Hunger auf Kunst und Kultur | Lakota po umetnosti in kulturi
Jeder Mensch hat ein Recht auf Kunst und Kultur! Diesem Ansatz verschreibt sich die österreichweite Aktion „Hunger auf Kunst und Kultur“, die auch armutsgefährdeten und von Armut betroffenen Menschen den Zugang zu Kunst und Kultur ermöglichen soll. Das „Kärntner Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung“ hat nun mit Unterstützung der IG KiKK den Kärntner Ableger der Aktion ins Leben gerufen, um mehr soziale Teilhabe für Menschen mit finanziellen Engpässen zu schaffen.
Nachlese
Armut bedeutet mehr als Geldmangel
Ausgangspunkt der Sendung ist die EU-Statistik 2024: Rund 1,5 Millionen Menschen in Österreich gelten als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Armut wird dabei nicht nur am Einkommen gemessen, sondern auch an sozialer Teilhabe und subjektiver Ausgrenzung.
Alexander Brenner-Skazedounig, Koordinator des Kärntner Armutsnetzwerks, betont:
Armut ist eng mit Scham, Rückzug und gesellschaftlicher Unsichtbarkeit verbunden. Wer wenig Geld hat, kann soziale Räume oft nicht nutzen – selbst alltägliche Begegnungen wie ein Cafébesuch werden zur Hürde. Besonders betroffen sind Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen; laut Armutsstudien betrifft das rund 85 % der Klient:innen sozialer Einrichtungen.
Armut bedeutet daher nicht nur finanzielle Not, sondern oft auch Isolation und fehlende kulturelle Teilhabe.
Das Kärntner Netzwerk gegen Armut
Das Kärntner Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung ist eine Plattform von rund 20 Sozialorganisationen. Es versteht sich als Sprachrohr, bündelt Expertise, organisiert Vernetzungstreffen und Sozialdialoge und entwickelt Maßnahmen gegen soziale Ungleichheit.
Ein zentrales Projekt ist der Kärntner Ableger der Aktion:
Hunger auf Kunst und Kultur
Die Initiative ermöglicht armutsbetroffenen Menschen kostenlosen Zugang zu kulturellen Einrichtungen über einen Kulturpass.
Entstehung der Initiative
Die Aktion wurde 2003 von **Martin Schenk**, Mitbegründer der Österreichischen Armutskonferenz, initiiert. Ausgangspunkt war die Beobachtung im Wiener Schauspielhaus, dass das Publikum sozial wenig divers war – obwohl Kulturförderung aus öffentlichen Mitteln finanziert wird.
Die Grundidee:
Wenn Kultur öffentlich finanziert ist, muss sie auch allen offenstehen.
Daraus entstand ein Solidaritätsmodell zwischen Sozialorganisationen und Kultureinrichtungen – heute ein österreichweites Programm mit über 1.300 teilnehmenden Kulturinstitutionen.
Umsetzung in Kärnten | Koroška
Nach dreijähriger Vorbereitung durch das Armutsnetzwerk und die **IG KiKK** wurde das österreichweite Modell in Kärnten eingeführt und löste den früheren „Kärntner Kulturpass“ ab.
Zentrale Unterschiede zum alten Modell:
Kostenloser Eintritt verpflichtend** (keine bloßen Ermäßigungen)
Einheitlicher Anspruch: Personen unter der Armutsgefährdungsschwelle
Direkte Ausstellung über soziale Einrichtungen (Sozialberatung, Caritas, Diakonie, Frauenhäuser, Notschlafstellen etc.)
Österreichweite Gültigkeit des Passes
Die Ausstellung ist heute deutlich niederschwelliger und unbürokratischer.
Aktueller Stand in Kärnten
* 277 ausgestellte Kulturpässe im ersten Halbjahr
* 720 eingelöste Eintritte
* 40 Kulturpartner
* 24 soziale Ausgabestellen
Besonders stark genutzt werden Museen – hier scheint die Hemmschwelle am geringsten zu sein.
Langfristiges Ziel ist der Ausbau sowohl regionaler Ausgabestellen als auch weiterer Kulturpartnerschaften.
Weiterentwicklungen: Kulturtransfer und „Kulturbuddy“
Andere Bundesländer experimentieren mit zusätzlichen Formaten:
* **Kulturbuddy**: Begleitpersonen für Kulturveranstaltungen
* Gruppenbesuche mit sozialen Einrichtungen
* **Kulturtransfer**: Austauschformate zwischen Kulturschaffenden und sozialen Einrichtungen zur besseren Ansprache der Zielgruppen
Dieses Format soll nun auch in Kärnten erprobt werden.
Mehrwert für Kultureinrichtungen
Die Aktion ist keine PR-Maßnahme, sondern strukturelle Kooperation.
Sie ermöglicht:
* Einbindung marginalisierter Gruppen
* Zugang für Menschen in Grundversorgung (z.B. Asylwerber:innen)
* gelebte Solidarität
* gesellschaftliche Verantwortung jenseits symbolischer Gesten
Kultureinrichtungen werden Teil eines sozialen Netzwerks, das sie allein nicht erreichen könnten.
Aktuelle Herausforderungen
Steigende Inflation und Budgetkürzungen betreffen sowohl Kultur- als auch Sozialbereich.
Obdachlosenheime, Frauenhäuser und Jugendnotschlafstellen sind stark ausgelastet.
Dennoch wird in Kärnten laut Brenas-Kacedonik differenzierter gekürzt als in manchen anderen Bundesländern.
Die Achse **Kultur und Soziales** birgt langfristig großes Potenzial:
Armutsbekämpfung kann breiter gedacht werden – nicht nur materiell, sondern auch kulturell und gesellschaftlich.
Ausblick
Für die kommende Zeit sind geplant:
* Ausbau der Ausgabestellen im gesamten Bundesland
* Erprobung des Formats „Kulturtransfer“
* stärkere Öffentlichkeitsarbeit
* Gewinnung weiterer Kulturpartner
Fazit
„Hunger auf Kunst und Kultur“ verbindet soziale Gerechtigkeit mit kultureller Teilhabe.
Kultur wird hier nicht als Luxus verstanden, sondern als Grundbedürfnis und demokratisches Recht.
Die Initiative zeigt:
Soziale Inklusion beginnt dort, wo Menschen wieder sichtbar werden – auch im Theater, im Museum oder im Konzertsaal.
Diese Nachlese basiert auf der Podcast-Episode "kikk off za kulturo“ der IG KiKK zum Thema Hunger auf Kunst und Kultur in Kärnten | Koroška und wurde mit Hilfe von Notebook LM und Chat GPT erstellt.