Kunst- und Kulturstrategie 2030 Kärnten|Koroška

In Kärnten/Koroška hat der Prozess zur Erarbeitung der „Kunst- und Kulturstrategie 2030“ begonnen. Damit wurde ein auf zweieinhalb Jahren angelegter, partizipativer Prozess gestartet. Gemeinsam mit Kunst- und Kulturtätigen, der Bevölkerung sowie Vertretern aus Wirtschaft und Tourismus will das Land Kärnten/Koroška die kulturellen Stärken und Herausforderungen seiner Kulturlandschaft evaluieren.

Im Kärntner Regierungsprogramm 2023-2028 ist die „Erstellung einer Kunst- und Kulturstrategie zur Identifizierung von Weiterentwicklungsmöglichkeiten des Kärntner Kunst- und Kulturbereichs und der Festlegung von Schwerpunktthemen“ festgeschrieben. „Ziel ist der Erhalt der Vielfalt der Kärntner Kulturszene bei gleichzeitiger Schärfung von Alleinstellungsmerkmalen des Kulturlandes Kärnten“. Mit der Pressekonferenz am 15. Jänner wurde der Startschuss gegeben für einen Austausch über die kulturellen Besonderheiten der Kulturlandschaft Kärntens, der allen Menschen im Land Kärnten/Koroška zugutekommen soll.

Eine zentrale Rolle im Prozess soll Partizipation spielen, denn die Erarbeitung der Kulturstrategie soll auf einer möglichst breiten Basis mit Beteiligung von Kulturinstitutionen, der freien Szene, allen ehrenamtlich Engagierten und Kulturinteressierten geschehen. Vertreter*innen aus den mit der Kultur in wichtiger Wechselwirkung stehenden Bereichen Wirtschaft und Tourismus sollen ebenso mit einbezogen werden. Auf diese Weise sollen viele Perspektiven eingeholt werden, um einen Fahrplan für die Kunst- und Kulturlandschaft zu entwickeln. Am Ende soll ein realistisches und konkretes Ziel- und Maßnahmenpaket geschnürt sein, das in einem Abschlussdokument veröffentlicht wird.

Fachliche Expertise hinzugezogen

Die Kunst- und Kulturstrategie 2030 wird von der Landeskulturabteilung unter der Leitung von MMag. Brigitte Winkler-Komar betreut. Auch der Kulturverantwortliche des Landes Kärnten, Landeshauptmann und Kulturreferent Dr. Peter Kaiser, will sich selbst stark einbringen und wird persönlich an den Veranstaltungen teilnehmen. Zur Finanzierung hat das Land Kärnten für den Prozess € 204.000 pro Jahr ins Budget eingetaktet, somit stehen insgesamt (auf zweieinhalb Jahre verteilt) 510.000 Euro zur Verfügung.

Die öffentliche Ausschreibung des Prozesses durch das Land erfolgte im Herbst 2023. Nach diesem europaweiten Verfahren wurde das Strategieberatungsunternehmen actori im Jänner 2024 vom Land Kärnten mit der Durchführung und Organisation des Prozesses beauftragt. Actori besteht seit 2005 und berät Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen als auch Kulturverwaltung und -politik, so hat das Unternehmen etwa den Masterplan Kultur Hessen oder den länderübergreifenden Kulturplan Lausitz konzipiert und begleitet. Seine Erkenntnisse aus der langjährigen Erfahrung mit partizipativen Kulturentwicklungsprozessen teilt actori in der Studie „Kulturentwicklungsplanung: Chancen und Erfolgsfaktoren partizipativer Ausgestaltung“. Einer der beiden Autoren der Studie, Sebastian Lücke, ist mit der Kärntner Kunst- und Kulturstrategie 2030 als Projektleiter beauftragt. In Österreich war das Unternehmen bereits u.a. für die Albertina Wien, die Bundestheater-Holding, das Haus der Musik in Innsbruck, die Osterfestspiele Salzburg oder das Tiroler Landestheater tätig.

Inhalte und Schwerpunkte

Bereits länger zugesagt wurde der IG KiKK eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Fair Pay und weiteren Fairness-Themen, sowie die Verbesserung der Zusammenarbeit mit Tourismus und Wirtschaft. Die tatsächlich gewählten Schwerpunktthemen werden noch bekannt gegeben.

Fahrplan und erste Ereignisse

Als erster Schritt wurde eine Bestandsaufnahme zur Definition der Ausgangslage angekündigt. Hierfür wurden neben der Analyse von statistischen Daten und Kulturberichten auch qualitative Interviews mit 33 Expert:innen des Kärntner Kunst- und Kulturbereichs, darunter auch mit Vertreterinnen der IG KiKK, von actori durchgeführt.

Auch die Planung von Veranstaltungen ist Teil der ersten Phase. Drei Kick-off-Workshops wurden zu möglichen Themen mit Vertreter:innen aus Politik und Kulturverwaltung, dem Kärntner Kulturgremium und Stakeholdern aus Bildung, Religion, Gemeinden und Städten, des Tourismus, der Sozialpartner sowie der slowenischen Volksgruppe durchgeführt

Beteiligung bei Zukunftsforen

In der nächsten Phase wird eine partizipative Ausarbeitung der Kunst- und Kulturstrategie in Form von sechs „Zukunftsforen“ in den Bezirkshauptstädten zu je einem Schwerpunkt stattfinden. Kulturtätige, Expert:innen und die Bevölkerung sind eingeladen sich daran zu beteiligen und ihre Meinungen und Ideen einzubringen. Jedes Schwerpunktthema wird in jeweils zwei moderierten Workshops mit ausgewählten Expert:innen vertieft ausgearbeitet.

Das erste Zukunftsforum am 14. Juni in Bleiburg/Pliberk widmet sich unter dem Titel „Vernetzung und Kooperation“ regionalen Perspektiven auf Kunst und Kultur sowie den Möglichkeiten der spartenübergreifenden Vernetzung und der sektorenübergreifenden Kooperation – in Kärnten/Koroška, im Alpe-Adria-Raum und darüber hinaus. Ziel ist es, Synergien zu schaffen und zu stärken, inhaltliche Kooperationen zu fördern und gemeinsam in einen Austausch von Wissen und Erfahrungen zu kommen. Hier anmelden!

Wozu Kulturstrategie?

Einen Plan zu haben, ist gerade in Krisenzeiten wichtig, um den gesetzten Kurs beizubehalten und nicht nach jedem Windstoß nach Neuorientierung suchen zu müssen. So ist die Erarbeitung einer Kulturstrategie für ein Land ein wichtiger Prozess, um seine Kulturlandschaft nachhaltig zu stärken. Eine Kulturstrategie bildet das Fundament für das kulturpolitische Handeln, sie beschreibt die Leitlinien für die kulturelle Zukunftsvision und damit die kulturelle Entwicklung.

Moderne Strategieprozesse setzen auf Beteiligung in unterschiedlichen Formaten. Die bisherigen Ankündigungen zum Prozess betonen den Beteiligungscharakter intensiv, was wir als IG KiKK als positives Zeichen werten. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln hilft, die aktuelle Situation zu verstehen. Aus der Bestandsanalyse heraus können Ziele und Maßnahmen erarbeitet werden. Wohin wollen wir uns entwickeln? Wie wollen wir dort hinkommen? Der Kulturstrategieprozess ist eine Chance, Akteur:innen aus Kunst und Kultur, Politik und Verwaltung mit anderen Stakeholder:innen zusammenzubringen, unsere Visionen des Kulturlandes Kärnten/Koroška zu debattieren und Lösungen zu finden. Die Festschreibung in der Kulturstrategie gibt eine Verbindlichkeit, die auch über Regierungen hinweg bestehen bleiben kann.

Investition in die Zukunft

Für die Planung des Prozesses für die Kunst- und Kulturstrategie 2030 hat sich das Land Kärnten/Koroška professionelle Unterstützung geholt. Ein externes Beratungsunternehmen bringt die fachliche Expertise für die Prozessentwicklung und eine kritische Sicht von außen ein. Auch diese Entscheidung begrüßt die IG KiKK und sieht darin gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Prozess.

Nicht zuletzt wird mit der Umsetzung auch einer Empfehlung das Landesgerichtshofes entsprochen: Dieser hatte eine fehlende Kulturstrategie bereits mehrmals bemängelt.

Termine

Die Zukunftsforen sind öffentliche Veranstaltungen, Kunst- und Kulturtätige sowie Interessierte sind eingeladen! Anmeldung erforderlich.

Zukunftsforum Vernetzung & Kooperation
14. Juni 2024, 14:00-18:00, Kulturni dom, Bleiburg/Pliberk

Zukunftsforum, 18. Oktober 2024, Spittal

Zukunftsforum 15. November 2024, Villach

 

Kontakt

für Fragen, Wünsche, Anregungen:
mitmachen@kulturstrategie-kaernten.at

Alle Informationen:
www.kulturstrategie-kaernten.at

 

Empfehlung zur Nachlese:

Die Kunst, Pläne zu machen: Kulturstrategien und Entwicklungspläne der Politik (IG Kultur, 21.03.2023)

 

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