Demokratisierung durch Kultur | Demokratizacija skozi kulturo
Die Kultur sowie die freie Kulturszene können eine bedeutsame demokratisierende Kraft sein. Doch Kultur kann auch für antidemokratische Zwecke instrumentalisiert werden – dessen ist sich insbesondere die extreme Rechte bewusst. Welche Rolle spielt Kultur also in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung, und wie kann Demokratisierung durch Kultur gelingen? Diesen Fragen widmet sich die aktuelle Episode von „KiKK OFF za kulturo“.
Nachlese
Demokratisierung durch Kultur
Die 49. Ausgabe der kulturpolitischen Radiosendung KiKK OFF za kulturo beschäftigt sich mit der Frage, welche Rolle freie Kulturarbeit in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung spielt und wie Kultur zur Demokratisierung beitragen kann. Zu Gast sind die Historikerin und Leiterin des NS-Dokumentationszentrums München, Miriam Zadoff, sowie der Rechtsextremismusforscher Bernhard Weidinger.
Bernhard Weidinger erklärt, dass Kultur gesellschaftliche Werte prägt und daher auch für rechtsextreme Akteur:innen ein wichtiges Feld ist. Die extreme Rechte versuche nicht nur über Politik, sondern auch über kulturelle Produkte wie Musik, Literatur, Computerspiele oder soziale Medien Einfluss auf gesellschaftliche Vorstellungen und Werte zu nehmen. Ziel sei es, einen kulturellen Wandel herbeizuführen, der rechtsextreme Positionen normalisiert. Dabei würden zunehmend positiv klingende Begriffe und Narrative verwendet, etwa die „Bewahrung kultureller Identität“, während offen rassistische Sprache vermieden werde.
Besonders soziale Medien begünstigen laut Weidinger rechtsextreme Kommunikation, da sie Emotionalisierung, Vereinfachung und visuelle Inhalte belohnen. Gleichzeitig warnt er davor, Demokratie nur über ihre formalen Strukturen zu definieren. Entscheidend sei vielmehr, ob Menschen tatsächlich Möglichkeiten zur Mitgestaltung ihres Lebens und ihrer Umgebung erhalten.
Die freie Kulturszene könne hier eine wichtige demokratische Funktion übernehmen – besonders in ländlichen Regionen, wo kulturelle Angebote oft fehlen. Kulturveranstaltungen schaffen Räume für Begegnung, Diskussion und gesellschaftliche Auseinandersetzung. Allerdings könnten auch rechtsextreme Gruppen kulturelle Strategien nutzen, um lokal Einfluss zu gewinnen.
Mirjam Zadoff betont die Bedeutung von Kulturarbeit für gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratischen Austausch. Kultur könne Menschen aus Isolation und Ohnmachtsgefühlen herausholen und Räume schaffen, in denen unterschiedliche Gruppen miteinander ins Gespräch kommen. Gerade in polarisierten Zeiten sei es wichtig, Kommunikationsräume offen zu halten und trotz unterschiedlicher Positionen im Gespräch zu bleiben.
Am Beispiel des Buchprojekts Trotzdem sprechen, das nach dem 7. Oktober 2023 entstand, beschreibt Zadoff, wie kontroverse Debatten über Antisemitismus, Krieg und gesellschaftliche Konflikte dennoch gemeinsam geführt werden können. Entscheidend sei, Unterschiede auszuhalten und Gesprächsbereitschaft zu bewahren.
Abschließend hebt Zadoff hervor, dass kulturelle Freiheit ein zentraler Bestandteil demokratischer Gesellschaften ist. Wenn Kultur politisch unter Druck gerät oder instrumentalisiert wird, sei dies ein Warnsignal für demokratische Entwicklungen. Kultur müsse die Freiheit behalten, kritisch zu sein und gesellschaftliche Machtverhältnisse infrage zu stellen.
Nachlese in leichter Sprache
Demokratisierung durch Kultur
In dieser Sendung geht es um die Frage:
Wie kann Kultur die Demokratie stärken?
Zu Gast sind die Historikerin Mirjam Zadoff und der Forscher Bernhard Weidinger.
Die beiden sprechen darüber, dass Kultur wichtig für die Gesellschaft ist.
Durch Kultur lernen Menschen neue Ideen kennen.
Kultur kann Menschen zusammenbringen und Gespräche ermöglichen.
Aber Kultur kann auch missbraucht werden.
Rechtsextreme Gruppen nutzen Musik, Videos, soziale Medien oder Veranstaltungen, um ihre politischen Ideen zu verbreiten. Oft verwenden sie dabei neue oder harmlos klingende Wörter, damit ihre Botschaften weniger extrem wirken.
Bernhard Weidinger erklärt:
Soziale Medien helfen solchen Gruppen oft, weil dort starke Gefühle, einfache Botschaften und Bilder besonders viel Aufmerksamkeit bekommen.
Die freie Kulturszene kann ein wichtiger Gegenpol sein.
Besonders am Land schaffen Kulturveranstaltungen Orte für Begegnung und Diskussion. Menschen können dort miteinander sprechen und neue Perspektiven kennenlernen.
Miriam Zadoff sagt:
Gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, im Gespräch zu bleiben – auch wenn Menschen unterschiedliche Meinungen haben. Kultur kann helfen, dass Menschen einander zuhören und nicht nur gegeneinander arbeiten.
Am Ende der Sendung wird betont:
Kultur braucht Freiheit.
Eine demokratische Gesellschaft muss zulassen, dass Kunst und Kultur kritisch sind und Fragen stellen dürfen.