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Polemik: Is the left-liberal intellectual allright?
Renk Rib Nitram

Mit Verwunderung musste ich zur Kenntnis nehmen, dass sich Oskar Lubins Text wohl nicht zufällig in die letzte Ausgabe der Kulturrisse verirrt hat – vielleicht ja bloß, um den Diskurs anzuregen. Nun gut. Lubin erklärt uns also, wie das so ist mit John Holloway, den ArbeiterInnen, „ihren“ Parteien und „ihrem“ Rassismus. Dabei erstaunt einiges – zuvörderst Lubins erstaunlich naiver Begriff von ArbeiterInnenklasse, seine politischen Schlussfolgerungen und last not least auch sein aus dem Text implizit hervorgehendes Verständnis von Marxismus bzw. „Bewegungsforschung“. Seine Kernthese jedenfalls ist, dass, da die ArbeiterInnen in sehr hohem Maße rechtsextreme Parteien wie FPÖ und BZÖ wählen, diese als revolutionäres Subjekt nichts (mehr) taugen. Gut gebrüllt, Löwe!

Bei all dem kritischen Habitus teilt er allerdings somit ein positivistisch-deskriptives Verständnis von ArbeiterInneklasse, welches eben genau jenes der bürgerlichen Meinungsforschung ist, die er zur Stützung seines Arguments herbeizieht, wie auch jenes eines „orthodoxen“ Marxismus, der in seiner Dichotomie von „Klasse an sich“ und „Klasse für sich“ zur ewigen Suche nach der „Verankerung“ in ersterer zur Verwandlung in zweitere verdammt ist. Doch damit nicht genug, erschöpft sich die Kritik am Rassismus der ArbeiterInnen doch tatsächlich in einer Mischung aus impliziter moralischer Empörung und oben genannten Meinungsforschungs-Zahlenspielereien. Dass die „Ängste der Bevölkerung“ auch etwas mit der aktuellen WeltwirtschaftsKRRRRRISSE zu tun haben könnten, dass andere Bevölkerungsgruppen oder gar -klassen vielleicht auch rassistische Denkmuster und Verhaltensweisen an den Tag legen (und darüber hinaus vielleicht sogar ziemlich gut zur Verfestigung der eigenen Herrschaft gebrauche könnten), ja dass vielleicht sogar der Begriff der ArbeiterInnenklasse eine kritisch-wissenschaftliche Kategorie, und nicht ein moralisch vorzügliches revolutionäres Subjekt sein könnte, kommt Lubin dabei nicht in den Sinn. Wer bitte produziert den gesellschaftlichen Reichtum, mitunter jenes Papier, auf dem sich das antiproletarische Ressentiment munter austoben darf? Wirklich ärgerlich allerdings wird’s, wenn auch noch der gute alte John Holloway als Gewährsmann herhalten muss. Gerade aus seinen Schriften, aus dem Umfeld des operaistisch beeinflussten „Open Marxism“ kommend, sollte hervorgehen, dass der emanzipatorische Kampf der ArbeiterInnen genau jener gegen das Klassifiziert-Werden, gegen die Arbeit, eben ein anti-identifikatorischer Kampf ist. Und nur als solcher ist ein Begriff von ArbeiterInnenklasse, der über die oben genannte kritisch-wissenschaftliche Kategorie hinausgeht, als politische Bezeichnung rebellierender Subjektivität brauch- und verwendbar. In diesem Sinne wären dann die workers immer schon auch non-workers oder post-workers. Das wiederum ist ziemlich allright, meine ich. Abgesehen davon gäb’s übrigens noch migrantische Care-ArbeiterInnen, prekäre WissensarbeitInnen, ReproduktionsarbeiterInnen, die „arbeitslose“ ArbeiterInnen-Reservearmee, an Kulturrisse-Artikeln arbeitende, die Arbeit verweigernde Nicht-ArbeiterInnen, scheinselbstständige ArbeiterInnen, illegalisierte ArbeiterInnen, die der theoretischen wie politischen Beschäftigung durchaus lohnen ...

Direkte Aktion und solidarisches Alltagshandeln sind ein notwendiger Anfang, soweit ist Lubin zuzustimmen, die zentrale politische Frage ist dabei aber, ob sich rassistische Denkmuster im Handgemenge sozialer Auseinandersetzungen eher aufbrechen lassen oder durch links-liberales Erhaben-Sein über den Pöbel, ob wirksame politische Veränderungen in emanzipatorischer Richtung von Massenbewegungen ausgehen müssen? Alles andere befördert meines Erachtens die fortdauernde Reproduktion des Kapitalverhältnisses und somit konstitutiv des Rassismus, denn allein der Austausch staatlicher Eliten ist der sicherste Garant für die Reproduktion der ArbeiterInnenklasse als ausgebeuteter. The left-liberal intellectual is not allright!

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