Tiefer, grabt tiefer den Graben — IG Kultur

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06.12.2012

Tiefer, grabt tiefer den Graben...

Marty Huber

candle2.jpgAdvent, Advent, die Kohle brennt! Kerze 2

Beobachter_innen von Kulturbudgets und auch anderen Geldtöpfen wundern sich manchmal, wie es in Zeiten der Dauerkrise ganz plötzlich Geld gibt, das anderswo so gar nie locker von der Hand geht. Wer, wenn nicht die Finanzministerin Maria Fekter selbst, muss wissen, wo die Geheimreserven zu finden sind. Die ÖVP Politikerin macht dieser Tage munter Kulturpolitik: Sie vercheckt schon mal das ehemals vom Finanzministerium benutzte Stadtpalais als zukünftiges Barockmuseum an Agnes Husslein, ihres Zeichens Direktorin des Belvedere. Claudia Schmied, eigentlich zuständig, nickt das Vorhaben brav ab unter der Voraussetzung, dass das Finanzministerium die Kosten trägt. Da können wir mal gespannt sein, wie die laufenden Kosten, dann plötzlich doch im Kulturbudget landen und ein weiterer Schritt zur Musealisierung Österreichs getan wurde.

„Das Rechnungswesen des Salzburger Festspielfonds entsprach nicht einmal dem eines Vereins […]“ so urteilt der Rechnungshofbericht 2012 über den Salzburger Festspielfonds. Die Salzburger Festspiele schafften es bisher ihre Subventionen mit einer einfachen Einnahmen–Ausgabenrechnung zu belegen und das trotz eines Gesamtvolumens von rund 50 Millionen Euro (2009/2010). Für Normalsterbliche gilt dennoch die Pflicht ab einer Million Euro einen Jahresabschluss und ab einem jährlichen Budget von drei Millionen Euro eine Bilanz zu legen. Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler zeigt sich hingegen erstaunt, spricht von einer peniblen Eingaben–Ausgabenrechnung und eventuell ließe sich über eine Bilanzlegung reden. Wir werden sehen, ob die zu Jahresbeginn 2012 getane Kritik irgendwelche Früchte trägt, oder ob schon wieder einmal Gras über die Sache wachsen soll. Vehement verwehrt hat sich die Festspielpräsidentin jedenfalls gegen einen vom Rechnungshof vorgeschlagenen Rahmenvertrag, der würde nämlich die absurde Situation beseitigen, dass die Festspiele jedenfalls bei Überziehen des Budgets den Fehlbetrag von Bund, Land, Stadt und Tourismusförderung ersetzt bekommen. Niemand lässt sich so gern einen Freibrief zur kreativen Budgeterhöhung nehmen, man gönnt sich ja sonst nichts.

Ein paar Kilometer weiter in Tirol wird derzeit munter am größten Orchestergraben der Welt gebuddelt. Die Festspiele Erl können sich glücklich schätzen, neben dem Hauptmäzen Hans-Peter Haselsteiner, Bundes- und Landeskulturpolitik auf ihrer Seite zu haben. Für das Haus mit dem tiefen Graben werden jeweils von Land und Bund 8 Millionen Euro an Investitionsausgaben beigesteuert, damit die Festspiele Erl nicht nur im Sommer stattfinden können, sondern auch im Winter. „Immerhin“ hatten die Festspiele bei der Sommerausgabe 18.000 Besucher_innen, gleichzeitig beklagt der Leiter Gustav Kuhn, wie sehr das Festival unterdotiert ist, werden doch die Festspiele in Salzburg mit 56.000 Euro und in Bregenz 100.000 Euro pro Veranstaltung subventioniert. Erl hingegen müsse mit 36.000 Euro pro Veranstaltung auskommen. Wir haben nachgezählt: Im Sommer waren es 25 Veranstaltung, daraus ergibt sich ein Subventionsbeitrag der Steuerzahler_innen von 50 Euro pro Karte. Immer noch eine stattliche Summe und den tiefsten Orchestergraben der Welt gibt es zur Hälfte aus öffentlichen Geldern oben drauf. Wie gesagt, man gönnt sich ja sonst nichts.

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