Autonomie der freien Kulturarbeit muss unangetastet bleiben!

Auf größtes Unverständnis stößt bei der IG Kultur Österreich, IG Kultur Wien und IG Freie Theaterarbeit die aktuelle Vorgangsweise der Wiener Kulturpolitik rund um den finanziell angeschlagenen kosmos.frauenraum.

Auf größtes Unverständnis stößt bei der IG Kultur Österreich, IG Kultur Wien und IG Freie Theaterarbeit die aktuelle Vorgangsweise der Wiener Kulturpolitik rund um den finanziell angeschlagenen kosmos.frauenraum.

Anlass: Ein am 4. Juni im Wiener Kulturausschuss von der SPÖ beschlossener Antrag, in dem die Neuausschreibung der Leitungsposition des Theaters ab dem Jahr 2003 als Bedingung für die Gewährung einer zusätzlichen Betriebssubvention für 2002 genannt wurde.

Abgesehen davon, dass diese Vorgangsweise keineswegs mit den Betroffenen abgesprochen war, scheinen auch durchaus persönliche Motive bei dieser Entscheidung im Spiel gewesen zu sein. Es liegt der Verdacht nahe, dass mit diesem Schritt auf eine Protestaktion von kosmos-Leiterin Barbara Klein reagiert werden sollte, die bei der Eröffnung des Tanzquartiers im Herbst letzten Jahres gegen die Benachteiligung von Frauen im Kulturbetrieb demonstriert hatte.

Der Unterschied zu anderen Organisationen wie Rabenhof und Schauspielhaus ist auch der, dass im kosmos frauenraum in einen laufenden Vertrag eingegriffen wird und diese Förderung von € 145.000,- für das Jahr 2002 bereits schriftlich zugesagt wurde.

"Es gibt gewisse Existenzbedingungen für eine kritische Kultur, die nur der Staat gewährleisten kann. Kurz gesagt, wir müssen vom Staat die Mittel fordern, die die Freiheit gegenüber wirtschaftlichen, aber auch politischen Mächten, d.h. gegenüber dem Staat selbst, garantieren (...)", schreibt Bourdieu in "Perspektiven des Protests 1995". Das bedeutet für den nicht-kommerziellen Kulturbetrieb, um mehr Mittel zu kämpfen und gleichzeitig auch für Transparenz dieser Mittel zu sorgen. Und Transparenz würde in diesem Fall bedeuten, so eine Vorgehensweise mit dem Betreiberinnenverein zu besprechen.

"Es kann nicht sein, dass plötzlich für einen Verein ganz andere Regeln gelten als für andere Vereine. 'Wer zahlt schafft an' ist keine Basis für eine konstruktive Kulturpolitik", konstatiert Juliane Alton von der IG Freie Theaterarbeit.

Deshalb müssen wir an dieser Stelle auf die sofortige Rücknahme dieser Entscheidung bestehen, so die IG Kultur Österreich und die IG Kultur Wien. "Dieses Vorgehen von Kulturstadtrat Mailath-Pokorny könnte fatale Beispielwirkung haben. Die Autonomie und Unabhängigkeit der freien Kulturarbeit müssen unangetastet bleiben. Zukunftsentscheidungen sind ausnahmslos mit den Betroffenen abzustimmen!"

Gabi Gerbasits,
Geschäftsführerin IG Kultur Österreich

Brigitte Schröpel,
Geschäftsführerin IG Kultur Wien

Juliane Alton,
Geschäftsführerin IG Freie Theaterarbeit

Ähnliche Artikel

Ein Patchwork-teppich mit einem ausgefransten Loch in der Mitte Die Finanzierung freier Kulturarbeit ist ein Flickwerk. Öffentliche Zuschüsse, so es welche gibt, müssen kleinteilig von unterschiedlichsten Stellen zusammengetragen werden, bis die Finanzierung steht – quer über Gebietskörperschaften und Ressorts hinweg. Damit besteht angesichts drohender Budgetkürzungen eine massive Gefahr: Denn, wenn jede Stelle nur auf die eigene Förderung schaut und „eh nur ein bisschen“ kürzt, kann aus einem kleinen Einschnitt schnell eine existenzieller werden. Umso dringender braucht es jetzt Budgetentscheidungen mit Weitsicht und Verantwortung über die eigene Zuständigkeit hinaus.
Soziokulturelle Arbeit ist kein nettes Extra, sondern grundlegende zivilgesellschaftliche Infrastruktur. Gerade in krisenhaften Zeiten ist sie wichtiger denn je. Dafür braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, die die Realität von Kulturarbeit verstehen und stützen – anstatt sie durch immer mehr Auflagen, kürzere und unsichere Förderzyklen sowie steigenden finanziellen Druck zu erschweren. Ein Manifest soziokultureller Zentren, mit Beteiligung und Impulsen von europaweit über 100 Initiativen.
Symbolbild: Protestkundgebung bei der eine Person ein Schild mit der Aufschrift "Act Not" hochhält Kunst ist Arbeit, Kultur ist Arbeit. Arbeit bedeutet Einkommen und soziale Absicherung. Nicht, wenn es nach dem Willen der jetzigen Regierung um die Absicherung künstlerischer Tätigkeiten und Kulturarbeit geht. Das seit 1.1.2026 geltende Zuverdienstverbot zu AMS-Geldleistungen verhindert entweder die soziale Absicherung oder das Einkommen. Über 1300 Künstler*innen und 138 Kulturinstitutionen und -verbände verlangen daher, das Zuverdienstverbot aufzuheben. Sie sagen Nein zu einer armutsfördernden Maßnahme, die ganz besonders Frauen trifft.