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Offener Brief an Frau Dr. Juliane Alton und IG Kultur Österreich

Sandra Csillag

Sehr geehrte Frau Dr. Alton,
Die Initiative „Kunst hat Recht.“ wird mit großem Einsatz von Kunstschaffenden aller Sparten mitgetragen und befördert. Sie wird dabei von mehreren tausend KünstlerInnen, Erstverwertern, Verbänden und Organisationen, aber auch von den Verwertungs- gesellschaften unterstützt. Manche der InitiatorInnen sind selbst VertreterInnen von Organisationen, die dem Österreichischen Kulturrat angehören.
„Kunst hat Recht.“ verfolgt dabei vorrangig ein Ziel: die Verbesserung des Bewusstseins für den Wert von Kunst- und Kulturschaffen in der Öffentlichkeit. Sie hat hiezu gemeinsame Forderungen an die Politik formuliert, denn die soziale Lage der KünstlerInnen ist so prekär, dass diesen bei weiterer Säumnis Verarmung droht. Es handelt sich dabei um ein erstmaliges und einzigartiges Signal einer Branche, die ein bestehendes und bewährtes System vor dem Zerbrechen bewahren will.

Mit äußerstem Befremden nehmen wir daher zur Kenntnis, dass Sie als Geschäftsführerin der IG Kultur Vorarlberg und als Vorstandsmitglied der IG Kultur Österreich eine Presseaussendung veranlasst haben, die auf besonders perfide Weise gegen die Interessen der Kunstschaffenden polemisiert, indem Sie die Verwertungsgesellschaften pauschal als Inkassobüros für Medienkonzerne und Produktionsfirmen diffamieren. Wir weisen in aller Schärfe die Unterstellung zurück, dass „Verwertungsgesellschaften den Löwenanteil ihres Kuchens nicht an Künstler/innen“ überweisen und Produktionsfirmen die eigentlichen Nutznießer der Ergebnisse aus kollektiver Verwaltung sein sollen. Es widerspricht der Redlichkeit sachlicher Auseinandersetzungen in einem gegen die Verwertungsgesellschaften gerichteten Rundumschlag unhaltbare Sätze wie diese zu formulieren.

Dass Sie damit gerade auch die Literar-Mechana gemeint haben müssen, ist daraus ersichtlich, dass Sie in einer Fußnote eine einzige Verwertungsgesellschaft von dieser kollektiven Verdammung ausnehmen. Ein Blick in den Geschäftsbericht der Literar- Mechana, der auf www.literar.at öffentlich zugänglich ist und für den Sie sich doch schon allein aufgrund Ihrer Mitgliedschaft bei unserer Gesellschaft interessieren müssten, hätte genügt, um sich vom Gegenteil zu überzeugen. Tatsächlich wurden im Jahr 2010 74% der Einnahmen an Autoren und Rechtsnachfolger und 26% an Verleger überwiesen. Dies war auch in den Vorjahren in etwa so. Ihre Behauptung wird weder durch die gesetzlichen Bestimmungen noch durch die gängige Praxis gestützt.
Was wäre, wenn wir Sie pauschal und auch öffentlich bezichtigen würden, Lobbyistin für große „Medienkonzerne“ zu sein, die ebenso wie Sie für eine Deregulierung des Urheberrechts eintreten? Die Literar-Mechana hat sich gemeinsam mit der IG Autorinnen Autoren und dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels im Verein mit unserer deutschen Schwestergesellschaft und den deutschen Interessenverbänden auf dem Gebiet der Literatur in der Vergangenheit mehrmals und erfolgreich mit einem der größten Medienkonzerne angelegt, der sich widerrechtlich Millionen von Büchern angeeignet hat. Wir sind gerade nicht der Meinung, dass es im Interesse redlich agierender österreichischer Kleinverlage und unserer bezugsberechtigten Autoren ist, dass eine Gratisnutzung ihrer Werke zum Zweck der Profitsteigerung sehr mächtiger Medienkonzerne einfach hinzunehmen ist.

Für uns ist es auch empörend, wenn Sie die Verwertungsgesellschaften pauschal der mangelnden Kooperationsbereitschaft bei der Aufklärung und Darstellung der sozialen und der Einkommenslage ihrer eigenen Bezugsberechtigten bezichtigen, um damit vorsätzlich und auf Kosten ihrer Bezugsberechtigten sinnvolle Ergebnisse zu torpedieren. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Die Literar-Mechana nimmt an allen Arbeitsgruppen teil, die seit einigen Jahren zum Thema der sozialen Lage der Künstler stattfinden und liefert, wo immer es sinnvoll ist, zahlenmäßigen und inhaltlichen Input.

Mit Ihren pauschalen Unterstellungen richten Sie bei den Kunstschaffenden und den Mitgliedern der Literar-Mechana großen Schaden an.
Mit freundlichen Grüßen Literar-Mechana
Dr. Sandra Csillag Geschäftsführerin

 
 
Szene Bunte Wähne
IG KULTUR Österreich
Gumpendorfer Straße 63b
A-1060 Wien