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VorRisse
Patricia Köstring

Nach Internet-Recherchen zu Begriffen wie „direkte Aktion“, „militante gruppe“, „Innere Sicherheit“, „War on Terror“ und „Paragraph 129a“, erfolgt in Zusammenhang mit dem Redigieren der Schwerpunkttexte für die vorliegende Ausgabe der Kulturrisse, setzen wir schon mal Teewasser auf, für den Fall, dass wir ungeplanten Besuch bekommen:

Wir widmen uns in dieser Ausgabe jenen Facetten staatlicher Gewalt, die nicht nur als „Faust aufs Aug“ daherkommen, sondern als Beschnüffelung, als Einschüchterung, als Repression, auch durch das Wieder-in-Stellung-bringen von Gesetzesparagraphen, die einer „Inneren Sicherheit“ zuarbeiten. „Weg-gesichert“ werden hier vor allem auch linke AktivistInnen, und es zeigt sich, wie etwa Gene Ray in seinem Beitrag ausführt, dass es kein „Kollateralschaden“ ist, wenn hier die kleinen Fische mit im Schleppnetz landen. Vielmehr wird systematisch versucht, den Terrorismus-Begriff – als Strafgegenstand natürlich – auszuweiten.

Die Sache mit dem Teewasser ist natürlich ein Bild, eine Texteinleitungsfigur. Keinenfalls aber ist es kokettes Gehabe, denn wie wenig es braucht, um in die Mühlen der Ermittlungsbehörden und ihrer entfesselten Observationsmaschinerie zu geraten, zeigt der Fall des Sozialwissenschaftlers Andrej Holm aus Berlin. Andrej Holm beschreibt gemeinsam mit Anne Roth in der vorliegenden Ausgabe detailliert, welche Eigenschaften ein Mensch haben muss, welche Keywords er in seiner Netzkommunikation verwenden sollte, um in den Genuss einer Verhaftung samt (drohender) Anlage gemäß Paragraph 129a des deutschen Strafgesetzbuches zu kommen. Dieser aus den 1970er Jahren stammende Paragraph ermögliche eine „Vorverlagerung der Straffälligkeit“, als Ziel machen Holm/Roth, ähnlich wie Gene Ray, vor allem linke Milieus aus.

Gini Müller schlägt in ihrem Schwerpunktbeitrag einen Bogen von der theaterspezifischen Perspektive auf Feindbilder wie „den Terroristen“ zu anderen Bühnen: Sie berichtet von der Veranstaltung Dictionary of war, beschreibt das theatrum belli G8 und resümiert die jüngsten Urteile gegen DemonstantInnen in Genua – verlesen in der eindrucksvollen Architektur des Gerichtssaales zu Genau.

„Vorherrschende Sicherheitsdiskurse bedeuten für MigrantInnen und AsylwerberInnen systematische Unsicherheit“ schreiben maiz und Klub Zwei zu Beginn ihrer Darstellung des Projekts Terra Secura. Es schien uns wichtig, dieses im Kontext des Festivals der Regionen 2007 realisierte Projekt und seine Umsetzung nochmals vorzustellen, das unterschiedliche Aspekte von Sicherheit, von sozialer Sicherung bis hin zur EU als gated community aus der spezifischen Sichtweise von MigrantInnen bearbeitet hat.

Über unsichtbares Handeln und die Anfänge der Daktyloskopie (Identifikation durch Fingerprints) schreibt Stefan Nowotny in seinem Biometrie und epistemische Gewalt betitelten kleinen Versuch über die Polizei.

Abschließend möchten wir noch darauf verweisen, dass Markus Griesser, bis Ende 07 koordinierender Redakteur der Kulturrisse, zumindest in diesem Jahr nicht für das Teewasser im Büro verantwortlich sein wird: Er hat seine Koordinationsagenden an Belinda Kazeem und Patricia Köstring übergeben, bleibt der Redaktion als solcher aber schönerweise erhalten.
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Inhalt
VorRisse
Patricia Köstring
Im Häfen der Ehe ... und kein Ende in Sicht: EHE OHNE GRENZEN (EoG) wird zwei!
Ein Gespräch mit Aktivistinnen von Ehe ohne Grenzen
Kleines theatrum belli nach 2001
Gini Müller
Terrorermittlungen und Internet. Verdachtsmomente und Gegenstrategien
Andrej Holm und Anne Roth
AktivistInnen im Visier
Gene Ray
Terra Secura
maiz und Klub Zwei
Biometrie und epistemische Gewalt. Ein kleiner Versuch über die Polizei
Stefan Nowotny
Dieses obskure Subjekt der Begierde
Radostina Patulova
Wir sind sicher! Der Komet kommt ...
Marty Huber
Bedenkjahr 2008
Siegfried Mattl
Eine Art Grundgehalt für KünstlerInnen
Daniela Koweindl
Universen des Widerstandes. Bücher über den Strand unterm Pflaster
Marty Huber
Engagiert und überwiegend sehr objektiv ...
Eric Poscher
Warum Euromayday? Reflexion über Potenziale und Konflikte einer Bewegung.
Sante Precare und Santi Precari
Von Omaru bis Omofuma. Zur Kritik rassistischer Gewalt filmischer Repräsentation.
Tom Waibel
Konservativ fröhlich. Mitfühlend konservativ. Kulturpolitische Aufmarschpläne der ÖVP.
Martin Wassermair
Das kleine „Sowohl-als-auch“
Elisabeth Mayerhofer
Looking for Angela. Sicherheitslücken, Fünf-Finger-Taktik und Zäune
Belinda Kazeem
Die Jagd nach Datenschatten. Wie der Film Faceless Datenschutzgesetze unter die Lupe nimmt
Manu Luksch und Mukul Patel
Ausnahmen bestätigen die Regel. Ein Bericht
Eduard Freudmann und Ivana Marjanović
Der orientalistische Blick. Die Ausstellung Mahrem – Anmerkungen zum Schleier in der Kunsthalle Wien
Kamile Batur
Have the Cake and Eat It, Too. Institutionskritik als instituierende Praxis
Luisa Ziaja und Charlotte Martinz-Turek
Who are the ‚Boyz in the Hood’? Gewalt, Geschlecht und Ethnizität in Urban Music Videoclips
Rosa Reitsamer
Zum Küchenroman
Lisl Steger
hallo knallo! pragmatismus, musikmachen und der erfolg oder das versagen ...
christina nemec
Die Mitteilung der europäischen Hegemonieansprüche. Notizen zum Kulturverständnis der Europäischen Union.
Ljubomir Bratić
Die falsche Sanftmut der Kultur. Anmerkungen zur Mitteilung über eine europäische Kulturagenda im Zeichen der Globalisierung
Gerald Raunig
Wenn die Parodie Realität wird ... Der Studiengebührenboykott an der HfbK Hamburg
Bianca Hein und Frank Wörler
Weltordnung, Kriege und Sicherheit.
Benjamin Opratko
Grundeinkommen. Soziale Sicherheit ohne Arbeit
Markus Griesser
Neues aus der Kleingartensiedlung: Wehret den Anfängen
Andi Wahl