Hoffnung, Hype oder Risiko?

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Künstliche Intelligenz wird oft als Effizienzversprechen diskutiert: schneller schreiben, einfacher planen, automatisiert auswerten, Bilder und Videos generieren. Im vierten Community Lab von Praxis-KICK stand eine andere Frage im Mittelpunkt: Was löst KI gesellschaftlich aus – an Hoffnungen, Ängsten, Machtverschiebungen und neuen Abhängigkeiten?

Ausgangspunkt war der Comic-Essay „Schokoroboter und Deepfakes“, der Perspektiven junger Menschen auf Künstliche Intelligenz aufgreift. Als Community Lab war die Einheit stärker als gemeinsamer Reflexionsraum angelegt und weniger als technische Schulung.

Für Kulturarbeiter*innen in gemeinnützigen Kulturorganisationen ist diese Perspektive wichtig: KI betrifft nicht nur interne Abläufe, sondern auch Öffentlichkeit, Vertrauen, Demokratie, Zugänglichkeit, Ressourcen und den Wert gemeinsamer kultureller Räume.

 

Warum das Thema für Kulturorganisationen relevant ist


KI ist kein neutrales Werkzeug. Systeme werden von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Plattformen entwickelt, mit großen Datenmengen trainiert und in Geschäftsmodelle eingebunden. Deshalb stellt sich nicht nur die Frage, ob ein Tool funktioniert. Wichtig ist auch, welche Daten verarbeitet werden, welche Anbieter gestärkt werden, welche Abhängigkeiten entstehen und welche Entscheidungen besser nicht automatisiert werden.

Ein hilfreicher Begriff dafür ist Dual Use: Technologien können unterstützen, etwa bei Barrierefreiheit, Übersetzung, Recherche oder administrativer Entlastung. Dieselben Technologien können aber auch manipulieren, überwachen, ausschließen oder täuschen. Entscheidend sind der konkrete Einsatz, der organisatorische Rahmen und die Verantwortung für Folgen.

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Zentrale Risiken und Grundfragen


Bias und Diskriminierung

KI-Systeme lernen aus Daten. Wenn diese Daten gesellschaftliche Vorurteile enthalten, können KI-Ergebnisse diese Muster übernehmen oder verstärken. Das betrifft etwa Sprache, Bilder, Suchergebnisse, Zielgruppenmodelle oder automatisierte Empfehlungen.

Für Kulturorganisationen heißt das: KI-Ergebnisse sollten nicht als neutral gelten. Sie brauchen Prüfung, Kontextwissen und die Frage, welche Perspektiven fehlen.


Deepfakes und Vertrauensverlust

KI kann Bilder, Stimmen und Videos so verändern oder erzeugen, dass sie täuschend echt wirken. Damit entstehen Risiken für Persönlichkeitsrechte, politische Öffentlichkeit und Vertrauen in digitale Kommunikation.

In der Praxis bedeutet das: Quellen prüfen, Bild- und Videomaterial sorgfältig verwenden und bei Stimmen, Gesichtern oder personenbezogenem Material Rechte, Einwilligungen und Kontext besonders genau klären. Eine transparente Kennzeichnung sollte vor allem dann geprüft werden, wenn Publikum, Teilnehmende oder Kooperationspartner*innen über Entstehung, Authentizität oder Bearbeitung eines Inhalts getäuscht werden könnten.


Ökologischer Fußabdruck

KI-Anwendungen benötigen Rechenleistung, Speicher und Energie. Besonders ressourcenintensiv sind große Modelle sowie Bild- und Videogenerierung. Daraus folgt keine einfache Regel gegen KI. Sinnvoll ist eine bewusste Abwägung: Welche Nutzung spart tatsächlich Zeit oder schafft Zugang? Welche Nutzung ist nur Spielerei? Wo steht der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen?


KI und gemeinsame Erfahrung

Im Lab wurde betont, dass Kulturarbeit nicht nur aus Produkten besteht. Ihr Wert liegt auch in Beziehungen, Kontext, Aushandlung und gemeinsamer Erfahrung. KI kann Inhalte erzeugen, Varianten vorschlagen oder administrative Aufgaben erleichtern. Sie ersetzt aber nicht die soziale, politische und kulturelle Arbeit, die in Begegnung, Verantwortung und gemeinsamer Auseinandersetzung entsteht.
 

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Miniworkshop

KI-Haltung im Team entwickeln

Dieser Baustein wurde aus den Inhalten des Community Labs abgeleitet und für die Online-Dokumentation weiterentwickelt. Er eignet sich für Teams, die nicht nur einzelne Tools testen, sondern eine gemeinsame Haltung zum KI-Einsatz entwickeln wollen.


Ziel

Eine erste Orientierung für den verantwortungsvollen Umgang mit KI in der Organisation entwickeln.

Dauer

Etwa 60 bis 90 Minuten.


Schritt 1: Autonomie klären

Welche Aufgaben, Entscheidungen oder Ausdrucksformen sollen nicht an KI delegiert werden? Wo ist menschliche Verantwortung unverzichtbar?

Leitfragen:

  • Welche Aufgaben in unserer Organisation sollen nicht an KI delegiert werden?
  • Wo brauchen wir menschliche Verantwortung, Beziehung, Erfahrung oder Aushandlung?
  • Welche Entscheidungen dürfen nicht automatisiert vorbereitet oder getroffen werden?
  • Welche Formen von künstlerischem, politischem oder sozialem Ausdruck wollen wir bewusst selbst gestalten?


Schritt 2: Datenmacht besprechen

Welche Daten, Bilder, Stimmen, internen Informationen oder sensiblen Inhalte sollen nicht oder nur nach Prüfung in KI-Systeme eingegeben werden?

Leitfragen:

  • Welche Daten, Bilder, Stimmen oder internen Informationen verarbeiten wir in unserer Organisation?
  • Welche davon sind öffentlich, intern, vertraulich, personenbezogen oder sensibel?
  • Welche Inhalte sollen nicht in ungeprüfte Cloud-KI-Tools eingegeben werden?
  • Wo brauchen wir Anonymisierung, Einwilligung, lokale Verarbeitung oder eine datenschutzrechtlich geprüfte Lösung?


Schritt 3: Gestaltungsmöglichkeiten sammeln

Wo kann KI sinnvoll unterstützen? Wo kann die Organisation KI kritisch, künstlerisch oder vermittelnd zum Thema machen?

Leitfragen:

  • Wo kann KI unsere Arbeit sinnvoll unterstützen, ohne Verantwortung zu verschieben?
  • Wo könnte KI Barrierefreiheit, Verständlichkeit, Übersetzung oder Dokumentation verbessern?
  • Wo könnte KI selbst Thema eines Vermittlungsformats, Workshops, Gesprächs oder künstlerischen Projekts werden?
  • Welche Nutzung wäre für uns sinnvoll – und welche nur Hype?


Schritt 4: Erste Leitplanken formulieren

Drei bis fünf Grundsätze festhalten, etwa zu Transparenz, Datenschutz, Freigabe, Tool-Wahl und Grenzen der Nutzung.
 

Beispielstruktur:

Unsere ersten KI-Leitplanken:

1. Wir nutzen KI für:
[Aufgaben einfügen]

2. Wir nutzen KI nicht für:
[No-Gos einfügen]

3. Diese Daten bleiben ausgeschlossen:
[Datenarten einfügen]

4. Vor Veröffentlichung prüfen wir:
[Fakten, Rechte, Kennzeichnung, Tonalität, Bias]

5. Zuständig für Rückfragen ist:
[Person oder Rolle einfügen]

Für die weitere Ausarbeitung können die erläuterten KI-Leitlinien der IG Kultur für Kulturvereine als Orientierung herangezogen werden:

https://igkultur.at/ki-leitlinien-fuer-kulturvereine

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! Praxischeck: Dual-Use-Check für KI-Tools

Dieser Check unterstützt Teams dabei, ein KI-Tool nicht nur nach Effizienz, sondern auch nach möglichen Folgen zu bewerten.
 

1. Tool auswählen

Ein konkret genutztes oder geplantes KI-Tool benennen, etwa Textgenerierung, Bildgenerierung, Transkription, Übersetzung oder Meeting-Zusammenfassung.
 

2. Unterstützende Nutzung sammeln

Wo kann das Tool helfen? Zum Beispiel bei Routineaufgaben, Verständlichkeit, Barrierefreiheit, Übersetzung oder Ideenentwicklung.
 

3. Problematische Nutzung sammeln

Wo könnten Manipulation, Diskriminierung, Datenprobleme, Ausschlüsse, falsche Erwartungen oder Abhängigkeiten entstehen?
 

4. Grenzen festlegen

Wofür wird das Tool genutzt? Wofür nicht? Welche Daten sollen nicht oder nur nach Prüfung eingegeben werden? Wer prüft Ergebnisse vor Veröffentlichung oder Weitergabe?
 

5. Entscheidung dokumentieren

Die wichtigsten Punkte schriftlich festhalten. Daraus kann später ein interner Tool-Katalog oder ein Baustein für KI-Leitlinien entstehen.
 

Beispielvorlage:

Tool:
[Name]

Unterstützende Nutzung:
[Wie kann das Tool helfen?]

Problematische Nutzung:
[Welche Risiken, Fehlanwendungen oder Nebenfolgen sind denkbar?]

Betroffene Daten:
[Welche Daten werden eingegeben oder erzeugt?]

Mögliche Betroffene:
[Publikum, Team, Künstler*innen, Mitglieder, Kooperationspartner*innen]

Grenzen der Nutzung:
[Wofür nutzen wir das Tool nicht?]

Prüfung vor Veröffentlichung:
[Wer prüft Fakten, Rechte, Kennzeichnung, Bias und Tonalität?]

Entscheidung:
[freigegeben / nur testweise / nicht für sensible Daten / nicht nutzen]

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! Praxischeck: Was kann KI ersetzen – und was nicht?

Dieser Check hilft, Automatisierung anhand der eigenen Arbeit zu besprechen.

Prüffragen:

  • Welche Aufgaben sind wiederholbar, klar beschreibbar und wenig kontextabhängig?
  • Welche Aufgaben brauchen Beziehung, Vertrauen, Verantwortung oder Aushandlung?
  • Wo kann KI vorbereiten, ohne Entscheidungen zu treffen?
  • Wo würde Automatisierung Qualität, Zugänglichkeit oder Fairness verschlechtern?
  • Welche Arbeit bleibt unsichtbar, wenn nur auf Effizienz geschaut wird?
  • Welche Aufgaben sollten ausdrücklich nicht an KI delegiert werden?

KI kann dort hilfreich sein, wo sie administrative Last reduziert oder erste Entwürfe vorbereitet. Sie sollte nicht ohne klare Zuständigkeiten und Prüfprozesse dort eingesetzt werden, wo sensible Daten, politische Positionierung, soziale Verantwortung oder Entscheidungen über Menschen betroffen sind.

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Praxisbeispiele aus dem Lab


Digitale Souveränität durch bewusste Tool-Wahl

Im Lab wurde Mistral bzw. Le Chat als europäische Alternative zu dominanten US-Anbietern genannt. Der Punkt ist nicht, ein einzelnes Tool pauschal zu empfehlen. Entscheidend ist die Frage, wie Kulturorganisationen Abhängigkeiten reflektieren: Welche Anbieter werden genutzt? Wo liegen Daten? Welche Kosten, Nutzungsbedingungen und Datenschutzfragen sind relevant?


Administrative Entlastung im Kulturbüro

Ein Beispiel aus dem Austausch war die Nutzung von KI-Sprachmodellen für Newsletter-Entwürfe. Solche Anwendungen können helfen, erste Fassungen, Varianten oder Strukturvorschläge zu erstellen. Verantwortung, Tonalität, politische Einordnung und finale Freigabe bleiben bei Menschen.


KI als Thema kultureller Auseinandersetzung

KI kann nicht nur als Werkzeug genutzt, sondern auch selbst zum Thema werden: in Ausstellungen, Vermittlungsformaten, Workshops, Diskussionsveranstaltungen oder künstlerischen Projekten. Kulturorganisationen können Räume schaffen, in denen technologische Entwicklungen kritisch verhandelt werden.


Companion-Apps als Reflexionsgegenstand

Im Lab wurden KI-basierte Apps für virtuelle Freundschaften oder Beziehungen als gesellschaftliches Beispiel genannt. Relevant ist daran weniger die Anwendung selbst, sondern die Frage, wie KI Nähe, Einsamkeit, Zustimmung, Widerspruch und Echokammern verändert.

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FAQ
 

Wie können kleine Organisationen KI sinnvoll nutzen?

Mit klar begrenzten Anwendungen: Entwürfe, Zusammenfassungen, Strukturvorschläge, Übersetzungen oder Varianten für interne Weiterarbeit. Wichtig ist, dass KI nicht unkontrolliert Entscheidungen trifft und dass Ergebnisse vor Veröffentlichung geprüft werden.

Was bedeutet digitale Souveränität bei KI?

Digitale Souveränität bedeutet, Abhängigkeiten zu erkennen und Handlungsspielräume zu erhalten. Dazu gehören bewusste Tool-Wahl, Datenminimierung, transparente Zuständigkeiten und die Prüfung von Alternativen zu dominanten Plattformen.

Ist KI ökologisch vertretbar?

Das lässt sich nicht allgemein beantworten. KI kann Arbeitsprozesse unterstützen, verursacht aber auch Energie- und Ressourcenverbrauch. Sinnvoll ist eine bewusste Abwägung: gezielt nutzen, unnötige Anwendungen vermeiden und besonders ressourcenintensive Formate nicht beiläufig einsetzen.

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Genannte Tools und Ressourcen aus der Einheit


Die folgende Liste dokumentiert Ressourcen und Beispiele, die im Zusammenhang mit dem Community Lab genannt wurden. Sie ist keine allgemeine Empfehlungsliste. Vor einer Nutzung sollten Zweck, Datenschutz, Kostenmodell, Rechtefragen, Barrierefreiheit, Aktualität und organisatorische Verantwortung geprüft werden.
 

Schokoroboter und Deepfakes
https://schokofakes.ai/
Comic-Essay über Perspektiven, Ängste und Wünsche junger Menschen in Bezug auf Künstliche Intelligenz. Zentrale Ressource der Einheit.

Doc J Snyder / Dr. Julia Schneider
https://docjsnyder.net/
Website der Comic-Essayistin und Referentin des Community Labs.

Nele Konopka
https://nelekonopka.net/
Website der Künstlerin, die im Zusammenhang mit dem Comic-Projekt genannt wurde.

Mistral Vibe, vormals Le Chat
https://chat.mistral.ai/
https://mistral.ai/products/vibe/
Im Lab als europäische KI-Alternative im Zusammenhang mit digitaler Souveränität genannt. Zum Zeitpunkt der Einheit wurde das Tool als Le Chat geführt; inzwischen wird es als Mistral Vibe bezeichnet.

AI 2027
https://ai-2027.com/
Im Lab als Ressource zu KI-Zukunftsszenarien genannt. Als spekulatives Szenario-Material einordnen, nicht als gesicherte Prognose.

Replika
https://replika.com/
Im Lab als Beispiel für KI-Companion-Apps und virtuelle Beziehungen genannt. Nicht als Empfehlung, sondern als Reflexionsbeispiel.

Anima
https://myanima.ai/
Ebenfalls als Beispiel für KI-basierte Companion-Anwendungen genannt. Nicht als Empfehlung, sondern als gesellschaftliches Beispiel einordnen.

ZoomMate / Zoom AI Companion
https://www.zoom.com/en/products/ai-assistant/
Im Lab als Beispiel für KI-Unterstützung in Meeting- und Workshopkontexten genannt. Bezeichnungen, Verfügbarkeit und Funktionen können je nach Zoom-Produkt und Lizenz variieren.

Tor Browser
https://www.torproject.org/
Im Zusammenhang mit Privatsphäre und Schutz vor Tracking genannt.

ChatGPT
https://chatgpt.com/
Als Beispiel für Textarbeit, Entwürfe und administrative Entlastung genannt.

AlphaFold / Google DeepMind
https://deepmind.google/science/alphafold/
Im Lab als Beispiel für konstruktive KI-Anwendungen in Wissenschaft und Forschung genannt.

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Hinweis: Diese Seite dokumentiert das Community Lab #4 „Hoffnung, Hype oder Risiko? Inspirationen aus dem Comic Essay Schokoroboter und Deepfakes“ mit Dr. Julia Schneider (aka Doc J Snyder) vom 16.12.2025. Die Inhalte wurden KI-gestützt aufbereitet, geben zentrale Impulse der Einheit wieder und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Genannte Tools und Ressourcen sind keine Empfehlungsliste und sollten vor Nutzung aktuell geprüft werden. Rechtliche Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung.