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America in my mind
Boris Buden

Österreichische Politik, so hören wir, versucht also von der amerikanischen zu lernen. Die Parteien schickten sogar ganze Delegationen in die Vereinigten Staaten, um sich vor Ort über die neusten Wahltricks der Demokraten und Republikaner zu informieren: Man analysierte ihre Wahlstrategien, Werbetaktik, Medienauftritte, Spendepraxis, Slogans, Targetings, etc., in der Hoffnung, die amerikanische Erfahrung hierzulande anzuwenden und so die nächsten Wahlen für sich zu entscheiden. So sollen Gusenbauer und Schüssel, wie Bush in den Staaten, auf eine Hauptbotschaft beharren ("Stay on your message") oder eine einfache und dumme Grundbotschaft ständig wiederholen, ("Keep it simple and stupid"); die österreichischen Parteien sollen wie die Amerikaner sich viel aggressiver auf die ausgesuchten Zielgruppen stürzen und auch offensiver um Spenden werben und so weiter.

Ist es nicht interessant? Es wird uns wie automatisch suggeriert, dass nur die österreichische Parteipolitik fähig ist, aus der Erfahrung der letzten amerikanischen Wahlen zu lernen. Was ist mit den österreichischen WählerInnen? Gäbe es für sie keine Lehre aus den US-Wahlen? Warum soll die amerikanische Erfahrung nur den PolitikerInnen helfen, uns besser auszutricksen und nicht vielmehr den österreichischen WählerInnen, sich gegen diese Tricks zu wehren und das eigene Interesse durchzusetzen?

Erinnern wir uns an den so oft wiederholten Slogan im liberaldemokratischen Amerika: "Anything but Bush!" Das war nicht nur der Ausdruck eines verzweifelten demokratischen Minimalismus, sondern auch eines "rationalen" Pragmatismus: Bush gehört abgewählt, egal wer oder was ihn ersetzen sollte. Trotz massiver Mobilisierung der linksliberalen WählerInnen ist diese Strategie bekanntlich nicht aufgegangen. Die Einfachheit und die Dummheit haben sich durchgesetzt.

Die Frage lautet jetzt: Sollen wir es hier wiederholen? Sollen auch die ÖsterreicherInnen ausrufen: "Anything but Schüssel!", sogar Gusenbauer? Sagen wir es offen: So denken viele schon jetzt – es klingt eben rational, realistisch und pragmatisch. Was soll denn die Alternative sein?

Menschen, denen die Alternativlosigkeit zur einzigen Alternative geworden ist, müssen gar nicht in den politischen Kampf ziehen. Sie haben ihn nämlich schon verloren. Das ist es, was aus dem US-Wahlkampf gelernt werden sollte.

Nein! Die Einfachheit und Dummheit von Bush & Co. haben nicht die amerikanischen Wahlen gewonnen. Es waren pragmatischer politischer Realismus und demokratischer Minimalismus des liberaldemokratischen Amerika, die sie verloren haben. So ist die Message der amerikanischen Wahlen, auf die wir beharren sollten: Don't be simple and stupid!
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