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die rechten im klub, die rechten im parlament. oder: das match um 500 semmerln
christina nemec

letztens begleitete ich nach einer firmenfeier einen kollegen noch in den susiklub. ein sympathischer do-it-yourself technoklub in einem der neu adaptierten u-bahnbögen nahe der spittelau. dort wurde getanzt, viele. und gefeiert, einige. der geburtstag von „clemens“, der sein studium abgeschlossen und sich erfolgreich bei einer bzö-nahen organisation beworben hat. wow! denke ich, welche leute also in „meinen“ klub kommen. klar, irgendwer muss ja die rechten parteien gewählt haben. etwas später holt „clemens“ aus und fragt mich, ob ich eine „rote“ sei? aha? – und beginnt unverhohlen antisemitische sprüche zu klopfen. nach einigen minuten – die musik laut – gut gemixt – kann ich mich aus meiner starre lösen. ich begebe mich zum security-mann und verlange, jemanden von der geschäftsführung zu sprechen.

die situation ist unangenehm. die frau, die kommt, weiß nicht so recht, was tun und sagt: bei uns darf jeder denken, was er will, wir sind ein linker klub. ok. dann kommt noch ein geschäftsführer, der mich aber eher abschätzig und respektlos wegschickt. ich bin dann auch tatsächlich verärgert und verunsichert nach hause gegangen. es war cirka zwei uhr morgens, und ich war auch nicht mehr ganz nüchtern. „meine“ musik wird also von rechten und antisemiten genauso konsumiert, und diese leute fühlen sich auch genau in den zusammenhängen wohl, wo sie sich nach und nach einschleichen können, und aussprechen, was sie denken. und denken dürfen, was sie – laut susiklub-chefin – wollen. das wäre, nicht um zu sagen, früher war alles besser – aber rechte im flex oder rechte im fluc, wäre das heute möglich? wahrscheinlich ja. ich befürchte es. wenn strache im volksgarten oder in der nachtschicht feiert, ist mir das egal, denn distinktion hin, das sind nicht „meine“ klubs.

um meinen ärger abzulassen und das gefühl zu haben, re/agieren zu können, wende ich mich an die female pressure vienna-mailingliste, die genau dafür da ist. das macht sie so sinnvoll und so wichtig. termine und ankündigungen stehen hier neben alltäglichen problemen und erfolgsmeldungen, die sich in unserem feld rund um elektronische musik und vor allem um die schaffensbedingungen ergeben. die reaktionen – und es gab viele – waren eindeutig: rechte haben in „unseren“ zusammenhängen nichts verloren, wir spielen nicht, und wir machen definitiv keine parties für rechte, rassistInnen, homophobe, sexisten usw. – doch wie lässt sich das in die praxis überführen?

darüber wollen wir im rahmen unserer nächsten regelmäßigen treffen diskutieren, eventuell mit den klubbetreiberInnen einen runden tisch veranstalten, eine art gütesiegel vergeben? wir sind noch nicht viel weiter. daher sind vorschläge erbeten: chra@trost.at

fast genau vor zehn jahren – im oktober 1999 – spielte fritz ostermayer im flex. es war kurz nach der nationalratswahl (die, wie wir heute wissen, der rechten in die regierung verholfen hat), und ostermayer adressierte seinen song: „geht’s scheißen“ an alle, die damals fpö gewählt haben (immerhin jede/r fünfte), im wissen, dass einige davon sich dezidiert im flex im publikum aufhalten müssten. wir haben nur mehr verhalten lachen können.

arbeitsplätze schaffend, konjunkturunabhängig und krisensicher – so lauten bei maria fekter die vorteile der ausschreibung für ein so genanntes erstaufnahmelager – inklusive 500 semmerln zu produzieren täglich, die den konjunkturaufschwung ins dorf bringen sollen. auch kein witz!

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