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Zum Küchenroman
Lisl Steger

Die Ausstellung im Heiligenkreuzerhof musste ich mir anschauen, denn sie zeigte den Nachlass einer Feministin, Kommunistin, Widerstands-Kämpferin und Aufbau-Künstlerin. Sage und schreibe 17 ecm-Lehrlinge fanden sich in einem Projektteam zusammen um, Ich bin keine Küche, Gegenwarts-Geschichten aus dem Nachlass von Margarete Schütte-Lihotzky auf die Beine zu stellen. Es waren vor allem Stuhlbeine, auf denen das materielle Erbe der berühmten Architektin präsentiert wurde.

An der Angewandten gibt es jetzt eben diesen Masterlehrgang für Ausstellungstheorie & Praxis. Er heißt ecm: e steht für educating, c für curating und m für managing. Die für unser gesellschaftliches Zusammenleben so essentiellen Infos finden sich auch hier auf einer Webseite: ecm Es ist aber auch ein windschiefes Lesezeichen im Umlauf, das für die Ausbildung wirbt: Die trafo.kantInnen drückten mir eines in die Hand.

„Die barocken Räumlichkeiten des Heiligenkreuzerhofes sind nicht leicht zu bespielen“, schreibt das ecm-Leitungsteam im polar fundierten Begleitheft zur Ausstellung, in dem Text- und Bildteil voneinander getrennt und durch das Umwenden des Heftes vereint erscheinen. Die MeisterInnen haben recht: Es ist schwer dort auszustellen, denn von oben herab leuchten pompöse Luster, unten möchte ein kunstvoll verlegtes Parkett nicht nur betreten werden, an den Wänden haften Fragmente von Malerei, die dominante Holzvertäfelung der Fensternischen und der opulente Ofen im Hauptraum legen dann noch ein Schäuferl SCHAUMICHAN nach. Die ecm-Lehrlinge hatten also eine schwierige Aufgabe zu bewältigen.

Viele KuratorInnen/KöchInnen verderben den Brei! Die kitchen-fiction war zu fett: Im ersten Raum befand sich schon Schütte-Lihotzkys Lebenslauf linear dargestellt, auf einer Tafel am ersten Stuhlgestell befestigt. („Der einleitende Überblick ist dastehend zu lesen“ = 1. Gebot). Links daneben hing ein großes Foto-Portrait, es hätte als Intro gereicht: Wir sehen eine mikrophonal sprechende Frau vor einem Publikum, ihre Hand erhebend.
Ist es nicht um das gegangen, was sich laut Zeitzeugin Schütte-Lihotzky im 20. Jahrhundert grundlegend verändert hat: Die Stellung der Frau in der Arbeitswelt?

Während eine der KuratorInnen Dinge erzählte, die ich mir schon schauend einverleibt hatte („Beteilige Dich gefälligst am geführten Diskurs“ = 2. Gebot), gerieten zunächst ihre spitzen Schuhe und dann wieder das Lauteste, das Stuhlkonstrukt mit den notwendig gewesenen Bohrungen, ins Blickfeld. Kleine abstehende Spreißel stachen ins Auge. Daneben schlängelten sich Kabel von weißen Klemmleuchten – angenehm demokratische Ware – unterhalb der Lusterelite durch den Stuhlstapel quer hindurch. Der Aufbau war sicher kein Zuckerlecken. Im Hauptraum wartete dann ein ovaler Stuhlgarten mit den ihn flankierenden feministischen Kunst-Beeten. Eine Detailfrage am Rand: Könnte es nicht vielleicht vorteilhaft gewesen sein für den Sprung in die Männerwelt, dass Schütte-Lihotzkys Opa der Direktor der ersten Wiener Baugesellschaft war?

Eine Besucherin machte mich auf eine andere Ausstellung aufmerksam: Carola Dertnig, mit ihren Video-Vorschlägen zur feministisch/aktivistischen Umbenennung von Wiener Gemeindebauten – auch eine Figur im Küchenroman – hat sich andernorts (Galerie Andreas Huber) poetisch dem Nachlass einer zweiten Architektin – Anna Lülja Praun – genähert. Eine Architektin, die ihre Stühle an die Wand hängte: „I want the space to remain open“. Me too.
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