Kultur von allen, für alle | Kultura vseh, za vse

Offenheit, Teilhabe und Gleichberechtigung im Kunst- und Kulturbereich müssen immer wieder neu verhandelt, verteidigt und aktiv gestaltet werden. Es braucht strukturelle Veränderungen, um mehr kulturelle Teilhabe zu ermöglichen, langfristige diskriminierungskritische Kulturarbeit abzusichern und diverse Perspektiven auf allen Ebenen des Kunst- und Kulturbereichs zu verankern. Wie ein solcher Veränderungsprozess angestoßen werden kann, erörtern Zhameli Khairli (D-Arts) und Bettina Mair (IG Kultur Steiermark) in der aktuellen Folge von KiKK off - za kulturo.

Kultur von allen, für alle 

Offenheit, Teilhabe und Gleichberechtigung im Kunst- und Kulturbereich müssen immer wieder neu verhandelt, verteidigt und aktiv gestaltet werden. Es braucht strukturelle Veränderungen, um mehr kulturelle Teilhabe zu ermöglichen, langfristige diskriminierungskritische Kulturarbeit abzusichern und diverse Perspektiven auf allen Ebenen des Kunst- und Kulturbereichs zu verankern. Wie ein solcher Veränderungsprozess angestoßen werden kann, erörtern Zhameli Khairli (D-Arts) und Bettina Mair (IG Kultur Steiermark) in der aktuellen Folge von KiKK off - za kulturo. 

Episode 52: 
1.9.2026

KIKK OFF za kulturo
Die kulturpolitische Radiosendung der IG KiKK
Jeden ersten Sonntag im Monat um 19:30 Uhr auf Radio Agora 105|5

Kultura vseh, za vse

Odprtost, sodelovanje in enakopravnost na področju umetnosti in kulture je treba vedno znova pogajati, braniti in aktivno oblikovati. Potrebne so strukturne spremembe, da se omogoči večje kulturno sodelovanje, zagotovi dolgoročno kulturno delo, usmerjeno proti diskriminaciji, ter utrdi raznolike perspektive na vseh ravneh umetnosti in kulture. Kako je mogoče sprožiti takšen proces sprememb, razpravljata Zhameli Khairli (D-Arts) in Bettina Mair (IG Kultur Steiermark) v najnovejši epizodi oddaje KiKK off – za kulturo.

 

Epizoda 52: 
1.9.2026

KIKK OFF za kulturo
Kulturno-politična radijska oddaja IG KiKK
Vsako prvo nedeljo v mesecu, ob 19:30 uri na Radiu Agora 105|5

Nachlese zur Lunch Lecture der IG KiKK

Wie kann der Kunst- und Kulturbereich vielfältiger, gerechter und zugänglicher werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Lunch Lecture „Kultur für alle? Wirklich? – Diversität in der Kulturarbeit als kritische, dialogische und dezentrale Praxis“ der IG KiKK.

Im Mittelpunkt standen die Beiträge von Zhameli Khairli, Geschäftsführerin von D—Arts, und Bettina Mair, Soziologin und Kulturarbeiterin bei der IG Kultur Steiermark sowie Mitbegründerin von awaGraz. Gemeinsam sprachen sie über Diversität, Gleichstellung, kulturelle Teilhabe, Awareness-Arbeit und diskriminierungskritische Kulturarbeit.

Diversität braucht strukturelle Veränderungen

Im Kunst- und Kulturbereich wird viel über Diversität gesprochen. Gleichzeitig sind marginalisierte Gruppen in Führungspositionen, Teams und im Publikum häufig noch immer unterrepräsentiert.

Deshalb reicht es nicht aus, einzelne Personen sichtbar zu machen oder sie in bestehende Strukturen einzubeziehen. Zhameli Khairli betonte, dass es darum geht, ungleiche Ausgangsbedingungen anzuerkennen und jene Strukturen zu verändern, die Ungleichheit und Diskriminierung immer wieder hervorbringen.

Institutionen sind nicht neutral. Sie sind geprägt von Geschichte, Machtverhältnissen und unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten. Ausschlüsse beginnen oft schon früh – etwa im Bildungssystem, durch unbezahlte Praktika, prekäre Arbeitsbedingungen oder fehlende Kontakte und Netzwerke.

Auch Faktoren wie Migrationsgeschichte, Rassifizierung, soziale Herkunft, Geschlecht oder Behinderung beeinflussen, wer Zugang zu Kunst und Kultur erhält, wer sichtbar wird und wer Entscheidungen mitgestalten kann.

Kultur und Teilhabe neu denken

Eine wichtige Frage lautet: Wer entscheidet eigentlich, was als österreichische Kultur gilt?

Oft wird Kultur noch immer vor allem mit Hochkultur verbunden. Viele Menschen finden sich in diesem Bild nicht wieder. Deshalb muss Kulturarbeit unterschiedliche Lebensrealitäten, Erfahrungen und Perspektiven berücksichtigen.

D—Arts setzt sich für eine Veränderung des Kulturbetriebs ein. Dabei stehen mehrere Aspekte im Mittelpunkt:

  • ein kritischer Blick auf Diversität,
  • die Auseinandersetzung mit Diskriminierung,
  • dezentrale Strategien,
  • die Anerkennung von Wissen und Erfahrungen marginalisierter Personen,
  • dialogische Konzepte und Zusammenarbeit.

Zhameli Khairli machte deutlich: Die Arbeit von D—Arts ist keine Integrationsarbeit. Im Mittelpunkt steht eine strukturelle, diskriminierungskritische Kulturarbeit. Programme, Personalstrukturen und die Ansprache des Publikums sollen an die gesellschaftliche Realität angepasst werden – und nicht umgekehrt.

Expertise sichtbar machen und Verantwortung übernehmen

D—Arts arbeitet österreichweit mit Künstlerinnen, Kuratorinnen, Facilitatorinnen und Beraterinnen zusammen. Dabei geht es auch um die Frage, wer als Expert*in anerkannt wird und wessen Wissen gehört und bezahlt wird.

Gemeinsam mit Mitgliedsinstitutionen arbeitet D—Arts außerdem an einem Code of Conduct. Dieser soll gemeinsame Werte in konkrete Verantwortung für Institutionen übersetzen.

Im Mittelpunkt stehen:

  • die Anerkennung marginalisierten Wissens,
  • der Abbau institutioneller Ungleichheiten,
  • ein besserer Zugang zu Wissen,
  • eine gerechtere Verteilung von Ressourcen.

Diskriminierung, Machtmissbrauch und die Instrumentalisierung marginalisierter Perspektiven sollen klar benannt und nicht toleriert werden. Der Code of Conduct wird dabei nicht als fertige Lösung verstanden, sondern als gemeinsamer Lernprozess.

Kleine Schritte können viel verändern

Diskriminierungskritische Kulturarbeit zeigt sich nicht nur in großen Konzepten. Auch kleine Veränderungen können den Zugang zu Kunst und Kultur erleichtern.

Wichtige Fragen sind zum Beispiel:

  • Wie sind Ausschreibungen formuliert?
  • Wird verständliche oder Leichte Sprache verwendet?
  • Gibt es Informationen in mehreren Sprachen?
  • Über welche Kanäle werden Angebote verbreitet?
  • Wer sitzt in Jurys und Entscheidungsgremien?
  • Wer fühlt sich von einer Institution angesprochen – und wer nicht?

Niederschwellige Sprache, Mehrsprachigkeit, soziale Medien und persönliche Netzwerke können dazu beitragen, mehr Menschen zu erreichen.

Diversität beginnt im eigenen Verein

Auch kleinere Kulturinitiativen und Vereine können aktiv an mehr Diversität arbeiten. Bettina Mair betonte, dass der erste Schritt oft darin besteht, die eigenen Strukturen zu hinterfragen.

Wer arbeitet im Verein? Wer trifft Entscheidungen? Welche Perspektiven sind vertreten? Kommen die Beteiligten aus ähnlichen sozialen und kulturellen Zusammenhängen?

Diversität bedeutet dabei mehr als eine unterschiedliche Zusammensetzung von Personen. Unterschiedliche Erfahrungen, Biografien und Lebensrealitäten können den Horizont erweitern, Programme verändern und neue Menschen ansprechen.

Wenn sich Teams und Mitgliederstrukturen verändern, verändert sich oft auch die Frage, welche Geschichten erzählt werden und wer sich in Kunst und Kultur wiederfindet.

Awareness und ein gutes Miteinander

Mit einer vielfältigeren Organisation wachsen auch unterschiedliche Bedürfnisse. Deshalb werden Awareness-Arbeit und klare Strategien für den Umgang mit Grenzüberschreitungen immer wichtiger.

Hilfreich kann es sein, Vertrauenspersonen oder Anlaufstellen einzurichten. Ebenso wichtig ist es, sich bereits im Vorfeld gemeinsam zu überlegen: Was tun wir, wenn Diskriminierung oder eine Grenzüberschreitung passiert?

Kulturvereine und Kulturinitiativen können gemeinsam Regeln und Handlungsmöglichkeiten entwickeln. So können sie besser reagieren, wenn Menschen Diskriminierung erleben oder Unterstützung brauchen.

Gemeinsam Veränderung gestalten

Die Arbeit für mehr Diversität und Gleichberechtigung ist oft herausfordernd. Sie braucht Zeit, Ressourcen und die Bereitschaft, eigene Strukturen kritisch zu hinterfragen.

Gleichzeitig entstehen durch diese Arbeit auch Verbindung, Solidarität und neue Formen der Zusammenarbeit. Veränderung wird möglich, wenn Menschen sich gegenseitig unterstützen, voneinander lernen und gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Eine vielfältige und diskriminierungskritische Kultur ist keine fertige Lösung. Sie ist ein gemeinsamer Prozess.

Diversität ist keine zusätzliche Aufgabe neben der Kulturarbeit. Sie ist eine wichtige Grundlage für eine Kultur, die für alle da ist und von vielen unterschiedlichen Menschen mitgestaltet werden kann.

Kultur für alle? Wirklich?

Nachlese in Leichter Sprache

Bei der Lunch Lecture der IG KiKK ging es um ein wichtiges Thema:

Diversität in der Kulturarbeit.

Diversität bedeutet:

Menschen sind verschieden.

Zum Beispiel:

  • Menschen sind jung oder alt.
  • Menschen haben verschiedene Herkünfte.
  • Menschen sprechen verschiedene Sprachen.
  • Manche Menschen haben eine Behinderung.
  • Menschen haben unterschiedliche Erfahrungen.
  • Menschen haben unterschiedlich viel Geld.
  • Menschen leben auf unterschiedliche Weise.

Alle Menschen sollen bei Kunst und Kultur mitmachen können.

Wer hat gesprochen?

Es haben zwei Personen gesprochen.

Zhameli Khairli

Zhameli Khairli arbeitet bei D—Arts.

D—Arts ist ein Projektbüro für Diversität.

D—Arts setzt sich für mehr Gleichberechtigung ein.

D—Arts arbeitet gegen Diskriminierung.

Bettina Mair

Bettina Mair arbeitet bei der IG Kultur Steiermark.

Sie ist auch Mitbegründerin von awaGraz.

Bettina Mair beschäftigt sich mit Diversität in der Kulturarbeit.

Was ist das Problem?

Viele Kultur-Einrichtungen sind nicht für alle Menschen gleich offen.

Oft entscheiden immer ähnliche Menschen.

Viele Menschen und Gruppen sind kaum vertreten.

Zum Beispiel:

  • Menschen mit Migrationsgeschichte,
  • Menschen mit Behinderung,
  • Menschen mit wenig Geld,
  • Menschen aus verschiedenen sozialen Gruppen,
  • Menschen, die Diskriminierung erleben.

Dadurch fehlen viele Perspektiven.

Nicht alle Menschen haben die gleichen Chancen.

Manche Menschen haben weniger Kontakte.

Manche Menschen können kein unbezahltes Praktikum machen.

Manche Menschen erleben Rassismus oder andere Formen von Diskriminierung.

Was möchte D—Arts erreichen?

D—Arts sagt:

Es reicht nicht,
nur verschiedene Menschen einzuladen.

Auch die Regeln und Strukturen müssen sich ändern.

Zum Beispiel:

  • Wer entscheidet?
  • Wer bekommt Geld?
  • Wer darf mitreden?
  • Wer wird eingeladen?
  • Wer wird nicht gesehen?
  • Wer bekommt eine Chance?

Alle Menschen sollen faire Chancen haben.

D—Arts möchte,
dass Kultur-Einrichtungen gerechter werden.

Wie arbeitet D—Arts?

D—Arts bietet zum Beispiel:

  • Beratung,
  • Trainings,
  • Workshops,
  • Vernetzung,
  • Austausch.

D—Arts arbeitet mit vielen Fachleuten zusammen.

Zum Beispiel mit:

  • Künstler*innen,
  • Kurator*innen,
  • Berater*innen.

Auch das Wissen von Menschen,
die Diskriminierung erleben,
ist wichtig.

Was ist ein Code of Conduct?

D—Arts arbeitet an einem Code of Conduct.

Das sind gemeinsame Regeln.

Die Regeln sollen helfen:

  • Diskriminierung zu verhindern,
  • Machtmissbrauch zu verhindern,
  • Menschen fair zu behandeln,
  • Verantwortung zu übernehmen.

Der Code of Conduct ist keine fertige Lösung.

Menschen und Organisationen sollen gemeinsam lernen.

Was können Kultur-Vereine tun?

Bettina Mair sagt:

Veränderung beginnt im eigenen Verein.

Ein Verein kann sich zum Beispiel fragen:

  • Wer entscheidet bei uns?
  • Wer arbeitet bei uns mit?
  • Welche Menschen fehlen?
  • Welche Perspektiven fehlen?
  • Wen erreichen wir nicht?
  • Welche Hindernisse gibt es?

Es ist gut,
wenn unterschiedliche Menschen zusammenarbeiten.

Dann entstehen neue Ideen.

Auch das Kultur-Programm kann vielfältiger werden.

Mehr Menschen können sich dann angesprochen fühlen.

Was hilft beim Zugang?

Manchmal helfen schon kleine Veränderungen.

Zum Beispiel:

  • einfache und verständliche Sprache,
  • Leichte Sprache,
  • Informationen in mehreren Sprachen,
  • Informationen in sozialen Medien,
  • klare Ausschreibungen,
  • persönliche Einladungen,
  • gute Netzwerke.

Es ist wichtig zu überlegen:

Wo bekommen Menschen Informationen?

Nicht alle Menschen nutzen die gleichen Medien.

Was ist Awareness?

Awareness bedeutet:

Menschen achten aufeinander.

Sie nehmen Probleme ernst.

Zum Beispiel:

Wenn jemand diskriminiert wird.

Oder wenn jemand eine Grenze überschreitet.

Kultur-Vereine können sich fragen:

Was machen wir, wenn etwas passiert?

Es kann auch eine Vertrauens-Person geben.

Zu dieser Person können Menschen gehen,
wenn sie Hilfe brauchen.

Das Wichtigste

Mehr Vielfalt ist eine Chance.

Kunst und Kultur werden dadurch besser und vielfältiger.

Mehr Menschen können mitmachen.

Mehr Menschen können ihre Geschichten erzählen.

Kultur soll für alle Menschen da sein.

Und alle Menschen sollen Kultur mitgestalten können.

Das braucht Zeit.

Es braucht gute Regeln.

Es braucht Geld und andere Ressourcen.

Und es braucht Menschen,
die gemeinsam etwas verändern wollen.

Diversität ist keine zusätzliche Aufgabe.

Diversität gehört zu guter Kulturarbeit.

Nur wenn sich Strukturen verändern,
kann Kultur wirklich für alle da sein.

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