FIFTITU% - Das Netzwerk von Frauen* in Kunst und Kultur über österreichische Frauenpolitik

FIFTITU% ist Österreichs einzige Vernetzung- und Beratungsstelle für Frauen* aus Kunst und Kultur. Wir haben mit ihnen über ihre Arbeit, Probleme in der Österreichischen Frauenpolitik und ein Jahr schwarz/türkis-blauen Kahlschlag gesprochen, aber auch, warum gute Frauenpolitik nicht von der politischen Couleur abhängig ist.
FIFTITU%, Wir sind sichtbar, Foto: Violetta Wakolbinger

Patrick Kwasi: Was macht FIFTITU%?

Oona Valarie Serbest: FIFTITU% ist eine Vernetzungs- und Beratungsstelle für Künstlerinnen*, Kulturmanagerinnen*, Kulturarbeiterinnen* sowie für Frauen* aus den Medien und Kreative*. FIFTITU% sieht sich aber auch als Forum und Aktivistin. Uns gibt es seit ca. 20 Jahren. Die Aufgabe ist es, Frauen* zu beraten, aber auch mit Kunst- und Kulturprojekten nach außen zu gehen um frauenpolitische und feministische Themen sichtbar zu machen. 

 


Kwasi: Was würdet ihr sagen sind momentan die größten frauenpolitischen Baustellen in Österreich?

Gitti Vasicek: Es gab eine Zeit, in der Fraueninitiativen und Frauenräume gegründet wurden, aber sobald die Frauen die zugeteilten Räume verlassen haben und das Wort ergriffen haben, wurden diese sofort wieder geschlossen. Wenn Frauen das überschreiten, was ihnen zugeschrieben wird und tatsächlich im öffentlichen Raum die Stimme erheben, wird ihnen alles weggenommen. Man hat den Anschein erzeugt, Initiativen könnten sich selbst organisieren und auch Frauen hatten hier die Hoffnung, Schritte setzen zu können. Dort wo die Stimme zu laut wird, öffentlich wird, man etwas fordert, wird es wieder gestrichen. Da ist die politische Couleur egal, das war nicht nur bei der letzten Regierung so. Wir haben gelernt, dass Orte und Handlungen mühsam erstritten werden müssen. Mit Türkis-Blau erkennen wir schon eine klare „Frauen an den Herd“-Politik. Die sind an FIFTITU% nicht interessiert, die wollen nur Anreize zum Kinderkriegen schaffen. Da werden Leistungen von Frauen in die unbezahlte Arbeit geschoben, die dann nicht im Bruttoinlandsprodukt sichtbar sind. Und wenn sie das nicht sind, ist das unsichtbare Arbeit. Wir wollen Frauen wieder im Politischen verankern.. 

 


Kwasi: Was hat Schwarz/Türkis-Blau im Land oder im Bund für euch bedeutet?

Serbest: Bei uns haben die Kürzungen bereits unter Schwarz-Rot im Land begonnen. Da hat man uns die Spezialisierung vorgeworfen, die aber in der Wirtschaft immer als Erfolgsfaktor gepriesen wird. Bei hat man aus diesem Grund gekürzt. Das Land wollte sich auf das „Kerngeschäft“ zurückziehen, das war der Gewaltschutz. Das zeigt das Geben und Nehmen in der österreichischen Frauenpolitik. Es gibt ein Frauenministerium und dann ist es wieder weg. Am Ende fällt alles weg und es bleibt nur der Schutz von Frauen, gleichzeitig wird aber medial gefordert, jede Vergewaltigung müsse von Psychotherapeut*innen gemeldet werden. Das ist alles eine Farce! 

 

Kwasi: Habt ihr also wenig Hoffnung, dass nach Ibiza und dem Regierungsende die Karten ein wenig neu gemischt werden und sich auch etwas bessern könnte?

Vasicek: Wir haben immer Hoffnung! Sonst würden wir das auch nicht machen! Sonst hätten wir die letzte Zeit nicht übertauchen können. Das ist uns wohlgemerkt dank Spender*innen geglückt. Die Hoffnung gibt es immer. Wir sind im kreativen Bereich tätig und uns wird auch nun wieder etwas Kreatives einfallen. 

 


Kwasi: Welche Wünsche habt ihr an die Politik, was würde eure Arbeit erleichtern?

Vasicek: Uns würde freuen, wenn das Thema endlich ernst genommen und es auch auf die Agenda kommen würde. Ich habe im Vorwahlkampf aber noch nichts dazu gehört. Es wird viel über die Umwelt geredet, was auch legitim ist, aber Frauenpolitik ist noch nicht auf dem Tablet. 

Serbest: Auf einer ganz formalen Ebene wären gesicherte Förderungen wünschenswert, auch die Besetzung von Jurys statt Einzelpersonen in Gremien und so weiter. Es wäre auch ganz wichtig, dass, egal wer künftig das Ministerium überhat, nicht nur Opfer benannt werden, sondern eine Politik gemacht wird, die Selbstermächtigung fördert. Da ist Beratung wichtig, aber auch Räume, in denen Frauen* sich selbst organisieren können.

 

 

Oona Valarie Serbest, Gitti Vasicek, FIFTITU%

 

Gitti Vasicek ist Künstlerin und Aktivistin und Vorstandsmitglied bei FIFTITU%. 

Oona Valarie Serbest ist Künstlerin, Gründerin von Feminismus und Krawall und Geschäftsführerin bei FIFTITU%. 

 

 

 

 

Podcast zum Thema:

 

 

Fotos: Violetta Wakolbinger

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