Perspektive Leerstand — IG Kultur

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11.12.2012

Perspektive Leerstand - Es bewegt sich was

IG Kultur Wien

In den letzten Wochen wird das Thema Raum, Steigerung der Mieten und die damit verbundene Frage von wem und für wen die Stadt gestaltet werden soll, viel und breit diskutiert. Zunehmend scheint auch auf formell politischer Ebene anzukommen, dass es so nicht weiter gehen kann.

Hohe und steigende Mieten machen es (auch) für Gruppen und Kollektive aus dem kulturellen, sozialen und künstlerischen Bereich schwierig Raum zu finden, um zu arbeiten und zu wirken. Ein (Kultur) Schaffen, das nicht kommerziell und auf Gewinn ausgerichtet ist, ist so kaum möglich.

Aufgrund der großen Relevanz und Problematik dieses Themas, bietet es auch laufend Gesprächsstoff für Kunst und Kulturschaffende, so auch bei der IG Kultur Wien.

Die Publikation des zweiten Teils der Studie zur „Perspektive Leerstand“ Mitte November ist zu einem wichtigen Zeitpunkt erfolgt und konnte erfolgreich in den Diskurs intervenieren und Zusammenhänge deutlich machen. Die Pressekonferenz am 13.11. fand große Beachtung und sowohl die Studie als auch der Start des Leerstandsmelders ein breites Medienecho.

Von dem Medieninteresse und der deutlichen Position der IG Kultur Wien aufgeschreckt zeigten sich die betreffenden Magistrate auch wieder grundsätzlich gesprächsbereit, nachdem die Aufforderung der IG Kultur Wien zur Diskussion dieses Themas monatelang ignoriert wurde.

Ob die IG Kultur Wien und ihre Position ernsthaft einbezogen wird bleibt jedoch weiterhin fraglich, aktuell laufen die Planungen zu einer „Zwischennutzungsagentur“ hinter verschlossenen Türen.

Leerstandsmanagement für Wien

Die Analysen und Ergebnisse der Leerstandsstudie und öffentlicher Druck sind, vor allem in diesem Kontext politisch relevant und wichtig. Denn der Verdacht liegt nahe, dass mit der „Zwischennutzugsagentur“ ein Steuerungsinstrument entwickelt werden soll, das vor allem dazu dient stadträumliche Aufwertungsprozesse in Gang zu setzen. Dem gegenüber steht die Wichtigkeit, kostengünstigen und nutzer*inennorentierten Zugang zu Leerstand zu ermöglichen.

Im Zentrum eines sinnvollen, gesamtstädtischen und ressortübergreifenden Leerstandsmanagements sollten die Bedürfnisse möglicher Nutzer_innen stehen und damit verschiedene Nutzungsarten einbezogen werden. Wichtig ist dabei die verengte Perspektive allein auf Zwischennutzungen aufzugeben. Die meisten potentiellen Nutzer_innen haben die Notwendigkeit und den Wunsch nach einer langfristigen Nutzung.

Es ist notwendig eine Position zu stärken, die leerstehende Räume als städtische Ressourcen ansieht,als Urban Commons (städtische Gemeingüter), die möglichst vielen Menschen zugänglich sein sollen. Jenseits von der Regulierung durch Markt und Staat/Stadt, sollen sie von den Menschen organisiert und verwaltet werden, die sie nutzen.

Der Leerstandsmelder

Eine Bedingung dafür ist die Sichtbarmachung von Leerständen, um überhaupt die Nutzung konkreter Orte und Leerstände diskutieren zu können.

Hier setzt der Leerstandsmelder an für den die IG Kultur Wien als Träger wirkt. Auf der interaktiven Online Plattform www.leerstandsmelder.net können leerstehende Objekte in Wien eingetragen werden. Sie sind so auf dem Stadtplan sichtbar markiert. Dies ermöglicht einen neuen Blick auf die städtische Realität und schafft es Informationen von allen für alle zur Verfügung zu stellen und nutzbar zu machen. So wurden bereits in den letzten drei Wochen knapp 60 Leerstände eingetragen.

Gerade aufgrund der bisherigen Intransparenz und der Stadtgestaltung durch Wenige ist es notwendig, dass die Bewohner_innen die Entwicklungen im Stadtraum sensibel wahrnehmen, thematisieren und Erfahrungen konkret verorteter Konflikte miteinander teilen, um Widerstand leisten zu können und Alternativen zu schaffen.

Der Leerstandsmelder kann ein Transparenz schaffendes Element in diesem Prozess sein.

Wir hoffen, dass all dies erst der Anfang eines Diskussions- und Organisationsprozesses ist. Jedenfalls hat sich in Wien seit Jahren zu diesem Thema nicht so viel getan wie jetzt. Dafür spricht auch die Bildung der Plattform „Wilder Wohnen“, die vom 5.-8. Dezember wohnpolitische Aktionstage gestaltet hat.

Diesen Schwung versucht die IG Kultur Wien aufzunehmen und zu unterstützen. Über weiteres Mitwirken von Gruppen, Projekte, Vereine und Kollektive aus dem Umfeld der IG freuen wir uns!

Mehr unter:

www.igkulturwien.net/index.php
www.leerstandsmelder.net
http://wilderwohnen.blogsport.eu/
Pressestimmen: http://www.igkulturwien.net/index.php?id=33

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