgenommen hatten.

Gewinner der Ziehung (ausgerechnet!): der Verein Lend|hauer…

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