Projektideenfindung, Recherche und Evaluierung

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KI-Tools können Kulturarbeiter*innen dabei unterstützen, Projektideen weiterzuentwickeln, Recherchen zu strukturieren und Konzepte kritisch zu prüfen. In dieser Einheit ging es nicht darum, KI als Ersatz für fachliche, künstlerische oder kulturpolitische Entscheidungen zu verstehen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie KI als Sparring-Partnerin genutzt werden kann: zum Vergrößern, Verfremden, Befragen und Durchleuchten von Ideen.

Gerade in gemeinnützigen Kulturorganisationen mit knappen zeitlichen, personellen und finanziellen Ressourcen kann KI helfen, erste Denkräume schneller zu öffnen. Die Verantwortung bleibt aber bei den Kulturarbeiter*innen: KI-Ergebnisse sind Arbeitsmaterial und müssen geprüft, eingeordnet und an den eigenen Kontext angepasst werden.

 

Basiswissen

Viele Varianten, viel Durchschnitt


KI kann in kurzer Zeit viele Varianten einer Idee erzeugen. Das kann für Projektarbeit hilfreich sein, weil Konzepte rasch aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden können.

Gleichzeitig sind KI-Ergebnisse nicht automatisch originell oder verlässlich. Viele Modelle arbeiten mit Mustern aus vorhandenen Daten. Dadurch entstehen oft plausible, aber auch naheliegende oder austauschbare Vorschläge. Gute Ergebnisse entstehen deshalb meist nicht mit dem ersten Prompt, sondern durch Kontext, Nachfragen, Irritation und bewusste Auswahl.

Ein Bild aus der Einheit bringt diese Grenze gut auf den Punkt: Der Autor Ted Chiang beschrieb ChatGPT 2023 als „verschwommenes JPEG des Webs“. Die Metapher verweist darauf, dass KI Informationen verdichten kann, diese Verdichtung aber nicht automatisch präzise, vollständig oder neu ist.


 

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Miniworkshop

Wild A.Idea Lab


Dieser Baustein wurde aus den Inhalten der Einheit abgeleitet und für die Online-Dokumentation weiterentwickelt. Das Wild A.Idea Lab nutzt KI, um vorhandene Projektideen mutiger zu denken. Ausgangspunkt ist eine Idee, die schon länger besteht, aber vielleicht zu groß, zu teuer, zu riskant oder noch nicht ausformuliert wirkt.

Ziel

Eine erste Projektidee wird bewusst erweitert, bevor sie wieder realistisch eingegrenzt wird. Die KI liefert Varianten; die Organisation entscheidet, was davon sinnvoll, machbar oder inhaltlich stimmig ist.


Schritt 1: Idee festhalten

Die Projektidee in ein bis zwei Sätzen notieren.

Beispiel:

Wir möchten eine Veranstaltungsreihe zu Erinnerungskultur im Stadtteil entwickeln.


Schritt 2: Angstfreiheit testen

Beispielprompt:

Meine Projektidee ist:
[Idee einfügen]

Was wäre, wenn ich keine Angst vor dem Scheitern hätte?

Schreibe eine mutigere Version dieser Idee.

Wichtig:
- Bleibe im Feld gemeinnütziger Kulturarbeit.
- Erfinde keine institutionellen Partner*innen, die nicht genannt wurden.
- Markiere Annahmen als Annahmen.


Schritt 3: Ressourcen vergrößern

Beispielprompt:

Meine Projektidee ist:
[Idee einfügen]

Was würde ich tun, wenn ich 10x mehr Ressourcen hätte?

Erweitere die Idee um eine größere Dimension.

Berücksichtige:
- mögliche Formate
- Öffentlichkeiten
- Kooperationen
- Vermittlung
- Dokumentation
- Zugänglichkeit

Wichtig:
Unterscheide zwischen realistischen Elementen und bewusst übergroßen Ideen.


Schritt 4: Unkonventionelles Element hinzufügen

Beispielprompt:

Meine Projektidee ist:
[Idee einfügen]

Was ist das Verrückteste, was ich dabei ausprobieren könnte?

Füge ein unkonventionelles Element hinzu.

Wichtig:
Die Idee darf ungewöhnlich sein, soll aber inhaltlich nachvollziehbar bleiben. Vermeide reine Effekthascherei.


Schritt 5: Neue Fassung verdichten

Beispielprompt:

Kombiniere die besten Elemente aus den bisherigen Versionen.

Schreibe daraus eine neue, mutige Projektidee in 3–4 Sätzen.

Bitte markiere:
- welche Elemente sofort weiterverfolgt werden könnten
- welche Elemente zu groß, aber als Richtung interessant sind
- welche offenen Fragen im Team geklärt werden müssen


Auswertung

Nach dem Durchgang helfen drei Fragen:

  • Was ist überraschend brauchbar?
  • Was ist zu groß, aber als Richtung interessant?
  • Welche Elemente lassen sich realistisch weiterverfolgen?

Der Workshop ist kein fertiger Konzeptgenerator. Er hilft, eingefahrene Annahmen zu lockern und eine Idee aus mehreren Richtungen zu betrachten.

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Praxisbaustein

Methodenkoffer: Ideen verfremden


Verfremdung hilft, über naheliegende KI-Antworten hinauszukommen. Die folgenden Methoden können einzeln oder nach dem Wild A.Idea Lab eingesetzt werden.


Zufallskollision

Beispielprompt:

Meine kreative Idee ist:
[Idee einfügen]

Nenne zwei komplett fremde Dinge, zum Beispiel ein Küchengerät und ein mittelalterliches Ritual, und kombiniere sie mit meiner Idee.

Wie könnte daraus etwas entstehen, das noch niemand gesehen hat?

Nenne mir drei wilde, aber praktikable Möglichkeiten.

Wichtig:
Die Vorschläge sollen ungewöhnlich sein, aber nicht beliebig. Erkläre jeweils, welche neue Perspektive dadurch auf die ursprüngliche Idee entsteht.

Reflexionsfrage:

Welche Variante macht neugierig, obwohl sie zunächst ungewöhnlich wirkt?


Zukunftsarchäologie

Beispielprompt:

Es ist 2080.

Eine Archäologin findet mein Projekt:
[Titel/Beschreibung einfügen]

Sie versteht es völlig falsch.

Was glaubt diese Person, was es war? Und wie zeigt diese Fehlinterpretation einen neuen möglichen Zweck?

Bitte beschreibe:
- die Fehlinterpretation
- was daran überraschend ist
- welche neue Perspektive daraus für das Projekt entstehen könnte

Reflexionsfrage:

Welche neue Sichtweise könnte tatsächlich in das Projekt integriert werden?


Emotionaler Gegensatz

Beispielprompt:

Meine Idee soll folgende Emotion auslösen:
[Emotion einfügen, z. B. Stolz]

Was wäre das genaue Gegenteil davon – aber auf überraschend positive Weise?

Beschreibe eine Version der Idee mit dieser neuen Emotion.

Bitte kurz, konkret, maximal drei Sätze.

Reflexionsfrage:

Was aus dieser Version könnte die ursprüngliche Idee stärken?

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Praxisbaustein

Die KI als Interviewerin


KI muss nicht immer Antworten liefern. Oft ist es hilfreicher, sie Fragen stellen zu lassen. Diese Methode eignet sich besonders am Beginn einer Projektentwicklung, wenn Ziel, Ort, Zielgruppen, Kooperationspartner*innen oder Wirkung noch geschärft werden müssen.

Beispielprompt:

Du bist eine erfahrene Interviewerin für gemeinnützige Kulturprojekte.

Ich habe eine Idee für:
[Projektidee einfügen]

Bitte interviewe mich dazu, um herauszufinden, wo, mit wem und wie dieses Projekt sinnvoll umgesetzt werden könnte.

Stelle mir die Fragen einzeln und warte jeweils auf meine Antwort.

Frage besonders nach:
- Zielgruppen
- Ressourcen
- Barrieren
- Kooperationsmöglichkeiten
- gesellschaftlicher Relevanz
- Zugänglichkeit
- Risiken
- nächstem realistischen Schritt

Wichtig ist, der KI klar vorzugeben, dass sie Fragen stellen und nicht sofort ein fertiges Konzept schreiben soll. Dadurch bleibt das Wissen der Kulturarbeiter*innen im Zentrum.

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! Praxischeck: Projektidee kritisch prüfen


KI kann helfen, eine Projektidee vor einer Einreichung aus einer Außenperspektive zu betrachten. Das ist nützlich, um unklare Stellen, Lücken oder blinde Flecken früher zu erkennen.

Beispielprompt:

Du bist ein kritisches Jurymitglied für eine Kulturförderung.

Prüfe die folgende Projektidee auf:
- Verständlichkeit
- Relevanz
- Umsetzbarkeit
- Zugänglichkeit
- mögliche blinde Flecken
- Bezug zur gemeinnützigen Kulturarbeit

Nenne zuerst die drei stärksten Punkte, dann die fünf wichtigsten offenen Fragen.

Projektidee:
[Text einfügen]

Wichtig:
Erfinde keine Informationen. Markiere Annahmen und nenne Punkte, die vor einer Einreichung geprüft werden müssten.

Mögliche Zusatzfragen:

  • Was fehlt aus Sicht einer Förderjury?
  • Ist die gesellschaftliche Relevanz nachvollziehbar beschrieben?
  • Wie bewertest du Zugänglichkeit und Inklusion?
  • Wo könnte einfache Sprache helfen?
  • Welche Begriffe wirken zu allgemein oder austauschbar?

Dieser Check ersetzt keine Förderberatung und keine tatsächliche Jurybewertung. Er kann aber helfen, Argumentation, Struktur und Verständlichkeit zu verbessern.

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Recherche mit KI: Hinweise finden, Quellen prüfen


Für Rechercheaufgaben kann KI erste Suchrichtungen, Vergleichsprojekte, Begriffe oder Kontextinformationen liefern. Hilfreich ist das, wenn eine Projektidee historisch, gesellschaftlich oder kulturpolitisch eingeordnet werden soll.

Beispielprompt:

Welche dokumentierten Vergleichsprojekte, Begriffe oder Kontexte könnten für diese Projektidee relevant sein?

Projektidee:
[Text einfügen]

Bitte nenne:
- mögliche Vergleichsprojekte
- relevante Begriffe
- historische oder gesellschaftliche Kontexte
- mögliche Leerstellen
- Quellen oder Recherchewege

Wichtig:
Nenne, worin die Verbindung zur Projektidee besteht. Markiere unsichere Angaben und verweise nach Möglichkeit auf überprüfbare Quellen.

Für bessere Ergebnisse sollte die Projektbeschreibung möglichst konkret sein: Thema, Ort, Zielgruppen, Format und gewünschte Perspektive. Komplexe Fragen sollten aufgeteilt werden, etwa zuerst Vergleichsprojekte, dann Begriffe, dann mögliche Leerstellen. Quellen müssen geprüft werden, da KI falsche, unvollständige oder erfundene Angaben liefern kann.

Gerade bei marginalisierten, lokalen oder wenig dokumentierten Geschichten ist Vorsicht nötig. KI findet vor allem, was bereits sichtbar und digital auffindbar ist. Kulturarbeit bleibt hier eine zentrale Praxis des Sichtbarmachens, Einordnens und Erzählens.
 

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Praxistipps für den Alltag


Für die Projektentwicklung ist ein dialogischer Zugang sinnvoller als die Suche nach dem einen perfekten Prompt. Gute Ergebnisse entstehen schrittweise: Idee beschreiben, Antwort prüfen, nachschärfen, irritieren, kürzen und neu fokussieren.

Hilfreich ist auch, Rollen klar zu vergeben. Die KI kann als Interviewerin, kritische Jury, Vermittlerin, Außenperspektive oder Rechercheassistenz auftreten. Je genauer die Rolle beschrieben ist, desto brauchbarer werden die Antworten.

Sensible Informationen sollten nicht unüberlegt eingegeben werden. Dazu zählen etwa personenbezogene Daten, interne Konflikte, unveröffentlichte Projektideen, vertrauliche Finanzinformationen oder strategische Überlegungen. Welche Eingaben vertretbar sind, hängt vom Tool, den Einstellungen, der Kontoart und den internen Vereinbarungen ab.

Für wiederkehrende Arbeitsschritte empfiehlt es sich, im Team gemeinsame Regeln festzulegen: Welche Tools werden wofür genutzt? Welche Daten dürfen eingegeben werden? Wer prüft Ergebnisse? Wo braucht es menschliche Freigabe? Für solche Fragen verweist die Praxis-KICK-Dokumentation auf die erläuterten KI-Leitlinien der IG Kultur für Kulturvereine

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FAQ
 

Kann KI kreativ sein?

KI kann Varianten erzeugen, ungewohnte Kombinationen vorschlagen und Denkprozesse anstoßen. In dieser Einheit wurde sie aber nicht als eigenständig schöpferische Akteurin verstanden. Kreativität entsteht durch menschliche Erfahrung, Kontext, Haltung, Auswahl und Umsetzung.

Wie kann KI bei Recherche helfen, ohne falsche Sicherheit zu erzeugen?

KI kann erste Hinweise, Begriffe, Vergleichsprojekte und mögliche Recherchewege liefern. Verlässlich wird das erst durch Quellenprüfung. Besonders bei Zahlen, rechtlichen Fragen, Förderbedingungen oder historischen Details sollten Angaben nie ungeprüft übernommen werden.

Wann lohnt sich ein kostenpflichtiges KI-Tool?

Ein kostenpflichtiges Tool kann sinnvoll sein, wenn regelmäßig und intensiv damit gearbeitet wird, etwa für längere Projektentwicklung, umfangreiche Recherche oder wiederkehrende Arbeitsprozesse. Für erste Experimente, Brainstorming und einfache Strukturierung reichen kostenlose Versionen oft aus. Neben dem Funktionsumfang sollten auch Kosten, Datenschutz und tatsächlicher Nutzen im Arbeitsalltag berücksichtigt werden.

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Genannte Tools und Ressourcen aus der Einheit


Die folgenden Tools und Ressourcen wurden in der Einheit genannt. Die Liste ist keine allgemeine Empfehlung, sondern dokumentiert die besprochenen Beispiele. Vor einer Nutzung sollten Zweck, Datenschutz, Kostenmodell, Rechtefragen, Aktualität und organisatorische Verantwortung geprüft werden.
 

ChatGPT
https://chatgpt.com/
Genannt für Brainstorming, Ideenverstärkung, Verfremdung, erste Recherche und Evaluierungsfragen.

Perplexity
https://www.perplexity.ai/
Genannt für Recherche mit Quellenangaben. Auch bei Tools mit Quellenangaben müssen Aussagen anhand der Originalquellen geprüft werden.

Mindverse
https://www.mind-verse.de/
Genannt als in Deutschland entwickeltes und gehostetes KI-Ökosystem mit spezialisierten KI-Werkzeugen. Datenschutz- und Nutzungsbedingungen sollten vor der Arbeit mit sensiblen Daten geprüft werden.

Claude
https://claude.ai/
Genannt als Alternative für komplexe Text- und Konzeptarbeit.

Gemini Deep Research
https://gemini.google/overview/deep-research/
Genannt für vertiefende Rechercheaufgaben. Datenschutz- und Kontoeinstellungen sollten vor der Nutzung geprüft werden.

NotebookLM
https://notebooklm.google.com/
Genannt für die Arbeit mit eigenen Dokumenten, Auswertungen und Materialsammlungen.

Holly+ / Holly Herndon
https://holly.plus/
Als künstlerisches Beispiel für KI, Stimme, Identität und „Spawning“ genannt.

Ted Chiang: ChatGPT Is a Blurry JPEG of the Web
https://www.newyorker.com/tech/annals-of-technology/chatgpt-is-a-blurry-jpeg-of-the-web
Reflexionsressource aus 2023 zu Unschärfe, Verdichtung und Grenzen generativer KI.

Kate Crawford: AI is neither artificial nor intelligent
https://www.theguardian.com/technology/2021/jun/06/microsofts-kate-crawford-ai-is-neither-artificial-nor-intelligent
Ressource zu Materialität, Arbeit, Infrastruktur und Machtverhältnissen von KI.

Vibewriter / Near Future Laboratory
https://nearfuturelaboratory.com/blog/2025/05/chat-is-dead-i-made-a-better-tool-for-writers/
Als inspirierendes Beispiel für kollaboratives Schreiben mit KI genannt, nicht als zentrales Praxistool der Einheit.

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Hinweis: Diese Seite dokumentiert das Webinar #7 „Projektideenfindung, Recherche und Evaluierung“ mit Jasmin Grimm vom 02.06.2025. Die Inhalte wurden KI-gestützt aufbereitet, geben zentrale Impulse der Einheit wieder und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Genannte Tools und Ressourcen sind keine Empfehlungsliste und sollten vor Nutzung aktuell geprüft werden. Rechtliche Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung.