Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge
Anmelden
03.05.2011

Für einen Oppositionspolitiker ist der Titel „Scharfrichter" ein Kompliment.

Juliane Alton

Zwei Einschätzungen Dieter Schrages in seinem gegen Wolfgang Zinggl gerichteten „Scharfrichter“-Kommentar erstaunen:

  • Dass er offenbar meint, für Museums- bzw. Kunsthallendirektoren hätten die üblichen rechtsstaatlichen Standards keine Geltung.
  • Dass ein Oppositionspolitiker in seinem Arbeitsfeld so einfach seine Ideen umsetzen könnte.

Noever war als Direktor des MAK ein hoch bezahlter Diener der Republik und hat als solcher lange Zeit gute Arbeit gemacht. Das berechtigt ihn aber nicht, öffentliche Infrastrukturen gratis zu benutzen. Er hätte diese Infrastruktur schlicht mieten können, zu denselben Bedingungen wie andere auch.  Trennen zu können zwischen mein und dein, zwischen privat und öffentlich ist ein einfacher und notwendiger moralischer Gedanke, zu dem ein Museumsdirektor sich nicht nur bekennen sondern auch in der Praxis jederzeit fähig sein sollte.

Matt ist ein langjähriger Kunsthallendirektor, der ebenfalls mit öffentlichem Geld gut bezahlt wird. Auch von ihm sollte man sich eine Anerkennung der rechtsstaatlichen Ordnung erwarten dürfen. Natürlich gibt es den Druck der öffentlichen Geldgeber, die Kultureinrichtungen möchten private Gelder lukrieren, natürlich gibt es den Wettbewerb zwischen den Museumsdirektoren um eben diese Gelder. Doch ist das kein Grund, einen Handel mit Staatsbürgerschaften anzubahnen, der es jede/r reichen Persönlichkeit erlauben würde, zu einem bestimmten Preis die österreichische Staatsbürgerschaft zu kaufen, während gleichzeitig für nicht begüterte Einreisewillige im Parlament die Hürden noch einmal höher gezogen werden, auch für solche, die tatsächlich im Namen der Freiheit der Kunst ein verfassungsmäßiges Einreiserecht hätten (doch das ist eine andere Geschichte).

Die Leistung des Oppositionspolitikers Zinggl ist es zu kontrollieren, was im Umfeld der Regierungskulturpolitiker/innen passiert und Missbräuche abzustellen, wo er welche findet. So sieht gute Oppositionsarbeit aus.

„Was machen die Grünen eigentlich für uns?“ wird Dieter Schrage von Künstler/innen gefragt. Abgesehen davon, dass Zinggl nicht Kunstminister ist, fällt mir da schon einiges ein: Er hat ein Grundsicherungsmodell für Künstler/innen erarbeitet – nicht ganz unwichtig in einem Land, wo der überwiegende Teil der Künstler/innen von der künstlerischen Arbeit nicht leben kann. Allerdings wurde es nicht umgesetzt. Er deckte Zahlentricksereien im Budget auf, mit denen Einsparungen in den Kulturbudgets vertuscht werden sollten. Er setzt sich für eine Museumslandschaft ein, wo weniger das Konkurrenzdenken der Direktoren, dafür mehr das öffentliche Interesse regiert. Er arbeitet an einer Neufassung des Urheberrechts, das endlich den Urheber/innen brauchbare Rechte geben soll.

Es ist billig, einem Oppositionspolitiker zu verübeln, dass seine Ideen und Konzepte nicht umgesetzt werden. Hingegen ist es wichtig, dass dort, wo viel öffentliches Geld in Kultur investiert wird, nicht das Schmierentum einzieht, das andernorts, wo noch mehr Geld fließt ist, schon zu Hause ist.

Zum Kommentar der anderen von Dieter Schrage

FREIRAUM Kulturinitiative
IG KULTUR Österreich
Gumpendorfer Straße 63b
A-1060 Wien