Awarenessarbeit für Veranstaltende
Hier findet ihr eine Nachlese und Zusammenfassung zum Awarenessarbeit für Veranstaltende – Workshop am 15. und 16. November 2025
Zusammenfassung des Workshops und der Inhalte von
Awarenessarbeit für Veranstaltende – Workshop am 15. und 16. November
Am 15. und 16. November haben wir einen Workshop zur Awarenessarbeit für Veranstaltende durchgeführt. Ziel war es, Fachwissen, Praxisstrategien und Reflexion zu verbinden, um Veranstaltungen sicherer und bewusster zu gestalten. Der Fokus lag auf der Unterstützung von Betroffenen von Gewalt und Diskriminierung, der Stärkung von Awareness-Strukturen und der Vermittlung zentraler Konzepte wie Definitionsmacht und Parteilichkeit.
Awarenessarbeit in der Praxis
Awarenessarbeit bedeutet, aktiv Verantwortung zu übernehmen und Strukturen zu schaffen, in denen sich alle Beteiligten sicher und unterstützt fühlen. Awareness-Teams sind vor Ort, um unmittelbar zu helfen, während Awareness-Anlaufstellen langfristige Konzepte entwickeln und interne wie externe Strukturen begleiten. Klare Rollentrennung, z. B. zwischen Security und Awareness-Team, kurze Einsatzzeiten, sichtbare Ansprechpersonen, Material für Grundversorgung (Wasser, Decken, Hygieneprodukte, Erste Hilfe) und die Vier-Augen-Regel sind zentrale Prinzipien. Awareness ist keine Aufgabe der Betroffenen selbst – vielmehr tragen Teams und Veranstaltende die Verantwortung.
Gewalt und Diskriminierung erkennen
Gewalt umfasst weit mehr als körperliche Übergriffe. Sie zeigt sich emotional, verbal, ökonomisch oder sexualisiert. Diskriminierung, etwa Rassismus, Sexismus, Ableism, Homophobie oder Transphobie, ist eine Form struktureller Gewalt, die Betroffene in ihren Chancen auf gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben einschränkt. Zwischenmenschliche Gewalt ist oft eng mit institutionellen und gesellschaftlichen Strukturen verknüpft, die sie begünstigen und aufrechterhalten. Awarenessarbeit berücksichtigt diese Zusammenhänge und stärkt die Handlungsmöglichkeiten der Betroffenen.
Definitionsmacht – Betroffene bestimmen selbst
Ein zentrales Prinzip der Awarenessarbeit ist die Definitionsmacht. Sie bedeutet, dass Betroffene selbst entscheiden, was ihnen widerfahren ist, wie sie die erlebte Gewalt benennen und welche Maßnahmen für sie sinnvoll sind. Unterstützerinnen begleiten diesen Prozess, ohne zu bewerten oder eigene Urteile aufzudrängen. Schutzraumforderungen oder andere Interventionen dienen nicht der Bestrafung der gewaltausübenden Person, sondern der Sicherheit und Handlungsfähigkeit der Betroffenen. Definitionsmacht stellt einen Perspektivwechsel dar: Macht wird von der Täterin auf die Betroffene übertragen, wodurch sie wieder Subjekt ihrer Situation wird und Selbstbestimmung zurückgewinnt.
Parteilichkeit – solidarische Haltung einnehmen
Parteilichkeit geht über Definitionsmacht hinaus. Sie beschreibt eine aktive, nach außen gerichtete Solidarität mit Betroffenen. Wer parteilich handelt, vertritt konsequent ihre Interessen, reflektiert Machtungleichheiten und stellt eigene Sympathien oder Interessen zugunsten der Betroffenen zurück. Parteilichkeit zeigt sich in Schutz, Sichtbarkeit, Unterstützung und argumentativer Vertretung, sowohl im persönlichen Umfeld als auch in professionellen Kontexten wie Sozialarbeit oder Beratung. Sie ist ein fundamentales Instrument, um Handlungsfähigkeit und Empowerment von marginalisierten Personen zu sichern.
Fazit
Der Workshop machte deutlich, dass Awarenessarbeit weit über die unmittelbare Intervention hinausgeht. Sie erfordert die Sensibilität für strukturelle Machtverhältnisse, die Reflexion eigener Positionen, klare organisatorische Strukturen und die Fähigkeit, sich solidarisch auf die Perspektiven der Betroffenen einzulassen. Durch die Anwendung von Definitionsmacht und Parteilichkeit wird es möglich, sichere Räume zu schaffen, Betroffene zu stärken und Veranstaltungen bewusst inklusiver und respektvoller zu gestalten.
Awareness Standards
awareness-standards.info
Awareness Institut- Vernetzung von Kollektiven und Einzelpersonen
https://awareness-institut.net/
gelesene und weiterführende Texte:
Lesmigras Grenzen Setzen! Ein Arbeitsbuch
https://lesmigras.de/wp-content/uploads/2021/06/LesMigraS_Grenzen_Setzen_online.pdf
LesMigras Unterstützungs geben. Hanldungsmöglichkeiten im Umgang mit Gewalt und Diskriminierung.
https://thelivingarchives.org/lesmigras-2011-unterstuetzung-geben/
Ann Wiesental Antisexistische Awareness. Ein Handbuch
https://unrast-verlag.de/produkt/antisexistische-awareness/
Leseprobe: https://unrast-verlag.b-cdn.net/wp-content/uploads/downloads/897713109-Antisexistische-Awareness-Leseprobe.pdf