KiKK OFF – za kulturo #53: Maria-Tusch-Preisträgerin Alina Zeichen im Porträt | Prejemnica nagrade Maria Tusch Alina Zeichen v portretu
Die kärntner-slowenische Kulturmanagerin und -arbeiterin Alina Zeichen wurde heuer der Maria-Tusch-Frauenpreis verliehen. Mit dem nach einer der wichtigsten Vertreter:innen der Kärntner Arbeiter:innenbewegung benannte Preis würdigt die Stadt Klagenfurt/Celovec Menschen, die sich besonders für Mädchen, Frauen und Geschlechtergerechtigkeit einsetzen. Zeichen, welche den ersten zweisprachigen, queerfeministischen Kulturverein in Kärnten gründete und Co-Präsidentin des UNIKUMs sowie im Vorstand der IG KiKK ist, engagiert sich seit Jahrzehnten für die Gleichberechtigung von FLINTA*s und Minderheiten. MIT NACHLESE auch in LEICHTER SPRACHE
Foto:Johannes Puch
Nachlese
Feministische Kulturarbeit, Gleichberechtigung und Demokratie
Für ihr Engagement für Frauen, Mädchen und Geschlechtergleichstellung wurde die Kärntner Kulturarbeiterin und Kulturmanagerin Alina Zeichen mit dem Maria-Tusch-Frauenpreis der Stadt Klagenfurt ausgezeichnet. In der aktuellen Ausgabe von KiKK OFF – za kulturo spricht sie über ihre Biografie, feministische Kulturarbeit, Diskriminierung, Intersektionalität und die Bedeutung von Demokratie und Solidarität.
Aktivismus als Teil der eigenen Biografie
Für Alina Zeichen ist Aktivismus nichts, das durch ein einzelnes Erlebnis begonnen hat. Ihre Familiengeschichte und ihre Biografie als Kärntner Slowenin haben ihren Zugang zu gesellschaftspolitischen Fragen stark geprägt. Ihre Großmutter wurde deportiert. Auch die Geschichte der Kärntner slowenischen Volksgruppe und der jahrzehntelange Kampf um Sprache und Demokratie haben Zeichen geprägt.
„Bei mir war nicht so ein Ereignis, das meinen Aktivismus ausgelöst hat, sondern ich bin fast geboren, dass mir das schon eingeschrieben war“, erzählt Zeichen.
Bereits am Slowenischen Gymnasium in Klagenfurt lernte sie, gesellschaftskritisches Denken mit Kunst und Kultur zu verbinden. Projekte mit Kulturarbeiter:innen, Vereinen und Verbänden der slowenischen Volksgruppe zeigten ihr, dass Kunst eine Möglichkeit sein kann, gesellschaftspolitische Themen zu bearbeiten.
Nach ihrem Studium von Sport-, Kultur- und Veranstaltungsmanagement sowie Angewandten Kulturwissenschaften arbeitete Zeichen unter anderem als Dramaturgin, Übersetzerin und Regieassistentin sowie als Referentin für Dramaturgie am Burgtheater in Wien. Nach ihrer Rückkehr nach Kärnten|Koroška widmete sie sich verstärkt der Kulturarbeit und dem Kulturmanagement.
Kulturarbeit bedeutet auch Reflexion
Im Zentrum von Zeichens Arbeit steht der Einsatz für mehr Gerechtigkeit. Feministische und diskriminierungskritische Kulturarbeit versteht sie als einen Prozess des Lernens und der Reflexion.
Dazu gehört auch die Frage nach den eigenen Privilegien. Zeichen spricht darüber, dass sie sich ihrer eigenen privilegierten Positionen bewusst ist und diese immer wieder reflektiert.
„Ungerechtigkeit ist etwas, was mich am meisten reizt“, sagt sie.
Auch in der Kärntner Kulturszene zeigen sich weiterhin patriarchale Strukturen. Frauen und FLINTA*-Personen werden unterbrochen, nicht bis zum Ende angehört oder ihre Ideen werden weniger ernst genommen. Zeichen verweist dabei auch auf den sogenannten Matilda-Effekt. Dieser beschreibt, dass wissenschaftliche Leistungen von Frauen Männern zugeschrieben oder von ihnen übernommen werden.
Geschlechtergerechtigkeit in der Kultur
Der Gender Pay Gap in der Kultur beträgt laut Zeichen 37 Prozent. Gleichzeitig sind Frauen in der Kulturszene zwar zunehmend sichtbar, Führungspositionen und Entscheidungsgremien bleiben aber häufig männlich dominiert.
Auch in Führungspositionen sei es für Frauen und FLINTA*-Personen nicht selbstverständlich, gehört zu werden. Sexismus wirke dabei nicht nur offen, sondern könne auch innerhalb von Organisationen und Gruppen reproduziert werden.
Zeichen spricht von internalisiertem Sexismus. Damit ist gemeint, dass auch Menschen, die selbst von Diskriminierung betroffen sind, sexistische Vorstellungen unbewusst weitertragen können.
Intersektionalität und Zweisprachigkeit
2019 gründete Zeichen den zweisprachigen feministischen Kulturverein KD Barba Queerfeminismus und Zweisprachigkeit sind für sie keine zusätzlichen Aspekte ihrer Arbeit, sondern gehören grundlegend dazu.
Eine wichtige Rolle spielt dabei Intersektionalität. Verschiedene Formen von Zugehörigkeit und Diskriminierung können gleichzeitig wirken.
Zeichen beschreibt das auch anhand ihrer eigenen Biografie. Als Frau werde sie unmittelbar als solche wahrgenommen. Ihre Zugehörigkeit zur Kärntner slowenischen Volksgruppe könne sie hingegen in bestimmten Situationen verbergen.
„Dass ich eine Frau bin, sieht man sozusagen von da Weiten“, sagt Zeichen. „Dass ich Kärntner Slowenin bin, das kann ich mehr oder weniger verheimlichen oder verstecken.“
Gleichzeitig sei innerhalb der Minderheit die Auseinandersetzung mit feministischen und queerfeministischen Themen teilweise noch wenig verankert. Gerade deshalb sei Intersektionalität für ihre kulturpolitische und kulturelle Arbeit wichtig.
Erkämpfte Rechte sind nicht selbstverständlich
Auch der internationale Rechtsruck und seine Folgen für Frauen- und Minderheitenrechte sind Thema der Sendung.
Zeichen warnt davor, bereits erkämpfte Rechte als selbstverständlich zu betrachten. Das Recht auf Bildung, freie Berufswahl, politische Teilhabe oder finanzielle Unabhängigkeit sei Ergebnis langer gesellschaftlicher und politischer Kämpfe.
„Jedes Recht, das einmal jemandem gegeben wurde, kann per Gesetz auch wieder entzogen werden“, sagt Zeichen.
Deshalb sei es notwendig, Demokratie jeden Tag zu verteidigen und demokratische Strukturen nicht als selbstverständlich zu betrachten.
„Wir müssen alle für Demokratie jeden Tag kämpfen“, so Zeichen.
Auch die zunehmende Verbreitung konservativer Geschlechterrollen in sozialen Medien sieht sie kritisch. Die Vorstellung, Frauen seien vor allem für Kinderbetreuung und Pflege zuständig, hält sie für problematisch. Frauen hätten immer gearbeitet – auch dann, wenn ihre Arbeit innerhalb der Familie nicht als offizieller Beruf anerkannt wurde.
Eine Rückkehr zu finanzieller Abhängigkeit könne für Frauen gravierende Folgen haben, etwa bei Pensionen und sozialer Absicherung.
Veränderung braucht Zeit und Ressourcen
Einfache Lösungen gibt es für Zeichen nicht.
„Es gibt keine einfachen Lösungen und es gibt keine einfachen schnellen Maßnahmen“, sagt sie.
Zu viele gesellschaftliche Bereiche und Ungleichheiten greifen ineinander. Was es brauche, seien langfristige Maßnahmen, Empathie und die Bereitschaft, die eigenen Privilegien zu reflektieren.
Auch die Finanzierung spiele eine zentrale Rolle. Für Veränderungen in Bildung, Kunst und Kultur sowie im Gesundheits- und Sozialbereich brauche es entsprechende Ressourcen.
„Dieser soziale Frieden ist das Allerwichtigste. Das ist aber das Allerschwierigste, genau das zu erreichen“, sagt Zeichen.
Gemeinsam weiterkämpfen
Alina Zeichen verbindet ihre Kulturarbeit mit Solidarität, Gleichberechtigung, Freundinnenschaft und einer kritischen, feministischen Haltung.
Ihre Botschaft an die nächste Generation von Aktivist:innen ist klar:
„Bildet Banden im besten Sinne des Spruches und haltet zusammen.“
Aufgeben sei keine Option. Auch nach schwierigen Phasen gebe es gute und sehr gute Zeiten.
Und vor allem:
„Ihr seid nicht alleine.“
Nachlese in Leichter Sprache
Feminismus, Kultur und Zusammenhalt
In der neuen Sendung „KiKK OFF – za kulturo“ geht es um Alina Zeichen.
Alina Zeichen arbeitet in der Kultur.
Sie ist Kulturarbeiterin und Kulturmanagerin.
Sie hat den Maria-Tusch-Frauenpreis der Stadt Klagenfurt bekommen.
Mit dem Preis werden Menschen ausgezeichnet, die sich für Frauen, Mädchen und Gleichberechtigung einsetzen.
Für Alina Zeichen ist der Preis eine große Anerkennung.
Sie sagt:
„Das ist ein Zeichen dafür, dass die Arbeit nicht umsonst war.“
Warum ist Alina Zeichen Aktivistin?
Alina Zeichen ist Kärntner Slowenin.
Ihre Familiengeschichte ist für sie sehr wichtig.
Ihre Großmutter wurde deportiert.
Auch die Geschichte der Kärntner Slowen:innen hat sie geprägt.
Die slowenische Volksgruppe musste lange für ihre Sprache und ihre Rechte kämpfen.
Deshalb sagt Zeichen:
„Wir mussten uns jeden Tag für die slowenische Sprache und für die Demokratie einsetzen.“
Schon in der Schule hat Alina Zeichen gelernt:
Kunst und Kultur können gesellschaftliche Themen sichtbar machen.
Kunst kann auch politisch sein.
Kultur und Gleichberechtigung
Alina Zeichen setzt sich für mehr Gerechtigkeit ein.
Sie arbeitet feministisch.
Sie arbeitet gegen Diskriminierung.
Und sie möchte, dass Menschen gleich behandelt werden.
Aber auch in der Kultur gibt es Probleme.
Frauen und FLINTA*-Personen werden zum Beispiel oft unterbrochen.
Ihre Ideen werden nicht immer ernst genommen.
Manchmal bekommt ein Mann die Anerkennung für eine Idee von einer Frau.
Dafür gibt es einen Begriff:
Matilda-Effekt.
Der Matilda-Effekt bedeutet:
Eine Frau hat eine Idee oder macht eine wichtige Entdeckung.
Aber ein Mann bekommt später die Anerkennung dafür.
Was bedeutet Intersektionalität?
Alina Zeichen spricht auch über Intersektionalität.
Das bedeutet:
Menschen können gleichzeitig von verschiedenen Formen von Diskriminierung betroffen sein.
Zum Beispiel:
Eine Person kann eine Frau sein.
Sie kann zu einer Minderheit gehören.
Sie kann wenig Geld haben.
Oder eine Behinderung haben.
Diese Dinge können zusammenwirken.
Bei Alina Zeichen ist auch ihre Zugehörigkeit zur Kärntner slowenischen Volksgruppe wichtig.
Sie sagt:
„Dass ich eine Frau bin, sieht man sozusagen von da weit.“
Ihre Zugehörigkeit zur slowenischen Volksgruppe kann sie dagegen manchmal verstecken.
Demokratie muss geschützt werden
In der Sendung geht es auch um Demokratie.
Alina Zeichen sagt:
Rechte sind nicht selbstverständlich.
Viele Rechte mussten Menschen lange erkämpfen.
Zum Beispiel:
- Frauen dürfen wählen.
- Frauen dürfen studieren.
- Frauen dürfen selbst einen Beruf wählen.
- Frauen dürfen Verträge unterschreiben.
- Frauen dürfen finanziell unabhängig sein.
Diese Rechte können auch wieder eingeschränkt werden.
Zeichen sagt:
„Jedes Recht, das einmal jemandem gegeben wurde, kann per Gesetz auch wieder entzogen werden.“
Deshalb muss Demokratie geschützt werden.
Zeichen sagt:
„Wir müssen alle für Demokratie jeden Tag kämpfen.“
Traditionelle Rollenbilder
Alina Zeichen spricht auch über traditionelle Rollenbilder.
Damit sind Vorstellungen gemeint wie:
Frauen kümmern sich um Kinder.
Frauen kümmern sich um die Familie.
Frauen kümmern sich um kranke oder ältere Menschen.
Zeichen findet diese Vorstellungen problematisch.
Frauen haben immer gearbeitet.
Aber ihre Arbeit wurde oft nicht als richtiger Beruf gesehen.
Wenn Frauen nicht selbst Geld verdienen können, sind sie stärker abhängig.
Das kann später Probleme machen.
Zum Beispiel bei der Pension.
Gibt es eine einfache Lösung?
Nein.
Alina Zeichen sagt:
„Es gibt keine einfachen Lösungen.“
Veränderung braucht Zeit.
Veränderung braucht Geld.
Und Veränderung braucht Menschen, die gemeinsam arbeiten.
Wichtig sind zum Beispiel:
- Bildung
- Kunst und Kultur
- Gesundheit
- soziale Sicherheit
- Gleichberechtigung
Auch die eigenen Privilegien müssen Menschen immer wieder hinterfragen.
Gemeinsam weitermachen
Alina Zeichen hat am Ende einen Rat für junge Aktivist:innen.
Sie sagt:
„Bildet Banden im besten Sinne des Spruches und haltet zusammen.“
Das bedeutet:
Menschen sollen sich gegenseitig unterstützen.
Sie sollen gemeinsam für ihre Ziele kämpfen.
Und sie sollen nicht aufgeben.
Denn es gibt schwierige Zeiten.
Aber es gibt auch gute Zeiten.
Alina Zeichen sagt:
„Ihr seid nicht alleine.“
Das ist die wichtigste Botschaft der Sendung: