Zwangsehrenamt - nein danke!

Wir begrüßen, dass es am 26.2.2015 eine Kulturenquete geben wird und beteiligen uns gern.
Dass ein Teil der Mitwirkenden gratis arbeiten soll, kritisieren wir im Sinn von Fair Pay scharf. Vom Land verordnetes Zwangsehrenamt darf es nicht geben.

Am 26.2.2015 plant die Kulturabteilung des Landes Vorarlberg eine breit angelegte Kulturenquete zur „Vermessung einer Kulturlandschaft“. Davon erwarten sich Kulturakteur/innen endlich kultur­politische Zielsetzungen.

Die IG Kultur Vorarlberg begrüßt die Idee und beteiligt sich mit eigenen Beiträgen. Doch anstatt die Veranstaltung für einen Neustart in Sachen Fairness zu nutzen, zementiert die Kulturabteilung gleich wieder die bestehende Klassengesellschaft, so die Kritik der IG Kultur: 

Es gibt Mitwirkende, die beim Land angestellt und in diesem Rahmen bezahlt sind. Es gibt außenstehende Vortragende, denen für die Mitwirkung ein Honorar angeboten wurde und Vortragende, die „ehrenamtlich“ mitarbeiten sollen.

„Es freut uns, dass es im Bereich der Kulturinitiativen so viele Leute gibt, die in der Gesellschaft etwas bewegen wollen und sich deshalb engagieren,“ sagt Juliane Alton, Geschäftsführerin der IG Kultur Vorarlberg, „aber ein vom Land verordnetes Zwangsehrenamt lehnen wir ab.“ Wenn Christian Bernhard im VN-Interview kurz vor Weihnachten meinte, er wolle derjenige sein, der in der Kultur etwas weiterbringt, dann sei genau jetzt die Gelegenheit dazu. Kulturarbeit muss fair bezahlt werden.

Bernhard Amann, Obmann der IG Kultur, kritisiert, dass im Gesundheitsbereich und in der Jugend­arbeit Gehaltssprünge von 13% und mehr zu verzeichnen waren, während man im freien Kultur­bereich mit 1,3 Millionen eine ganze Kulturlandschaft abspeise. „Es muss endlich klar sein“, so Amann weiter, „dass Kulturarbeit normal nach Gehaltsschema bezahlt wird. Sonst muss ein Gesetz her, das die Sache regelt.“ Und: "Wir nehmen diese unerträgliche Vorgehensweise der Kulturverweser des Landes jedenfalls nicht zur Kenntnis und fordern eine Gleichstellung der freien Kulturszene mit den institutionalisierten Kulturtankern des Landes!"

Deshalb fordert die IG Kultur Vorarlberg:
 

  • Kein Zwangsehrenamt in der Kultur - Kulturarbeit muss fair bezahlt werden, das Land soll mit gutem Beispiel voran gehen 
  • Das Gehaltsschema der IG Kultur muss in der Alltagspraxis angewendet werden, „Armutsförderung“ lehnen wir ab 
  • Die öffentlichen Kulturausgaben müssen allen Bevölkerungsschichten auch direkt zugute kommen. Derzeit geschieht eine Elitenförderung.

Ähnliche Artikel

rote leere Sessel im Theater Ob auf der Bühne oder hinter den Kulissen: Wer am Theater arbeitet, kommt um das Theaterarbeitsgesetz (TAG) und seine zwingenden Sonderbestimmungen nicht herum. Zuerst muss aber die geeignete Beschäftigungsform her: Ensemblevertrag, Gastvertrag oder doch Werkvertrag? Ein Balanceakt mit Auswirkungen. Ab Herbst 2025 soll eine Gesetzesnovelle die Abgrenzung erleichtern. Für uns ein Anlass, das TAG und die Neuerungen näher zu beleuchten.
Von „Eh klar!“ bis „Schau‘ma mal!“ – Verträge aufsetzen gehört meist nicht zu den beliebtesten Teilen der Kulturarbeit. Grund genug, sich in unserer 2-stündigen Online-Session praktische Tipps zur Gestaltung und Verhandlung von Verträgen abzuholen! Mit besonderem Fokus auf Werkverträge beleuchten wir, auf welche Punkte es ankommt und dass ein Vertrag nicht immer kompliziert sein muss. 29. Februar, 16:30 Uhr – Teilnahme für Mitglieder kostenlos.
Der erste kulturpolitische Jour fixe 2024 widmete sich den Rahmenbedingungen für Kulturarbeit in der Landeshauptstadt. Mit unseren Gäst*innen Mag.a Inga Horny (Geschäftsführerin Stadtmarketing Klagenfurt), Mag. Helmuth Micheler (Geschäftsführer Tourismusverband Klagenfurt) und Mag. Franz Petritz (Stadtrat für Gesundheit, Sport und Kultur, SPÖ) diskutierten wir über die Veranstaltungstätigkeiten der Stadt, Potenziale zur Sichtbarmachung von Kulturangeboten sowie die Gradwanderung zwischen Lärmschutz für Anrainer*innen und Veranstaltungstätigkeit.