prekär leben

Nachgefragt: Berliner Fair Pay Modell aus Veranstalter-Perspektive

Wie wirken sich das Berliner Modell der Honoraruntergrenzen für Künstlerinnen und Künstler auf Kulturveranstalterinnen und -veranstalter aus? Wie haben bei der ufaFabrik, einem kollektiv verwalteten Kulturzentrum in Berlin nachgefragt. Ein Gespräch mit Frido Hinde, Geschäftsführer des „Internationalen Kulturcentrum ufaFabrik“ und Mitglied der ufaFabrik Gemeinschaft.

Es geht um soziale Standards

Kulturarbeit ist Arbeit und sollte auch als solche entlohnt werden. Mindeststandards der Entlohnung fehlen jedoch weitgehend, auch wenn die öffentliche Hand fördert. In Berlin gibt es seit 2014 Honoraruntergrenzen, die von Politik und Verwaltung explizit gefördert werden. Warum setzt sich die Verwaltung dafür ein? Wie sieht das in der Praxis aus? Und wie wird das finanziert? Ein Gespräch mit Nora Gatewood-Kurz (Kulturabteilung des Berliner Senats) über Honoraruntergrenzen aus Perspektive der Kulturverwaltung.

Wenn das Zuhause auch der Arbeitsplatz ist - Perspektiven auf häuslich Erwerbstätige mit Kindern im Kultur- und Kreativbereich

Heimarbeit oder auch häusliche Erwerbsarbeit kann als jegliche Erwerbsarbeit definiert werden, die zu Hause oder in dessen unmittelbaren Umfeld ausgeübt wird. Diese Definition beschreibt sowohl selbständige als auch unselbständige Arbeitsverhältnisse und umfasst unterschiedliche Arbeitsformen: von digitalisierter Wissensarbeit hin zur Anfertigung von Gegenständen und Produkten. Das Erwerbsarbeit im häuslichen Bereich ausgeübt wird ist an sich nichts Neues.

Fair Pay ist möglich - Das Berliner Modell der Honoraruntergrenzen

Höchst prekäre Arbeitsbedingungen mit unregelmäßiger, schlechter Bezahlung gelten vielfach als Normalzustand in der freien Kulturarbeit. Wer „frei“ tätig sein will, muss eben auch bereit sein, diese Bedingungen zu akzeptieren bzw. akzeptieren können. Immerhin ist es die „freie Szene“. Wer so argumentiert, verkennt und verschleiert, dass Arbeitsbedingungen gestalt- und damit veränderbar sind.

ArtLeaks - Whistleblower im Kampf gegen die Ausbeutung von Kunstarbeiter*Innen

Mit dem Aufstieg der Kultur- und Kreativwirtschaft wächst auch die Aufmerksamkeit für Arbeitsverhältnisse, bis bislang kaum beachtet wurden. Galten Berufe wie Autor*in, Künstler*in oder Musiker*in früher noch als elitär und ungewöhnlich, werden sie heute als normale Karriereoptionen dargestellt. Der steigende Beitrag der Kultur- und Kreativwirtschaft zur wirtschaftlichen Entwicklung und die Anzahl an Jobs, die der Sektor vermeintlich bietet, verstellt vielen Politiker*innen und Regierungen den Blick auf die Arbeitsbedingungen im Kreativbereich. Sie fragen nicht: Welche Art von Arbeitsplätzen werden im Kultur- und Kreativbereich geschaffen?

Vom Kreativproletariat zu kulturellen Arbeiter*innen

Von Künstler*innen und Kulturschaffenden wird erwartet, dass sie etwas Besonderes sind. Ihr künstlerisches Kapital liegt mindestens ebenso in ihrer Individualität begründet wie in den technischen Fähigkeiten, die sie auf dem Wege ihrer Ausbildung erworben und perfektioniert haben. Künstlerische Arbeit wird damit als exaktes Gegenstück zur rationellen kapitalistischen Produktionsweise entworfen, in der jeder Handgriff standardisiert ist und die ein Subjekt hervorgebracht hat, das sich – um ein spätfordistisches Klischee vom Proletariat zu bemühen – in Reihenhaussiedlungen, Pauschalurlauben und mit Hilfe von Massenkonsumgütern reproduziert.

Kollektiv denken und handeln - Kulturarbeiter*innen und das Prekariat

Die Prekarisierung von Beschäftigungsverhältnissen schreitet seit Beginn der neoliberalen Hegemonie in den 1990er Jahren unerbittlich voran. In Kunst und Kultur herrscht die Prekarität - genauso wie in der Bildung und Forschung, wo unzählige prekär arbeitende Fakultätsmitarbeiter*innen und verschuldete Hochschulabsolvent*innen den Großteil der Lehrtätigkeit und der groß angelegten Forschungsprojekte stemmen. Strategische Überlegungen für neue Zusammenschlüsse.

Kulturarbeit – ein abgekartetes und unfaires Spiel?

Mark Banks fordert “creative justice” und argumentiert dies in seiner jüngsten, gleichnamigen Publikation. Über zehn Jahre forscht er bereits über die Arbeitsbedingungen im Kulturbereich. Und er ist bestürzt über die Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten, die den Kultursektor prägen. Wer im Kulturbereich reüssieren und von seiner Kulturarbeit leben kann, sei ein “abgekartetes und unfaires Spiel”. Ein Interview.

Kulturförderungen juristisch erstreiten

1999 publizierte die IG Kultur Österreich im „Klimawechsel“(1) erstmals Forderungen zu einer transparenten Verwaltung. 2009 folgte eine Studie(2) und 2011 in der Serie „Alternativen zum Verlust der Kulturpolitik“(3) ein Artikel von Juliane Alton: „Transparenz in der Kulturverwaltung – a never ending story“. Im Fokus stand immer die Forderung nach einer sachlichen Begründung im Falle einer Ablehnung der Förderung. Nach Auffassung der IG Kultur Österreich ist eine Begründung „aus budgetären Gründen“ rechtswidrig, sofern ähnliche Projekte gefördert werden.

Prekäre Arbeit, prekäres Leben?

Als Prekarisierung werden Veränderungen der Beschäftigungsverhältnisse und der sozialen Sicherungssysteme beschrieben, die im Kontext permanenter neoliberaler Austerität seit drei Jahrzehnten durchgesetzt werden, und die Existenz- und Reproduktionsbedingungen der Menschen unterminieren (Motakef, 2015). Insbesondere die Auswirkungen der Finanzkrise 2008 und die austeritätspolitische Bearbeitung der Staatsschuldenkrise, die aus der staatlichen Rettung des Finanzsektors resultierten, führten zu einer weiteren Verschärfung von Prekarisierungstendenzen in vielen Länden.