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Ding-Dong...Arbeit, Arrrbbeit, oder ARBEIT?
Marty Huber

Während das AMS und die Wirtschaftskammer mit ihrer Aktion „Weihnachtsengerl“ dieser Tage zum Weihnachtsgeschäft 200 Regalbetreuerinnen und Einpackerinnen zum Nulltarif verschenken, die gerade in der besten Konsumzeit des Jahres – also zwischen jetzt und Neujahr – im Handel Berufserfahrung im Adventszauber schnuppern sollen, während diese also brav von Steuergeldern bezahlt der Wirtschaft Niederösterreichs ein wenig zur Hand gehen, tippe ich in die Internetsuchmaschine zwei Wörter: 1.) wozu und 2.) arbeiten. Erstaunlicherweise erbrachte mir diese Suche an erster Stelle den Link zu einem Online-Manager-Magazin: „Wozu wir arbeiten?“, wurde da gefragt und es entsteht der Eindruck, dass es so gar nicht mehr Spaß machen will, sich für Gewinnmaximierung des Konzerns die Karriereleiter hoch zu strampeln. Schließlich ist doch das eigentliche Ziel, Arbeitsplätze abzubauen und dann letztendlich sich selbst wegzurationalisieren. Hoch lebe die Produktivität und das ist gut so.

Weg mit den Arbeitsplätzen! Ein Ende der Vollbeschäftigung in Sicht! Das sind die Erfolgsstories der Zukunft, das wird Schlagzeilen machen, nicht die Arbeitslosenstatistik. „Die Wirtschaft befreit die Menschen von der Arbeit“, sagt zum Beispiel Götz Werner, der Chef der Drogeriemarktkette DM und er kann die Aufforderung, dass die Wirtschaft Arbeitsplätze schaffen müsse, nicht mehr hören. Endlich weniger arbeiten und das tun, was einen mit Sinn erfüllt. Steht da nicht auch schon die Debatte um bedingungsloses Grundeinkommen vor der Tür? Es stellt uns vor die ernsthafte Frage, wozu wir arbeiten bzw. was als Arbeit anerkannt wird und wie: Üblicherweise nicht mit Lob, nicht mit Sicherung der Existenz, sondern mit Geld. Diese Fixierung ergibt klare Mechanismen der Be- und Abwertung von z.B. reproduktiven Tätigkeiten, die Großteils immer noch von Frauen gemacht werden. Sicherlich gibt es Arbeit, die nicht gerne gemacht wird, aber die wird auch nicht entsprechend entlohnt. Alle anderen Arbeiten würden sich eben anders „entlohnen“, nicht über Geld, sondern z.B. über Sinnstiftung.
Also keine Wirtschaftskrise, wie Werner weiter meint, sondern eine Verteilungskrise, denn noch nie wurde so viel produziert wie heute, und die Wirtschaft müsse die Menschen nicht nur mit Gütern, sondern auch mit Geld versorgen. Interessanterweise sagt dies ein Unternehmer, der ehrlich zugibt, dass Unternehmen de facto gar keine Steuern zahlen, weil diese ja in den Produkten verkalkuliert sind und von den KonsumentInnen bezahlt werden.

Für alles weitere gilt es dennoch, eine zusätzliche Frage nach der Verteilungsgerechtigkeit von (sinnstiftender) Arbeit an sich zu stellen, wenn die einen unbezahlte Überstunden schieben und die anderen in den Warteschlangen der Arbeitszeitverwaltungen ihr Übungen in Selbstbeherrschung machen, um dann ihre Zeit in sinnlosen Maßnahmen zu verschwenden. Auch Arbeit muss gerechter verteilt werden, insbesondere jene, die nicht spaßig ist, kein oder wenig symbolisches Kapital abwirft und sich nichts in der Prestigekassa verbuchen lässt. Neben der Ökonomie der Anerkennung muss es eine Ökonomie der Umverteilung geben, auf allen Ebenen.

Wenn also zu Weihnachten das bedingungslose Grundeinkommen an die Tür klopft, dann nicht das Jesus-Kind mit dem Bade ausschütten, soll ja der später in seinem Leben gesagt haben: „Seht die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht und ernten nicht, sie sammeln auch nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch...“

[Anm.: Die Referenzen zu Götz Werner beziehen sich auf das Interview „Die Wirtschaft befreit die Menschen von der Arbeit“ in der Stuttgarter Zeitung.]
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