Neuer Kulturinitiativen-Beirat — IG Kultur

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Neuer Kulturinitiativen-Beirat

Aktuelle Beiratsmitglieder 2014:

Wir haben die alten Mitglieder des Kulturinitiativen-Beirates sowie den Beirat für interdisziplinäre Kunst- und Kulturprojekte gebeten, sich und ihre Sicht auf Kulturarbeit kurz zu schildern. Mit einigen neuen Mitgliedern sind Interviews geplant, die an dieser Stelle dann auch veröffentlicht werden.

Kulturinitiativenbeirat:
Mag. Hans Dünser, Vorarlberg
Mag.a Katerina Haller, Tirol
Dr.in Sabine Kritsch-Schmall, Burgenland
Josef Schick, Niederösterreich
Thomas Weber, Wien
Mag. Thomas Wolkinger, Steiermark
Mag. Alina Zeichen, Kärnten

Leitlinien zur Förderung der Kulturentwicklung und Kulturinitiativen (pdf, 18 KB)

Beirat für interdisziplinäre Kunst- und Kulturprojekte:
Reni Hofmüller
MMag.a Korinna Lindinger
A.Univ.Prof. Mag. Rainer Zendron

Leitlinien zur Förderung interdisziplinärer Kunst- und Kulturprojekte (pdf, 14 KB)

THOMAS WEBER, WIEN

Wie schätzen Sie die Bedeutung von Kulturinitiativen und Kulturarbeit
in der österreichischen Kulturlandschaft ein?


Kultur ist Lebensmittel und Kulturarbeit – bezahlte wie ehrenamtliche – ist in meinen Augen die Essenz eines lebenswerten Lebens. Gerade die Bedeutung von Kulturinitiativen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ein persönliches Anliegen waren und sind mir immer auch regionale Initiativen. Was mir immer ein Graus war: der oftmals spöttisch-verächtliche Hauptstadtblick auf Projekte und Initiativen, welche nur von ”regionaler Relevanz" wären. Gerade in der journalistischen Arbeit ist es mir ein Anliegen, dass solche Projekte aufrichtig auf Augenhöhe thematisiert und ernst genommen werden. Damit habe ich auch die beste Erfahrung und darauf durchwegs positive Reaktionen erhalten. Gerade Projekte und Initiativen in den Bundesländern sind es oft nicht gewöhnt, ernst genommen und auch ehrlich thematisiert und kritisiert zu werden. Wahre Kultur bedeutet Vielfalt und ist eines sicher nicht: zentralistisch gesteuert. Auch medialer Zentralismus ist Gift für eine lebendige Kulturlandschaft. Ich freue mich z.B. immer auf das Erscheinen einschlägiger Medien (Versorgerin, Kulturzeitschrift, KUPF Zeitung, Kunststoff, Morgen etc.). Darin lese ich gerne und einen wahrscheinlich überdurchschnittlich hohen Anteil der Artikel.

Was ist Ihre Motivation, sich im Beirat zu engagieren?

Ehrlicherweise ist an erster Stelle die Neugierde. Und ja: Natürlich ist man als Medienmacher immer auf der Suche nach neuen Geschichten, ich beobachte gerne.

Worauf möchten Sie in Ihren Förderempfehlungen besonders achten, was
ist Ihnen ein Anliegen?


Siehe Antwort 1. Ein besonderes Anliegen sind mir außerdem Projekte, die sich nicht in die klassischen, tradierten Genres pressen lassen.

Welche zeitgenössischen Entwicklungen finden Sie spannend und unterstützenswert?

Es ist mitunter schwer, den Überblick zu behalten – aber mich reizen die Themen Netzkultur, Partizipation und Nachhaltigkeit. Für viele vielleicht eine Bedrohung, aber ich habe – bei allem Problem- und auch Nischenbewusstsein – keine Angst vor kommerziellen Projekten und Kreativwirtschaft (solange beides nicht zum Dogma wird). Die immer stärker werdende Abhängigkeit von Sponsoring muss jedem ernsthaft an Vielfalt Interessiertem Kopfzerbrechen bereiten. Besonders unterstützenswert finde ich die Vermittlungsarbeit und Einbeziehung von nicht klassisch kunst- und kulturaffinen Bevölkerungsgruppen.

Abschließend würden wir uns über ein paar Angaben zum beruflichen Hintergrund freuen.

Ich schreibe seit meinem 15. Lebensjahr (Schülerzeitung, NÖN) und bin gerade 36 geworden. Berufliche Stationen bei Radio FM4, Format, News, Stadtzeitung City. Seit 2000 bei The Gap (Magazin für Glamour und Diskurs), davon ab 2001 als Chefredakteur, ab 2007 als Herausgeber. 2005 habe ich BIORAMA (Magazin für nachhaltigen Lebensstil) gegründet, seit 2010 bin ich auch dort als Herausgeber aktiv. Meine journalistischen Themen: Politik, Kultur, Pop, Literatur, Kreativwirtschaft, Bio und Nachhaltigkeit. Bis 2012 war ich 6 Jahre lang Beirat des Jugendkultur-Förderprogramms Come-on der Kulturvernetzung Niederösterreichs, davor u.a. auch Mitglied der ”DenkerInnenrunde" des Wiener Kulturstadtrats. Als Unternehmer bin ich auch an einigen Firmen beteiligt – z.B. an Monopol Medien (dem Medienhaus, in dem The Gap und Biorama erscheinen) und an Comrades (Veranstalterin des Waves Vienna Festivals). Auf Twitter (@th_weber) kann man mir folgen.

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KORINNA LINDINGER

Korinna Lindinger, *1982 Kuchl, aufgewachsen in Christkindl, wohnhaft in Wien

Wie schätzen Sie die Bedeutung von Kulturinitiativen und Kulturarbeit
in der österreichischen Kulturlandschaft ein?


Diversität finde ich sehr wichtig. Wo Verschiedenes existiert, kann man sich gegenseitig auf gute Ideen bringen, voneinander lernen, Spass haben und leichter gute Fragen stellen. Kleine und große Kulturinitiativen sind meiner Meinung nach besonders wichtig für solch einen kulturellen Reichtum, weil sie ihre eigenen (lokalen)  Leidenschaften verfolgen.

Was ist Ihre Motivation, sich im Beirat zu engagieren?

Die Förderstrukturen für interdisziplinäre Kunst sind im BMUKK jung. Ich bin junge Künstlerin und Soziologin und beide Professionen liegen mir sehr am Herzen. Daher möchte ich mich für kluge Kooperationen zwischen Disziplinen einsetzen und werde versuchen die neugierige Perspektive einer "Berufseinsteigerin" einzubringen.

Worauf möchten Sie in Ihren Förderempfehlungen besonders achten, was ist Ihnen ein Anliegen?

Interdisziplinarität ist eigentlich ein ein schweres Geschäft. Denn frau muss ihr eigenes Handwerkszeug beherrschen und es in Dialog mit anderen Methoden bringen können. Wenn dies gelingt, können dynamische, dichte und ungewöhnliche Erkenntnisse und Ergebnisse entstehen. Ich würde ja sagen, ich bin ein Fan von Think-Tank-Projekten, nur wird das "Think" den künstlerischen Forschungsstrategien nicht im mindesten gerecht, daher vielleicht lieber: Ich bin eine große Befürworterin von Make-Think-Tank-Projekten.
Entsprechend wichtig sind mir auch die Experimente an den Rändern künstlerischer Disziplinen.

Welche zeitgenössischen Entwicklungen finden Sie spannend und
unterstützenswert?


Technologische Selbstermächtigung, die künstlerische Auseinandersetzung und das sinnliche Begreifen abstrakter Wirklichkeiten - der Finanzkapitalismus, die Epigenetik, die Physiologie des Träumens, .. - und der immer neue alte Kampf um (Frei)Räume.    

Abschließend würden wir uns über ein paar Angaben zum beruflichen
Hintergrund freuen.


Ich bin freie Künstlerin (Diplom Digitale Kunst 2009, Universität f. angewandte Kunst) und entwickle alleine oder mit meinen Künstlerinnenkollektiven kaquadrat (mit Karla Spiluttini) und maschen (mit Anna Haber und Julia Rosenberger) kinetische Skulpturen und Installationen.
Außerdem arbeite ich als Sozialwissenschaftlerin am Institut für Kinderrechte und Elternbildung. Meinen beiden Professionen gemein ist das Experimentieren, das Programmieren - hier von Microcontrollern, da von Datensätzen - sowie die Notwendigkeit Ergebnisse und Forschungprozesse zu vermitteln - hier meine künstlerische Entwurfs- und Prototypingpraxis z.B. im Rahmen des Tinkerlabs (Medienkunstfestival Schmiede) und des Medienkunstvereins Subnet (Salzburg), da Forschungsergebnisse vor EntscheidungsträgerInnen und WissenschaftlerInnen im Bereich Bildung, Arbeitsmarkt und Raum.

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JOSEF SCHICK, NIEDERÖSTERREICH

Grundsätzlich arbeite ich mit dem Doppelbegriff "Kunst und Kultur" und interessiere mich wenig bis gar nicht für diese ständig und aus unterschiedlichen Interessenslagen heraus geführte Diskussion "Kunst versus Kultur".

Wie schätzen Sie die Bedeutung von Kulturinitiativen und Kulturarbeit in der österreichischen Kulturlandschaft ein?

Kulturinitiativen und Kulturarbeit sind aus unterschiedlichen Gründen von großer Bedeutung.
Auch in diesem Bereich gilt (wie in allen anderen Lebensbereichen), dass pluralistische Gesellschaften dann funktionieren, wenn auf Spielfeldern von öffentlicher Bedeutung Akteure unterschiedlichster Größe aktiv sind (um jetzt mal irgend ein Beispiel zu nehmen: Vom Hausarzt bis zum AKH). KuK sind das "Werkzeug", um diese Funktion im Bereich von Kunst und Kultur zu erfüllen. Sie haben also formal gesehen eine wichtige Aufgabe im demokratischen Gefüge und ebenso darin, den Menschen in unserem Land ein vollständiges Angebot an KuK zu legen. In Zeiten der immer weiter gehenden Ökonomisierung aller Lebensbereiche haben die KuK eine Chance, an Bedeutung auch zu gewinnen.

Inhaltlich betrachtet liegt die Bedeutung vor allem in einem Bereich, der mit dem oft strapazierten Wort "Soziokultur" mE immer noch gut beschrieben wird. Und: Ja, auch ich kanns nicht mehr hören. Dennoch liegen wir hier weitgehend richtig. Für mich bedeutet der Begriff unterschiedliches, so wie die Rahmenbedingungen vor Ort sehr unterschiedlich sind:
- Schaffung eines nicht kommerziellen Angebotes in den Regionen (= vor Ort; zb ist mE Soho in Ottakring ein Musterbeispiel für eine regionale Initiative)
- Regionale Verankerung der Akteure
- Pflege des kulturell/künstlerischen, politischen und wissenschaftlichen Diskurses
- Pflege von inhaltlichen Nischen sowohl innerhalb von Genres als auch von Genres die zur Gänze Nischen sind (wie etwa Literatur)
- Bespielen von sozialen Themen und Spannungsfeldern mit den Mitteln von KuK

Was ist Ihre Motivation, sich im Beirat zu engagieren?

Ich arbeite seit beinahe 20 Jahren im Bereich der regional aufgestellten KuK aktiv und war dabei als Berater, Veranstalter und künstlerischer Akteur in unterschiedlichen Genres aktiv. Nebenbei habe ich mein eigenes Projekt aufgebaut. Auf dieser Basis ist es hoch spannend, die österreichweite Entwicklung  zu begleiten und ein wenig  mit zu beeinflussen.

Worauf möchten Sie in Ihren Förderempfehlungen besonders achten, was ist Ihnen ein Anliegen?

- Stärkung der "Kleinen"
- Frauen
- Migranten
- Besonders wichtig: Langjährig bestehende Initiativen stehen oft (wenn auch nicht immer) vor der Aufgabe, neue Inhalte zu finden, wenn sie relevant bleiben oder wieder relevant werden möchten.

Welche zeitgenössischen Entwicklungen finden Sie spannend und unterstützenswert?

- Jede Form des regionalen Angebotes, die über Musik/Literatur/Bildende Kunst/Theater hinaus geht (zb Diskurse, spartenübergreifendes, Kooperationen)
- Beschäftigung mit gesellschaftlich relevanten Fragen mit den Mitteln von KuK
- Nochmal eigens genannt Spartenübergreifende Projekte (zb Kunst und Wissenschaft)
- Grundsätzlich jene Ansätze, die ihre "Antennen" in die Zukunft richten und auf Basis der heute vorhandenen Rahmenbedingungen nach neuen Formen des zeitgenössischen regionalen Ausdrucks suchen.

Abschließend würden wir uns über ein paar Angaben zum beruflichen
Hintergrund freuen.


Ich habe nach einem Studium der Psychologie (nicht abgeschlossen) einige Jahre in der Meinungsforschung gearbeitet. Anschließend habe ich gemeinsam mit Freunden das Konzept der Kulturvernetzung Niederösterreich entwickelt und umgesetzt. Ich war von 1996 bis 2007 GF der Kulturvernetzungsstelle Weinviertel und bin seit 2002 GF der Kulturvernetzung Niederösterreich. Die Überlappungen ergeben sich aus der Entwicklung der Kulturvernetzung (seit 2008 nur mehr 1 Rechtskörper Kulturvernetzung NÖ, vorher bis zu 9)

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RAINER ZENDRON

Wie schätzen Sie die Bedeutung von Kulturinitiativen und Kulturarbeit in der österreichischen Kulturlandschaft ein?

Allein von meiner eigenen kulturellen Prägung her leitet sich eine prinzipell positive Wertschätzung von Kulturinitiativen ab, da ich in mehreren mitgearbeitet und einige auch (mit)gegründet habe. Meiner Einschätzung nach war ihre Bedeutung in den 80er und 90er Jahren entscheidender als in den vergangenen Jahren, doch glaube ich, dass ihre Wichtigkeit heute - in Zeiten drohender Budgetkürzungen im Kunstbereich - wieder zunehmen wird, falls sie nicht ausgehungert werden.

Was ist Ihre Motivation, sich im Beirat zu engagieren?

Die Beiratstätigkeit erlaubt mir leichter einen Überblick über aktuelle Strömungen interdisziplinären Kunstschaffens zu bewahren, weil ich dadurch aufgefordert bin mich laufend mit den Anträgen zu beschäftigen, denn allzu oft muss ich bemerken, dass mir wichtige KünstlerInnen und Initiativen aus dem Blickfeld rutschen.

Worauf möchten Sie in Ihren Förderempfehlungen besonders achten, was ist Ihnen ein Anliegen?

Der Beirat für interdisziplinäre Kunst- und Kulturförderung (in dem ich sitze) hat sich nach meiner ersten Einschätzung in der Vergangenheit ein sehr brauchbares und zeitgemäßes Leitbild für seine Förderpolitik erarbeitet, welches gesellschaftliche Relevanz sowie interdisziplinäre Projektzusammenarbeit zwischen Kunst und Wissenschaft ins Zentrum stellt. Dabei ist für mich in der Regel der Prozess dieser Arbeit entscheidender als eine perfekt geschliffene Präsentation; ein Scheitern ist mir jedenfalls lieber als gesicherte, kalkulierte Ergebnisse.

Welche zeitgenössischen Entwicklungen finden Sie spannend und unterstützenswert?

Kollektive und möglichst gleichberechtigte Zusammenarbeit (andauernd oder projektbezogen) Besonders spannend finde ich aktuelle und neue Herangehensweisen zu zentralen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen wie Migration, den Geschlechterverhältnissen und dem Kapitalismus.

Abschließend würden wir uns über ein paar Angaben zum beruflichen Hintergrund freuen.

Seit gut 10 Jahren arbeite ich als Vizerektor der Kunstuniversität Linz; ich versuche mich intensiv mit Gegenwartskunst auseinanderzusetzen und kuratiere (wenns meine Zeit erlaubt) Ausstellungen. Davor hatte ich viele Jahre in der Stadtwerkstatt, beim Festival der Regionen und im Offenen Kulturhaus gearbeitet.

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KUPF
IG KULTUR Österreich
Gumpendorfer Straße 63b
A-1060 Wien